Abb. 36. Altenburg.

Flößerei. Lobenstein.

Wie wenig Bedeutung die auf der Hochfläche aufgesetzten Berge haben, die nur selten eine ausgiebige Formentwickelung zeigen, sieht man am westlich von Naila gelegenen Spitzberg, der auf einem Seitenaste des Hauptkammes sich zu 728 m erhebt, während nur etwa 4 km westlicher im Thiemitzwalde eine unbenannte Höhe zu 759 m vermessen ist. Der ganze südwestliche Teil des Gebiets entwässert zur Rodach, deren weit in das Schiefergebirge hinaufreichenden Zuflüsse sich bei Kronach vereinigen. Hier werden vom Oktober bis April die Holzreichtümer des Waldes flußabwärts geflößt und die dafür hergerichteten Wasserstraßen, die Floßbäche, haben deshalb an beiden Ufern häufig eine Holzeinfassung. Im oberen Teile der Thäler werden nun die Wasser zu großen Floßteichen aufgestaut, in denen sich die Stämme sammeln, um dann nach Öffnen der Wehre die stammtragenden Wogen zu Thale rauschen zu lassen. Dann eilen die Flößer den Bach entlang, mit ihren Floßhaken die Hölzer leitend und ihr Ansammeln zu vermeiden. An großen Stauwehren werden die abwärts geführten Stämme aufgefischt und an wasserreicheren Stellen zu Floßböden zusammengefügt, um bis in den Main geführt zu werden. Die Rodach entspringt bei Rodacherbrunn auf der Höhe des Frankenwalds, während sich ihre Zuflüsse auf ein Gebiet von mindestens 25 km ausdehnen, die wichtigsten die wilde Rodach und der Tschirner Bach. Der obere Teil des wilden Rodachthals und seiner mit prachtvollen Edeltannen bewachsenen Nebenthäler ist merkwürdig durch die vielen Einzelhöfe seiner meist auf Hochflächen oder oberen Thalmulden erbauten Ansiedelungen. Nur Schwarzenbach am Wald (1500 Einw.) ist ein geschlossener Marktflecken, wo Schiefer, Serpentin und Marmor gebrochen wird. Wallenfels (1650 Einw.) im unteren Rodachthale ist ein katholischer Marktflecken, dessen Bewohner entweder in den Wetz- und Schleifsteinbrüchen oder als Flößer arbeiten. Östlich des Orts erhebt sich in dunklem Nadelwaldschmuck die Döbra, 597 m hoch (nicht zu verwechseln mit dem oben erwähnten 794 m hohen Döbraberg). Den Höhen nördlich liegen benachbart der bayerische Marktflecken Nordhalben (1700 Einw.), dessen katholische Bevölkerung in Schieferbrüchen oder Sägemühlen thätig ist, und das südlichste reußische Dorf Titschendorf. Hierher wanderte der evangelisch gewordene Volksteil Nordhalbens aus, als er hart bedrängt wurde, so daß Titschendorf zur Glaubenskolonie geworden war. Die Poststraße führt von Lobenstein über Nordhalben herab ins Rodachthal, wo sie Steinwiesen (1400 Einw.), ein bayrisches Flößerdorf, berührt, um dann nach Zeyern und Rodach hinabzuführen. Die Haßlach (richtiger Haslach = Haselwasser) entspringt etwa 2 km oberhalb des gleichnamigen Dorfes und in ihrem Thale läuft dann die Eisenbahn Probstzella-Stockheim. Sie vereinigt sich mit der Rodach bei Kronach, nachdem sie ihre bedeutendsten Zuflüsse aufgenommen hat, die Kremnitz aus dem Frankenwalde, die Tettau aus dem Schiefergebiete des südöstlichen Thüringer Waldes. Die bayerische Stadt Kronach (4250 Einw.) gehört dem Frankenwalde nicht mehr an, sondern der südwestdeutschen Triasmulde. Hier, wie im benachbarten Bezirk Lichtenfels wird überall die Korbflechterei als Hausindustrie betrieben. Kronach ist Geburtsort des Malers Lukas Cranach. Über der Stadt erhebt sich auf einem Sandsteinfels 378 m hoch die alte Bergfeste Rosenberg, die niemals bezwungen wurde, auch im dreißigjährigen Kriege leistete sie tapferen Widerstand. Die Meereshöhe des Flusses beträgt bei Kronach noch 303 m, östlich erhebt sich der Kreuzberg bis 458 m, die wichtigste Aussichtskuppe ist jedoch die Radspitze, 679 m hoch, von wo aus die Blicke über Coburg bis zum Staffelberge schweifen und bei klarem Wetter bis zu den blauen Kuppen der Rhön, nördlich aber die Gesamtheit des dunklen Frankenwalds umfassen.

So schön der Waldbestand im südlichen Frankenwald ist, so sehr zeigt die nördliche Abdachung eine etwas eintönige Landschaft auf breiten Rücken. Der Wald ist hier nicht überall gut gepflegt, die Felder oft mit langen Steinhalden an den Rändern versehen, die Thalränder aber meist gut bewaldet. Von den Hohlebrunnwiesen, 601 m hoch, unter dem aussichtsreichen Lobensteiner Kulm (728 m hoch) kommt die Thüringische Moschwitz herab, die Grenze zwischen Bayern und Reuß jüngere Linie bildend. An der aus den Lemnitzer Wiesenmulden herabkommenden Lemnitz liegt die ehemalige Residenz des Fürsten von Reuß-Lobenstein, die Stadt Lobenstein (2900 Einw.), überragt vom 30 m hohen Wartturm, die Reste einer alten Burg. Die Stadt hat als Badeort Wichtigkeit, da sie Stahlquellen besitzt und durch die Eisenbahnverbindung nach Blankenstein und über Remptendorf nach Ziegenrück dem Verkehr näher gerückt ist. Auf dem nördlichen durchschnittlich 500 m hohen Gelände liegt an der Friesa der Flecken Ebersdorf (800 Einw.), eine besuchte Sommerfrische mit evangelischer »Brüdergemeine«. Das Schloß war früher Residenz der Fürsten von Reuß-Ebersdorf-Lobenstein, jetzt Amtsgebäude.

Abb. 37. Leuchtenberg und Friedensburg.

Leuchtenberg.

Wie die ausgespreizten Finger einer Hand vereinen sich die forellenreichen Quellbäche der Sormitz, die herniederrauschen durch frischen Fichtenwald, bei dem freundlich gelegenen reußischen Flecken Wurzbach (1900 Einw.). Hier werden die aus den benachbarten Schieferbrüchen geholten Platten zu Schiefertafeln verarbeitet. Eine schöne Poststraße führt abwärts, vorüber an vielen Hämmern, die jetzt aber nur noch Sägewerke sind, nur die Heinrichshütte ist das einzige noch im Frankenwald bestehende Eisenwerk. Früher bestanden hier Silbergruben nebst Schmelzen. Schädlich für die Fischzucht sind die roten, schwefelsaure Thonerde enthaltenden Niederschläge, die aus den Schieferhalden von Schmiedebach herrühren. Im unteren Sormitzthal leuchtet aus der grünen Umgebung weiß schimmernd das rudolstädtische Städtchen Leuchtenberg (1280 Einw.), das aber nur noch 302 m hoch liegt und als Sommerfrische besucht wird ([Abb. 37]). Über der Stadt erhebt sich auf dem 100 m hohen Schloßberge die Friedensburg, eine unregelmäßige Anlage aus dem XV. und XVII. Jahrhundert.

Abb. 38. Sonneberg.
(Nach einer Photographie von Horn & Sohn in Sonneberg.)