Früher waren die Kaufleute einfach die Vermittler zwischen der erzeugenden Hausindustrie und dem Käufer, heute sind sie vielfach Besitzer von Fabriken, wo die Spielwaren geschaffen oder aus den in Hausindustrie gefertigten Teilen zusammengesetzt werden. Ein jeder pflegt meistens ein ganz besonderes Gebiet der Spielwarenindustrie. Hier gibt es alles Erdenkliche, was das Kindergemüt erfreut: Flinten und Kanonen, Büchsen, Armbrüste, Blasrohre, Schießscheiben, Instrumente, die entweder Musik oder wenigstens Lärm verursachen, Puppenstuben, Kaufmannsläden, Puppen, Puppenküchen und Puppenmöbel sowie Holzpferde. Dazu kommen noch alle möglichen Tiere mit und ohne Stimme, etwa 100 Millionen Märbeln aus dem marmorähnlichen Muschelkalk und viele Millionen in Lauscha hergestellter Glasmärbeln. Trotz der guten vom Gebirge herabwehenden Waldluft ist die Arbeiterbevölkerung, die auf beschränktestem Raume zahlreich und unter den ungünstigsten gesundheitlichen Verhältnissen ihr Dasein fristet, nicht gesund, sondern matt und siech. Fast die Hälfte aller im Alter von über 15 Jahren Sterbenden geht an Lungenschwindsucht zu Grunde. In ebenfalls trauriger Lage sind die Schnitzer und Drechsler als Hilfsarbeiter; sie liefern die Holzteile zu Puppenteilen, zu Tierbeinen, die Gestelle und Räder für die fahrenden Spielsachen u. s f. Andere befassen sich nur mit Gebrauchsartikeln, wie Schachteln, Griffel- und Farbenkästen; besonders in Steinheid und Steinach sitzt diese Gruppe von Holzarbeitern. Für die Thätigkeit der Hausindustrie bedeutete es eine schlimme Veränderung, daß die Schachtelmacher mit den Leistungen der Maschinen den Wettstreit aufnehmen. Da gab es eine tägliche Arbeitsleistung von 18 Stunden, und alle Kinder vom zartesten Alter an mußten mitarbeiten. Für das Tausend Schachteln wurden dann 3 bis 4 Mark bezahlt! Die Spielwarenindustrie wird meist als weit verzweigtes Hausgewerbe betrieben, in der Sonneberger Umgegend in mehr als dreißig Ortschaften. In und um Sonneberg sind allein etwa 2500 Frauen und Mädchen mit dem Nähen von Puppenkleidern beschäftigt, wobei in Stoff und Farbe sogar den neuesten Moden Rechnung zu tragen ist. Die Leute arbeiten mit Frau und Kindern in ganz gewisser, sich immer gleich bleibender Arbeitsteilung, wodurch allein eine große Schnelligkeit und die Möglichkeit erzielt wird, gut und zu außerordentlich billigen Preisen zu liefern. Zur Vervollkommnung wird Bildhauerei, Malerei und etwas Musik für die Spielwaren angewandt, und eine Industrieschule sorgt für zweckmäßigen Unterricht darin. Im Kreise Sonneberg befassen sich etwa hundert Firmen mit dem Spielwarengeschäft, dessen jährlicher Gesamtumsatz auf 12 bis 15 Millionen Mark geschätzt wird.

Abb. 44. Das Haus zum kleinen Gabelbach.

Am Westfuße des Kieferle liegt der Marktflecken Steinheid (1700 Einw.), nur 54 m unter dem genannten Gipfel, in kahler unwirtlicher Höhe. Wo jetzt graue Schindelhäuser stehen, war einst eine reiche Bergstadt, wo im XIII. Jahrhundert auf Gold und Silber von mehr als 1000 Bergleuten gebaut wurde. Im Jahre 1430 zerstörten die Hussiten die Bergwerke und den Ort, der auch im dreißigjährigen Kriege große Verheerungen auszuhalten hatte. Von großer Bedeutung für die Glas- und Porzellanbereitung ist der Sandberg bei Steinheid, eine mitten im Schiefergebirge vorhandene Buntsandstein-Scholle, die viele Fabriken des Gebirges mit Quarz und Kaolin versorgt, von letzterem 24 vom Hundert enthaltend. Westlich im Nadelholzbestand des Sigmundsburger Forstes erhebt sich der 864 m hohe Bleßberg, ein Schieferkegel, der eine prachtvolle Rundsicht gewährt, im Süden bis zum Fichtelgebirge und der Altenburg bei Bamberg, im Westen bis zur Rhön und im Norden bis zum Adlersberg bei Suhl und Kickelhahn bei Ilmenau, im Osten zum Wetzstein und den dunklen Wällen des Frankenwalds. In der Nähe der »Saar«, der Höhe westlich von Siegmundsburg, verläuft über den Schmieden (832 m) und den Bleßberg eine Wasserscheide, von der Bäche zur Saale, zum Main und zur Werra abrinnen, so daß diese Höhe die drei Flußgebiete der Elbe, des Rheins und der Weser voneinander scheidet. Am Westabhange des Bleßberges, oberhalb des Dorfes Stelzen, entspringt die Itz aus dem Itzbrunnen, dessen Fassung eine Erinnerung an das Mittelalter ist, als er unter dem Namen Mariahilf für wunderthätig galt und ein viel besuchter Wallfahrtsort war. Der Abfluß des Brunnens verschwindet bald in den Klüften des Muschelkalks und kommt erst an der Stelzener Dorfkirche wieder zum Vorschein. Die Itz fließt dann über Bachfeld nach Schalkau (1900 Einw.), das eine Kunstschule und eine Fischzuchtanstalt besitzt, und dann südlich, wo sie die Effelder und bei Öslau die Röden aufnimmt, um dann nach Coburg umzubiegen.

Fast von der Höhe des Rennsteigs fließt die Saar, die sich bei Schwarzenbrunn mit der jungen Werra vereint, in regenarmen Sommern gänzlich versiegt, so daß die dort liegenden Schneidemühlen monatelang feiern müssen. Die Werraquelle liegt 824 m hoch am nördlichen Zeupelsberge, und tritt nach ihrer Vereinigung mit der Saar aus dem Schiefergebirge in das Gebiet des Buntsandsteins hinüber. In ihrem obersten Thalabschnitt liegt das Thonwaren- und Blaufarbenwerk Sophienaue. Vom 834 m hohen aus Rotliegendem (mit Sandsteinen und Schieferthonen) bestehenden Fehrenberg rinnen die Quellbäche der Biber ab, eine wilde Schlucht bildend, um dann zahlreiche Mühlen zu treiben; die Biber mündet bei Lichtenau in die Schleuse.

Neuhaus a. R. Gräfenthal.

Nördlich der Steinachquellen und zusammenhängend mit dem schon erwähnten Dorfe Igelshieb streckt sich von der Höhe des Rennsteigs nach Norden der schwarzburg-rudolstädtische Flecken Neuhaus am Rennsteig (1900 Einw.), der wegen seiner Höhenlage von 812 m auch von Sommerfrischlern besucht wird. Den Anfang zur Ortschaftsanlage bildete ein gräflich schwarzburgisches Jagdhaus, das 1673 an der Stelle eines Vogelherdes entstand (wo jetzt das Forsthaus steht). Die ersten Bewohner arbeiteten im Walde und machten im Winter Schachteln. Später entwickelte sich die Glasbläserei und Porzellanfabrikation, die heute hier 500 Menschen beschäftigt, sowie Porzellanmalerei und Thermometerherstellung. Östlich senkt sich die hellgrüne Thalmulde des Lichtebaches in den dunklen Fichtenwald, deren Wasser der Schwarza zufließt. Hier im oberen Lichtethal sind in langen Häusergruppen das Dorf Lichte (1300 Einw.) und der meiningische Flecken Wallendorf (1300 Einw.) hingestreckt. Lichte war früher Holzmacherdorf, für das ebenso wie für Wallendorf die Porzellanindustrie maßgebend geworden ist. Für die künstlerische Ausbildung sorgt eine Zeichen- und Modellierschule in Lichte. Von Wallendorf führt jetzt eine Zweigbahn nach Probstzella im Thale des Zoptebaches entlang, die auch wichtig ist für die Verfrachtung des bei Gebersdorf gewonnenen Eisensteins, der in Unterwellenborn bei Saalfeld verhüttet wird. Die meiningische Stadt Gräfenthal (2200 Einw.) liegt in grünem schmalen Wiesenthal und lehnt sich mit der hoch ragenden Kirche malerisch an den Abhang eines steilen silurischen Thonschieferberges, der das im XV. und XVI. Jahrhundert erbaute Schloß Wespenstein (499 m hoch gelegen) trägt. Hauptthätigkeit ist auch hier die Porzellanfabrikation, ebenso ist Gräfenthal, wenn auch nicht in dem Maße wie Lehesten, ein Mittelpunkt der Schieferindustrie.

Bergwerksbetrieb.

Die Bergwerksförderung im ganzen Herzogtum Meiningen belief sich 1896 auf fast 2 Millionen Centner im Werte von dreieinviertel Millionen Mark. Von 154000 geförderten Centnern Eisenstein waren 79 v. H. Spateisenstein und 21 v. H. Brauneisenstein. Der Betrieb in den 26 Dach- und Tafelschieferbrüchen war ein sehr lebhafter und es wurden fast 1 Million Centner im Werte von mehr als zweieinhalb Millionen Mark abgesetzt. Auch die staatlichen und Privat-Griffelbrüche sind stets in flottem Betriebe gewesen und der Wochenlohn eines Griffelmachers erreichte die Höhe von 15–20 Mark. Leider werden in der Nähe von Lichtenhain und Bernsdorf geringwertige Griffel in beträchtlicher Menge aus Dachschiefer hergestellt und in den Handel gebracht. Von den Porzellansandbrüchen bei Schiernitz und Steinheid sind 114160 Centner Sand geholt worden, während die vier staatlichen Kaolinsandbrüche bei Steinheid in Pacht gegeben worden sind.