Abb. 45. Sitzungssaal der Gemeinde Gabelbach.
(Gezeichnet von Curt Agthe.)
Auf dem nördlich des Zoptethals aufsteigenden Hochlande reicht der höchste Punkt im Rauhhügel nur bis 803 m. Namen wie Schmiedeberg, Goldberg, Schwefelloch deuten darauf hin, daß schon in früher Zeit hier der Bergbau blühte, der aber heute nur noch auf Eisenstein betrieben wird. Schmiedefeld (1000 Einw.) und Reichmannsdorf (1100 Einw.) sind ehemalige Bergwerksdörfer, die schon im XII. Jahrhundert Bergbau auf Gold gepflegt haben, jetzt neben Landwirtschaft einige Gewerbe treiben, besonders Schachteln und Schiefertafeln herstellen. Die allmähliche Abdachung des Geländes nach Nordosten ist Veranlassung, daß die Kursdorfer Kuppe mit 789 m Höhe einen weiten Umblick gestattet, besonders auf das obere Schwarzathal und seine Verästelungen; einen ähnlichen Blick hat man auch vom Turme des Kirchberges (786 m) bei Oberweißbach. Außer der Loquitz bildet hier die Schwarza das Hauptsammelbecken der Gewässer, die östlich vom Dorfe Scheibe 715 m hoch vom Gebirgsrücken herabkommt. Eingeschnitten in kambrische Thonschiefer, windet sie sich in zahlreichen Biegungen durch tiefe Schluchten, über Felsblöcke dahinrauschend und läßt an manchen Stellen kaum Raum für die Straße oder schmale Wiesenstreifen. Die schönsten Theile des Thales sind der obere Abschnitt bis Blumenau und der untere von Schwarzburg abwärts, wo die Wände bis 45° Böschung haben oder senkrecht abstürzen. Ähnlichen Charakter zeigen auch die Nebenthäler, soweit sie gleiche geologische Beschaffenheit haben. Das Thal beherbergt indes viele Siedelungen und ist reich an gewerblichem Leben.
Abb. 46. Goethehaus auf dem Kickelhahn.
Katzhütte.
Das mächtige mit Buchen und herrlichen Tannen bewachsene Massiv des am höchsten Punkte 866 m messenden Wurzelberges wird von der jungen Schwarza in einem Halbkreise westlich umflossen. In der oberen wiesenreichen Thalweitung liegt in einer Höhe von 617 m, rings von Nadelwaldhöhen eingeschlossen, das rudolstädtische Dorf Scheibe (1000 Einw.), entstanden aus einem früheren Eisenhammer, mit bedeutender Porzellanfabrik. Der Bergbau auf Gold in Goldisthal, der noch im XVIII. Jahrhundert betrieben wurde, war zu wenig erträglich und mußte eingestellt werden. Die Ortsteile des schwarzburgisch-sondershäusischen Dorfes Ölze (1100 Einw.) ziehen sich am linken Schwarzaufer eine Stunde lang hin. An Stelle der eingegangenen Eisenhämmer sind Glashütten, Bleiweiß- und Farbenfabriken und viele Mühlen getreten, daneben beschäftigen sich die Einwohner noch als Holzarbeiter. In Altenfeld, wo Glashütten bestehen, zeugt ein alter Stollen noch von einem ehemaligen Silberbergwerk. Der Fabrikort Katzhütte (1600 Einw.), 427 m hoch, von hohen tannenbestandenen Bergen umschlossen, hat Eisengießerei und Porzellanfabrik, in der 300 Personen arbeiten und gegen 600 Familien noch außerhalb dafür beschäftigt werden. Hier wurde von den Gebrüdern Greiner 1759 die erste Porzellanfabrik in Thüringen angelegt, die aber in einigen Jahren nach Wallendorf verlegt wurde. Fast die Hälfte aller in Deutschland in den Porzellanfabriken thätigen Arbeiter sind in Thüringen vorhanden, wo trotz der Schwierigkeit der Beschaffung von Rohstoffen die Porzellanindustrie außerordentliche Bedeutung gewonnen hat. Nicht die Fabrikorte allein ziehen Vorteil davon, auch für deren weitere Umgebung ist die Industrie gewinnbringend, denn zahlreiche Waldbewohner arbeiten in Hausindustrie für die Fabrik oder sind in Sandsteinbrüchen und Massemühlen, ferner als Kapseldreher, Kisten- oder Pappkästenmacher thätig.
Abb. 47. Suhl und Domberg.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
Großbreitenbach. Schwarzburg.
Der wichtigste Platz im oberen Schwarzagebiet ist die zu Schwarzburg-Sondershausen gehörige 634 m hoch gelegene Stadt Großbreitenbach (2800 Einw.), im XVII. Jahrhundert der Mittelpunkt der Balsamträger (Medizinhändler), jetzt thätig in Porzellanindustrie, Spielwaren- und Geigenfabrikation. Zur Hebung der Stadt trägt eine Kunstschule bei, aber auch die Eisenbahnverbindung über Gehren nach Ilmenau. Die nordwestlich davon auf waldlosen Höhen gelegenen Dörfer treiben Weberei, deren Mittelpunkt jedoch das in einem tiefen Thalkessel gelegenen Friedersdorf ist. Das größte Dorf des Weberbezirks ist Böhlen (1100 Einw.), wo früher Kupferbergbau bestand. In ein schmales Seitenthal zieht sich der 1½ km lange Ort Mellenbach (1000 Einw.) hinauf, der Glasbläserei, Thermometer- und Kistenfabrikation treibt, auch mehrere Säge- und Mahlmühlen hat. Auf der Höhe zwischen Schwarza und Lichte liegen Cursdorf (900 Einw.) am Fuße der Cursdorfer Kuppe, das eine Zündholzfabrik hat, und Oberweißbach (2100 Einw.), das sich erst nach dem dreißigjährigen Kriege durch den Medizinhandel schneller entwickelte, jetzt Porzellan und Thermometer herstellt.