Schwarza. Blankenburg.

Eine Menge von Eisenhämmern sind zu Sägemühlen umgewandelt worden, so auch der unterhalb der Lichtemündung liegende Blechhammer. In Sitzendorf wird Porzellan und Bleiweiß fabriziert. Nur 2 km flußabwärts von hier erreicht man den schönsten Punkt des Schwarzathales, Schwarzburg mit seinem hell ins grüne Thal schimmernden Schlosse, das 370 m hoch auf dem Ausläufer des Tännig erbaut ist, 80 m über der Thalsohle. Wie eine Insel ragt der Thonschieferberg empor, von der Schwarza in großer Schlinge umflossen, eine farbenprächtige Vereinigung von Thal und Berg, von Wiesen-, Fichten- und Buchengrün, ein so stimmungsvolles Landschaftsbild, daß Schwarzburg auch die »Perle Ostthüringens« benannt wird. Das Schloß ist urkundlich zuerst 1123 erwähnt und zuerst wohl als eine gegen die Sorben errichtete Burg anzusehen, die hier im Schwarzagebiet, wenn man den vielen Namen mit der Endung »itz« trauen darf, bedeutend über ihre sonstige Westgrenze, das Saalethal, vorgedrungen waren. Das heutige Schloß stammt aus der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Der Ort Schwarzburg ist eine besuchte Sommerfrische. Den herrlichsten Blick hat man auf das Schloß und seine wundervolle Umrahmung von der Borkenhütte des Trippsteins, 195 m über der Schwarza gelegen ([Abb. 1]). Zwischen Schwarzburg und Blankenburg, wo der Fluß aus dem Schiefergebirge tritt, sind die Thalränder am kühnsten und steilsten und die Schieferfelsen nur dann ersteigbar, wenn ihm Zerklüftungen schmale Treppen gebildet haben. Nach diesem Schlußstück des Schwarzathales ([Abb. 39]) tritt der Fluß durch ein schmales Sandsteinband, und seine Ufer verlieren an charakteristischem Gepräge; hoch über den Anschwemmungen seines Wassers finden sich Lager von diluvialem Schotter. Der Ort Schwarza (1300 Einw.), wo die Schwarza in die Saale mündet, war ein alter Stapelplatz für Floßhölzer, ist jetzt aber nur auf Ackerbau und Gemüsezucht beschränkt. Im kleinen Werrethal und dem benachbarten rechten Uferrand der Schwarza wachsen herrliche alte Tannen, auf der Höhe im Wildgarten steht der Eberstein (387 m), ein burgartiger zu Jagdzwecken erbauter Turm.

Abb. 48. Oberhof.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)

Von Schwarza führt eine Eisenbahn über Blankenburg zunächst das Rinnethal aufwärts und über Paulinzella nach Stadtilm. Blankenburg (2600 Einw.), in grüner anmutiger Thalung wenig oberhalb der Rinnemündung gelegen, wurde schon 1071 als zum Orlagau gehörig erwähnt. Die Stadt liegt an der Gesteinsgrenze, wo Schiefer, Zechstein, Buntsandstein und Muschelkalk aneinander stoßen und dadurch der Landschaft ein mannigfaltiges Gepräge geben. Solche Lagebegünstigung durch Gesteinsgrenzen und Thalverbindung finden wir außerordentlich häufig und bemerken dies sowohl an dem Kranze von Städten, die den Gebirgssaum des Thüringerwalds umrahmen, als auch bei den großen Siedelungen im Thüringischen Triasbecken. Wegen seiner günstigen Lage ist Blankenburg ([Abb. 40]) zum Badeort geworden, hat auch lebhafte Industrie, Sägemühlen und Steinbrüche. Hier errichtete Fröbel 1840 den ersten deutschen Kindergarten. Nördlich der Stadt, die 226 m hoch liegt, erhebt sich ein 405 m hoher Muschelkalkkegel mit den ausgedehnten Ruinen der Burg Greifenstein, eine der größten Burganlagen Deutschlands. Urkundlich erst im XII. Jahrhundert erwähnt, war sie in drei Abteilungen geschieden und mit doppelten Mauern und Graben umgeben. Bis 1407 war die Burg von verschiedenen Gliedern der gräflich schwarzburgischen Familie bewohnt, von 1560 an verfiel aber der stolze Bau allmählich.

Abb. 49. Inselsberg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Königsee.

Die Rinne entspringt im kambrischen Schiefer und tritt bei Königsee in den Zechstein und Buntsandstein ein. Die rudolstädtische Stadt Königsee (2900 Einw.), 385 m hoch gelegen, wird schon 1287 als Stadt erwähnt und hat ihren Namen wohl davon, daß es im Mittelalter Sitz eines Königsgerichtes war. Es wird neben Ackerbau viel Industrie getrieben, die Umgegend liefert Porzellansand und Gips. Früher war die Stadt weit bekannt durch seine Balsamträger (in feinstem Deutsch Laboranten oder Olitätenhändler genannt). Bald nach dem dreißigjährigen Kriege wurden in großem Maßstabe aus Kräutern und Wurzeln Arzneien, Pflaster, Magentropfen, Lebensbalsam, »Stockdumm« (Staugton-Elixir), Schneeberger Schnupftabak, Krammetsvogel-Spiritus und andere schöne Dinge zusammengebraut, die dann in ganz Mitteleuropa zum Verkauf herumgetragen wurden. Diese Balsamhändler hießen einfach »Königseer«, weil ihnen meist vom Amt Königsee die Pässe ausgestellt wurden. Das Geschäft ging gut und brachte große Einnahmen, wurde aber durch das Eingreifen der Gesundheitspolizei erheblich eingeschränkt und ist jetzt fast erloschen.