Abb. 50. Friedrichroda.
(Nach einer Photographie im Verlag von W. Zinke in Friedrichroda.)

Paulinzella.

Ein Seitenbach der Rinne, der Rottenbach, durchfließt das schöne Waldthal von Paulinzella, dessen ehemalige Stille aber durch Einbeziehung in den Eisenbahnverkehr geschwunden ist. Im Buntsandsteingebiete liegend, bietet das grüne Thal einen erfreulichen Gegensatz zu dem sandigen Kiefernwald, der sich nach Gehren zu erstreckt. Die Ruine der in romanischem Stile erbauten ehemaligen Klosterkirche ist eine der schönsten im deutschen Vaterlande. Schlank streben ihre Pfeiler empor und wölben sich zu herrlichen Bogen, während an Stelle des Daches der blaue Himmel hineinschaut ([Abb. 41]). Der Bau der Kirche wurde 1105 begonnen, während das Jungfrauenkloster schon Ende des XI. Jahrhunderts von Pauline, einer Tochter Morihos, Truchseß Heinrichs IV. gegründet wurde. Bald entstand in nächster Nachbarschaft ein Mönchskloster mit Benediktinern. Welcher Reichtum diesem Doppelkloster zufloß, ist daraus zu erkennen, daß über hundert Ortschaften dem Kloster zinspflichtig waren. 400 Jahre dauerte das wohl, dann brach über dem schweres Ärgernis gebenden Treiben der Klosterinsassen der Sturm des Bauernkrieges herein, und 1528 wurde das Kloster aufgehoben, vielleicht schon unter dem Einfluß der Reformation. Erst seit dem XVII. Jahrhundert verfiel der köstliche Bau, und mancher seiner Steine wurde zu den gewöhnlichsten Dorfhäusern verbaut.

Abb. 51. Schloß Reinhardsbrunn.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

VIII.

Geologische Verhältnisse des Thüringerwaldes.

Wandert man auf dem Rennsteig vom Waldarbeiterdorf Masserberg gegen Neustadt am Rennsteig, also in den mittleren und nordwestlichen Teil des Thüringerwalds, so sieht auch das ungeübte Auge, daß durch die nun vorherrschende Buchenbewaldung auf eine andere Bodenbeschaffenheit zu schließen ist. Wir verlassen das Gebiet der kambrischen Phyllite und Thonschiefer und gelangen in das Bereich des Rotliegenden und der Porphyre. Das Gebirge schließt sich allmählich zusammen zu schmalerer Entwickelung, aber mit ausgesprochener Kammbildung. Immer klarer wächst eine Gebirgskette empor mit deutlicher Ausbildung von Kammlinie, Gipfeln und Pässen, und mit angegliederten Seitenästen. Der Hauptkamm überragt das Vorland um etwa 400–500 m, den Fuß des Gebirges umsäumen auch hier wieder zahlreiche Siedelungen wie eine Perlenschnur, durch die Hauptpunkte Schleusingen, Suhl, Schmalkalden, Liebenstein, Eisenach, Waltershausen, Ohrdruf, Ilmenau und Gehren gekennzeichnet. Die Kammlänge des mittleren und nordwestlichen Thüringerwalds beträgt 101 km, das ganze Gebirge einschließlich des südöstlichen Teils bis zur Wasserscheide zwischen Loquitz und Haßlach bedeckt einen Raum von 1985 qkm (der Harz umfaßt 2468 qkm) mit einer Bevölkerung von rund 200 000 Seelen. Die Länge des Rennsteigs von der Schwalbenhauptwiese bis zur Werra bei Hörschel beläuft sich auf 95 km. Im nordwestlichen Teile des Gebirges, fast in der Mitte der gesamten Längserstreckung zwischen Loquitz- und Haßlachquellen und der Werra erheben sich die höchsten Gipfel des Gebirges, als erster der Große Beerberg mit 983 m Höhe. Von hier aus senkt sich der Gebirgsrücken gleichmäßig nach Nordwesten hin, im Inselsberg noch einmal mächtig emporsteigend, um dann sich rasch abzustufen bis zum Eichelberg, 341 m, dem nordwestlichen Eckpfeiler über dem Werradurchbruch.

Abb. 52. Ruhla.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)