Im mittleren und nordwestlichen Thüringerwald treten nur in untergeordneter Weise Teile des älteren Grundgebirges empor; einmal im Granit in der Gegend von Mehlis und Zella bis Suhl, das hinübergreift ins Vesser- und Nahethal sowie ins obere Ilmthal, dann im Nordwesten archäische Gneise und Glimmerschiefer neben Graniten im Gebiet von Kleinschmalkalden und Brotterode bis über Ruhla hinaus. Das Hauptgebiet besteht hauptsächlich aus den Schichten des Rotliegenden mit wenigen Kohleneinlagerungen und mächtigen Konglomeratbildungen, sowie den in der jüngeren paläozoischen Zeit emporgedrungenen zahlreichen Eruptivgesteinen, namentlich Porphyren und Melaphyren. Hierzu kommen noch in einer vom Nesselbachthal nordwärts gerichtete Zone Diabase in den Schieferthonen des Rotliegenden, und vulkanische Aschen, die unter Einwirkung des Wassers zu Tuffen umgelagert wurden. Die Abgrenzung des Gebirges vom nördlichen und südlichen Vorland wird an vielen Stellen durch einen Zechsteingürtel vermittelt, am Südwestfuß vom Werrathale bis über Schweina hinaus oft in einer Breite von 2–3 km, dann treten nur noch einzelne Gebiete hervor, bei Seligenthal, Asbach und Benshausen. Von Suhl an tritt der mittlere Buntsandstein unmittelbar an das alte Gebirge heran, weiter südöstlich sogar der Muschelkalk, erst von Sonneberg an erscheint der Zechstein wieder. Auf der Nordostseite begrenzt ein schmaler Zechsteingürtel das Gebirge in mehrfachen Unterbrechungen, zu größerer Breite sich erst zwischen Gehren und Blankenburg entwickelnd. Erst östlich von Saalfeld erreicht er in der großen Senke bis nach Gera hin seine größte Breite und begleitet den Fuß des Osterländischen Stufenlandes, das mit der Platte des Frankenwaldes ein unmittelbar zusammenhängendes Ganzes bildet, wie wir oben bereits erwähnt haben. An den Unterbrechungsstellen tritt im Nordosten der untere Buntsandstein an das Gebirge, dem sich nach außen der obere Buntsandstein und der Muschelkalk anschließen.
Das Vorland beider Seiten besteht also, abgesehen von kleineren Gebieten älterer Gesteine an solchen Stellen, die gestörte Lagerungsverhältnisse aufweisen, im allgemeinen aus Schichten der mesozoischen Formation, besonders Triasschichten. Meist umsäumt dann der Buntsandstein als unterstes Glied der Trias den Gebirgsfuß, in geringerer oder größerer Entfernung folgt der Muschelkalk und weiterhin der Keuper, doch stoßen sowohl Muschelkalk als auch Keuper mehrmals an das ältere Gebirge an. Von besonderem Belang für die geologische Geschichte des Thüringerwalds ist das Auftreten vereinzelter Reste der alten Zechsteinbedeckung auf den Höhen des Gebirges, so auf den Höhen zwischen der oberen Ohra und oberen Lütsche (nördlich von Oberhof), zwischen dem Kehlthal und Brandleitetunnel, bei Arlesberg und Gehlberg, überall im Rotliegenden; und die Reste des Buntsandsteins hoch oben am Rennsteig bei Scheibe, Limbach und Steinheid, also mitten im Schiefergebirge.
Am Rennsteige, in der Nähe des großen Dreiherrensteines, wo preußisches, meiningisches und Sondershäuser Gebiet zusammenstoßen, entspringt in 790 m Höhe die Schleuse. In ihrem südlich und südwestlich gerichteten Laufe bildet sie bis zum Dorfe Oberrod die Grenze zwischen preußischen und meiningischen Landesteilen. In der Nähe des Forsthauses Franzenshütte oder »Allzunah«, einer ehemaligen Glashütte, die »allzunah« an Stützerbach lag und deshalb nicht zu bestehen vermochte, rinnt ein westlicher Zufluß herab. »Allzunah« ist in gewisser Hinsicht eine Landschaftsscheide: im Nordwesten herrscht der Buchenwald vor, und das Land mit seinen Burgen und Schlössern ist umwoben von Geschichte und Sage aus den Zeiten des Rittertums und Hofglanzes; im Südosten herrscht auf den kambrischen Schiefern der Nadelwald vor, und die Ortschaften sind verhältnismäßig neue Siedelungen, oft nicht viel älter als einige Jahrhunderte.
Abb. 53. Wartburgblick von der hohen Sonne.
Neustadt a. R., Schleusingen.
Über bewaldeten Thalwänden liegt oben im Porphyritgebiete das preußische Dorf Frauenwald (800 Einw.), mit Glashütte, in einer Höhe von 767 m. Östlich fließt der Schleuse der Tannbach zu, der seine Quelle am Rennsteig hat, beim meiningischen Dorfe Neustadt am Rennsteig (1300 Einw., wovon 500 zum Sondershäuser Anteil gehören), erst 1700 gegründet. Der Ort trieb früher Feuerschwammbereitung, da die Buchenwaldungen der Umgegend reich an Schwamm waren. Bei der Höhenlage und der ärmlichen Bodenbeschaffenheit ist die Landwirtschaft hier ohne Bedeutung, und der größte Teil der Bevölkerung ist deshalb industriell thätig. Als Hausgewerbe wird die Herstellung von Phosphorzündhölzern betrieben, die dann im Umherziehen verhandelt werden. Die Zündholzindustrie birgt große Gefahren in sich, da die durch Phosphor hervorgerufenen Knochenerkrankungen zu den schauderhaftesten aller Gewerbekrankheiten gehören. Dabei sind die Verhältnisse in der Hausindustrie viel ungünstiger als in größeren Arbeitsstätten, weil dort bei den beschränkten ungelüfteten Räumen die Erkrankungen viel häufiger sind. Von den Hängen des Querenberges fließt der Neubrunn über Gießhübel (amtlich Gießübel geschrieben, mit 1000 Einw.), das zwischen kambrischen Schiefern und Porphyrit in ein schönes Thal gebettet ist, nach dem kleinen meiningischen Flecken Unter-Neubrunn, wo er in die junge Schleuse mündet. Die Landschaft wird hier widergespiegelt in den Namen der benachbarten Ortschaften: Schönau, Lichtenau und Engenau, wo die Schleuse aus dem Rotliegenden hinaustritt ins Gebiet des mittleren Buntsandsteines, und das am bewaldeten Hang des Schwarzen Kopfes gelegene Waldau. Den Hauptplatz bildet hier die in grüner Wiesenmulde gelegene preußische Kreisstadt Schleusingen (3900 Einw.), die alte Hauptstadt der gefürsteten Grafschaft Henneberg, am Zusammenflusse von Erlau, Vesser und Nahe mit der Schleuse. Diese Floßwässer begünstigen einen lebhaften Holzhandel und zahlreichen Mühlenbetrieb. Ein Teil der Stadt liegt jetzt höher als die schöne Bertholdsburg, die im XIII. Jahrhundert entstand und im XVI. Jahrhundert in deutscher Renaissance erneuert wurde. Eine Glashütte, sowie Fabriken für Porzellan, Bleiweiß und Papier zeugen von industrieller Thätigkeit.
Abb. 54. Annathal bei Eisenach.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)
Schmiedefeld.