Das schöne Waldthal der Nahe führt hinauf nach dem 716 m hoch liegenden preußischen Dorfe Schmiedefeld (2100 Einw.), wo noch Flachsbau lohnend ist. Der betriebsame Ort liefert besonders Porzellan und physikalische Instrumente aus Glas. Am 919 m hohen Eisenberg findet sich Eisenstein mit einem Eisengehalt von 30–40 vom Hundert, der ehemals zahlreiche Hammerwerke versorgte. Parallel mit dem Nahethal läuft das Vesserthal, in dessen oberem Abschnitt auf engem Raum zwischen Bach, Wiese und den felsigen Thalwänden die Häuschen des Dorfes Vesser zerstreut sind. Abwärts rücken die Thalwände eng zusammen und bilden den etwa zwei Stunden langen schönsten Teil des Thales. Unterhalb des schon 1144 gegründeten Dorfes Breitenbach wird das Thal flacher und trägt wieder Wiesen und schmale Äcker. Oberhalb Vesser liegt 749 m hoch am oberen Rande einer weiten grünen Matte, die rings von ausgedehnten Buchen- und Fichtenwaldungen umkränzt ist, das Stutenhaus. Das jetzige Bergwirtshaus war früher ein Gestüt des Klosters Veßra. Im Westen erhebt sich die Porphyritkuppe des 849 m hohen Adlersberges (Ahornberges), von dessen Aussichtsturm man eine prachtvolle Rundsicht genießt. Tief im grünen Grunde liegt Schleusingen, aus der Ferne grüßen mit goldigem Glanze herüber die Feste Coburg, Schloß Banz und die zweitürmige Klosterkirche von Vierzehnheiligen, im Westen blaut der Rücken des Rhöngebirges. An seinem nordwestlichen Abhang schluchtet sich in Granit und Porphyr das Thal der finsteren Erle, mit mächtigem Buchenwald bedeckt.
Abb. 55. Fritz Reuters Landhaus bei Eisenach.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)
Gehren. Ilmenau.
Vom Porphyrkegel des 815 m hohen Fürstenberges rinnen die Wässer der Wohlrose und Schobse ab, die sich bei Gehren vereinen. Das Sondershäuser Städtchen Gehren (2400 Einw.), am Fuße des 809 m hohen Burzelberges gelegen, hat ein fürstliches Sommerschloß und viel Industrie. Die Flußufer der Wohlrose sind gebildet von ausgedehnten Diluvialschottern, die aber zum großen Teile bewaldet sind. In breiterem Wiesengrunde mündet der Fluß dann in die Ilm; das Gebiet ist ausgezeichnet durch zahlreiche Teiche, wodurch die flacher werdende Landschaft außerordentlich belebt wird. Da, wo die Eisenbahn von Großbreitenbach über Gehren die Ilm erreicht, liegt das Städtchen Langewiesen (2800 Einw.), dessen Eisenindustrie aber völlig eingegangen ist. Durch den anmutigen durch Mühlen und Hammerwerk belebten Hüttengrund gelangt man nach der weimarischen Bergstadt Ilmenau (8000 Einw.). Unsere Abbildungen ([42] und [43]) zeigen den Ort gegen das offene Land und gegen das fichtenbewaldete Gebirge hin, nach welcher Richtung sich auch die Neubauten ausdehnen, die der Bedeutung Ilmenaus als Sommerfrische ihre Gründung verdanken. Die freundliche 473 m hoch gelegene Stadt wurde schon im X. Jahrhundert erwähnt und wechselte oft ihre staatliche Zugehörigkeit, denn sie war käfernburgisch, hennebergisch, sächsisch; seit 1660 gehört sie zu Weimar. Ihre Vergangenheit ist verklärt durch die Erinnerung an Karl August von Weimar und seinen Freund Goethe, die oft hier weilten und in überschäumender Jugendlust ihre Tage genossen. Goethe feierte Ilmenau in den 1783 geschriebenen Versen:
Anmutig Thal! Du immergrüner Hain!
Mein Herz begrüßt euch wieder auf das beste;
Entfaltet mir die schwer behangnen Äste,
Nehmt freundlich mich in eure Schatten ein ...
Vom XVII. bis ins XVIII. Jahrhundert blühte hier der Bergbau auf Kupfer und Silber; infolge eines Durchbruchs des Manebacher Teiches wurden aber die Gruben ersäuft, und auch Goethes Bemühungen konnten diesen Erwerbszweig nicht retten. Heute werden nur noch Steinkohlen und Braunstein gewonnen, und die fleißige Bevölkerung ist industriell thätig; für Fortbildung sorgt eine Fachschule für Glasarbeiter und eine Gewerbeschule.
Stützerbach. Gabelbach.
Im schönen Manebacher Grunde liegt am rechten Ilmufer das weimarische Dorf Kammerberg, gegenüber am linken Ufer das gothaische Dorf Manebach. Aufwärts zieht sich der anmutige Meiersgrund, belebt von Mühlen und Pochwerken, bis zum Dorfe Stützerbach (2000 Einw.). Auf Preußisch-Stützerbach entfallen 1250 Einw., die übrigen auf den weimarischen Anteil. Der Ort mit seinen sauberen schieferbekleideten Häusern ist bekannt wegen seiner Glashütten, worin 300 Arbeiter thätig sind, und der Glasbläserei für wissenschaftliche Zwecke. Von hier aus kamen durch Greiner die ersten Thermometer in den Handel. Auf einer Höhe zwischen Lengnitz und dem einsamen Schortethal liegt 757 m hoch die Wohnung eines Forstaufsehers, nach dem benachbarten Jagdhaus »Gabelbach« benannt, wo geistvolle und trinkfeste deutsche Männer die humoristische Gemeinde Gabelbach begründet haben (Abb. 44). Der »Sitzungssaal« der Gemeinde ([Abb. 45]) sowie das Nebenzimmer enthalten ungezählte Schätze an Bildern und Liedern. Der Gemeindeälteste (Justizrat Schwanitz) hat es verstanden, hervorragende Kräfte der Gemeinde zuzuführen, u. a. auch seinen Studiengenossen Victor Scheffel, der zum Gemeindepoeten ernannt wurde und ihr manch schönes Wort widmete, und im Bundeslied von der Gemeinde sang:
Und färbt die gerodete Stelle
Sich abendgoldsonnig und klar,
Da sitzen sie all an der Quelle
und bringen ein Rauchopfer dar.