Ehrenschulze der Gemeinde ist Fürst Bismarck, Historiograph der gemütvolle Schilderer des Thüringer Landes Trinius, jetziger Gemeindepoet ist Rudolf Baumbach. Unweit davon erhebt sich der schön bewaldete Porphyrkegel des Kickelhahn (861 m hoch), ausgezeichnet durch eine umfassende Rundsicht, die vom Schneekopf und Inselsberg bis zum Brocken und den Bergen an der Saale reicht, vom Wetzstein bis zu den Höhen der Rhön. Ilmenau, Gabelbach und Kickelhahn sind innig mit dem Namen Goethe verknüpft. Hier war er häufig mit seinem jugendlichen Herzog und der übermütigen Hofgesellschaft, stets geneigt zu tollen Streichen. Hierher zog es ihn später wieder, als sein Fühlen und Denken nur noch der Frau von Stein gehörte, und auch als Greis kehrte er gern zur stillen Waldesstätte zurück. In der Nähe des Aussichtsturmes stand ein kleines Pirschhaus, das sogenannte Goethehäuschen, in dem Goethe an einem Septemberabend des Jahres 1783 das herrliche Nachtlied dichtete:

Über allen Gipfeln ist Ruh ...

Das Haus brannte 1870 ab und wurde durch eine getreue Nachahmung ersetzt ([Abb. 46]).

Großer Beerberg.

Außer der obengenannten Lengnitz rinnen als Quellbäche noch zur Ilm der aus Granit 798 m von den Hängen des kleinen Finsterberges kommende Taubach, und der vom Mordfleck kommende Freibach, der aus der Vereinigung der Sperbersbäche entsteht. Der große Sperbersbach entspringt aus dem Rotliegenden unweit der Schmücke 920 m hoch und ist die höchste Quelle des Ilmgebiets. Hier an den Hängen des Sachsensteins finden sich noch alte Kohlenstollen. Aus der Höhe des Kammes, 911 m über dem Meere, liegt am Rennsteig eine der höchst gelegenen Wohnungen Thüringens, das Gasthaus zur Schmücke, ehemals ein Viehhaus. Ist der Ausblick von den grünen von Fichtenwald teilweise umrahmten Wiesenmatten auch beschränkt, so hat dieser Platz doch Wert wegen seiner Nachbarschaft zu den höchsten Erhebungen des Gebirges. Nach Westen zieht der Rennsteig nach einem »Plänkners Aussicht« genannten (973 m) Punkt, der nach Süden ein entzückendes Landschaftsbild erschließt, in die gewerbfleißigen Thäler der Goldlauter und des Mühlwassers, tief zu Füßen in grüner Umrahmung die Stadt Suhl und als Begrenzung des schönen Bildes die Gleichberge, der Dolmar und die Kuppen der Rhön. Nur wenige Minuten steigt man hinüber zum höchsten Berg des Thüringerwalds, zum 983 m hohen Großen Beerberg, dessen flache Kuppe vermoort und durch Fichten verwachsen ist und deshalb nur einen Ausblick nach Norden, auf die Höhe des Schneekopfes und die walddunklen Schluchten des Schmücker Grabens und Steingrabens bietet. Nördlich des Hauptkammes erhebt sich der Schneekopf, 975 m hoch, dessen Aussichtsturm die Höhe des Beerberges noch um 12 m überragt und dadurch eine umfassende Rundsicht ermöglicht. Trotz der düsteren Waldumgebung offenbart sich hier die Formenschönheit des Gebirges in anmutigster Weise; man erfaßt ein hübsches Bild des großen Hauptkammes und seiner zahlreichen durch tiefe Waldthäler von ihm getrennter Nebenäste. In der Nähe sieht man in freundliche Thäler, nach Norden schweift der Blick in das Thüringer Becken und über Erfurt hinweg bis zu den Höhen des Kyffhäusers und zum Brocken, im Süden bis zum Steigerwald und Fränkischen Jura, im Osten zu den Höhen des Osterlandes, im Westen bis zur Rhön. Die Gipfeldecken des Beerberges und Schneekopfes werden von Porphyr gebildet, das in großen Decken auftretende Eruptivgestein des Mittelrotliegenden.

Abb. 56. Eisenach und Wartburg.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)

Suhl.

Wo die Bäche der Lauter und des Mühlwassers sich zur Hasel vereinen, dehnt sich die preußische Stadt Suhl (12000 Einw.) aus und schiebt bis in die Seitenthäler hinein ihre Schleifmühlen, Pochwerke, Eisenhämmer, Bohrschmieden und Gewehrfabriken. Am bedeutendsten ist hier die Waffenindustrie, deren Ruf schon vor Jahrhunderten durch alle Lande ging. Suhl ([Abb. 47]) ist die volkreichste Stadt am Südwestfuß des Thüringerwalds und ihre Gründung knüpfte wohl an die Aufschließung reicher Eisensteinlager, deren Verarbeitung wiederum durch das Vorhandensein zahlreicher Wasserkräfte befördert wurde. Urkundlich wurde die Stadt zuerst im X. Jahrhundert erwähnt, erlitt dann im dreißigjährigen Kriege unsägliche Plagen, wodurch von allen Feuerstätten nur der zehnte Teil übrig gelassen und mutwillig 800 Gebäude niedergebrannt wurden. Nördlich der Stadt erhebt sich der porphyrische Domberg (670 m) mit dem vorspringenden Ottilienstein (523 m; die Stadt liegt 425 m hoch), der in alter Zeit eine der heiligen Ottilie geweihte Kapelle trug. Die Spitze des Domberges krönt ein 20 m hoher Bismarckturm; am Fuße des Berges entspringt die Ottilienquelle, eine Kochsalzquelle, die für Badezwecke benützt wird.

Steinbach-Hallenberg. Mehlis.