Die Hasel nimmt bei Kloster Rohr die aus dem schönen Kanzlersgrund, wo aus bewaldeter Schlucht felsige Porphyrzacken aufragen und wo die Wässer bis hoch an den Rennsteig hinauf einschneiden, kommende Schwarza auf. Dieser ist schon aus dem Granitgebiet von Zella und Mehlis die Lichtenau zugeflossen. Zwischen beiden Thälern steigt die Porphyrkuppe des Ruppberges zu 866 m in die Höhe. Am oberen Knie verengt sich das Schwarzathal zum Schönauer Grunde, in dem die eisenverarbeitenden Dörfer Ober- und Unter-Schönau liegen, ersteres mit 1300 Einw. Unweit davon erheben sich die Porphyrfelsen der Hohen Möst (889 m), einer der umfangreichsten Felsenbezirke Thüringens mit schöner Aussicht, unterhalb des 893 m hohen Donnershauk. Unter der malerischen Ruine Hallenburg (519 m) liegt der preußische Flecken Steinbach-Hallenberg (3700 Einw.), seit Erbauung der Eisenbahn von Schmalkalden nach Zella-Mehlis unmittelbar am Verkehr beteiligt. Die Hauptthätigkeit ist hier die Nagelschmiederei, die als Handbetrieb freilich nur noch einen kärglichen Erwerb bringt. In Steinbach-Hallenberg und im Steinbacher Grunde sind insgesamt etwa 4000 Arbeiter in Schlosserei und als Nagelschmiede thätig. Die Burg ist im X. Jahrhundert erbaut worden, war später hennebergisch und dann kurhessisch, ist aber 1866 mit dem umliegenden Waldgebiet (Hessenwald) an den Herzog von Coburg und Gotha gekommen.

Abb. 57. Wartburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Zella St. Blasii.

In grünem Wiesenthale liegen schon im Gebiet des unteren Buntsandsteins die Dörfer Herges (Hallenberg) und Viernau (1400 Einw.), und bei der Einmündung der Lichtenau in die Schwarza das Dorf Schwarza (1300 Einw.). Im Lichtenauthal aufwärts liegt das Dorf Benshausen (1700 Einw.), ehemals berühmt durch bedeutenden Weinhandel, der länger als 200 Jahre blühte und durch den Frachtverkehr große Einnahmen brachte. Der Rote Bügel (oder die Rote Wand) wird von der Eisenbahn in 228 m langem Tunnel durchfahren, die dann nach Mehlis und Zella führt. Mehlis (4000 Einw.), seit 1894 Stadt, und die Stadt Zella St. Blasii (3800 Einw.) sind gothaisch und gleich Suhl hervorragend in der Herstellung von Schießwaffen. Ihre Lage im tiefen Thalkessel, umgeben von grünem Bergkranze, ist überaus malerisch, wenn auch der Lichtenauer Grund seit Anlage der Eisenbahn landschaftlich verloren hat. Zella entstand der Sage nach aus einer zum Kloster Reinhardsbrunn gehörigen Zelle, die der Graf von Nordeck aus den Mauertrümmern des auf dem Ruppberg zerstörten Raubschlosses zu einem Kloster ausbaute, das 1228 dem heiligen Blasius geweiht wurde. Um das Kloster siedelte sich dann allmählich die Ortschaft an. Im Granitgebiete von Zella, Mehlis und Suhl finden sich zahlreiche Gänge von Porphyr.

Abb. 58. Hof der Wartburg.
(Liebhaber-Aufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)

Gehlberg.

Einen ähnlichen Charakter wie die oberen Ilmzuflüsse haben auch die beiden Gerazuflüsse. Die wilde Gera hat ihre bedeutendsten Quellbäche im Schmücker Graben 886 m hoch und im Schneetiegel, die den Schneekopf westlich und östlich umschließen. Hier war früher ein günstiger Fundplatz für die Schneekopfkugeln (Porphyrkugeln), deren Inneres Achat, Amethystkrystalle oder Jaspis enthält. Die zahme Gera (auch weiße oder alte Gera genannt) entspringt in einer Höhe von 870 m am Sachsenstein. Beide Bäche umfließen eine Hochfläche, aus welcher in einer Höhe von 700 m auf grünen Matten das Dorf Gehlberg liegt, mit einer großen Hohlglashütte, die Thermometer, physikalische und chemische Instrumente liefert. In das Thal der wilden Gera tritt die Eisenbahn ein, die von Ritschenhausen über Suhl kommt und in dem 3038 m langen und 247 m unter der Brandleite in den harten Hornsteinporyhyr gebohrten Tunnel das Gebirge kreuzt, um weiter nach Arnstadt zu führen. Der Scheitelpunkt des Tunnels liegt 639 m über dem Meere und ist der höchste Punkt der Bahn, im Gerathal läuft sie zunächst in einem fast 1 km langen Einschnitt, tief unter den Buchen und Fichten des Bärenkopfes. Die wilde Gera verläßt das Gebirge oberhalb des gothaischen Dorfes Gräfenroda (2300 Einw.), nachdem sie den wildschönen Dörrberger Grund durchrauscht und sich tief in den Porphyr eingewaschen hat.

Gräfenroda. Elgersburg.