Gräfenroda hat bedeutende Industrie und treibt auch Pechsiederei. Der Austritt der zahmen Gera aus dem Gebirge erfolgt bei dem gothaischen Dorfe Arlesberg, das Viehzucht treibt und bedeutenden Grubenbau auf Braunstein hat, der in zahlreichen Pochhämmern zertrümmert wird. Der anmutige Jüchnitzgrund führt hinauf zum einsam gelegenen Mönchshof. Wie Arlesberg liegt an der Gesteinsgrenze auch das gothaische Dorf Elgersburg (1000 Einw.), einer der lieblichsten Badeorte Thüringens, hingelagert auf grüner Matte und geschützt von einer tannengeschmückten Porphyrwand. Teilweise liegt Elgersburg in einer gleichseitig zum Gebirgsrande verlaufenden Thalsenke, die durch starke Verwitterung und Auswaschung der Sandsteinschichten entstanden ist. In der anmutigen Umgebung nimmt das Körnbachthal einen bevorzugten Rang ein, nicht allein wegen der schönen Felsenhallen des Körnbachgrundes, sondern auch wegen seiner Erinnerungen an Goethe, der in das Fremdenbuch der jetzt abgebrochenen Massenmühle einige Verse schrieb. Von der Felshöhe leuchtet jetzt sein Name in vergoldeten Lettern herab. Auf steilem Fels ragt das alte im XI. Jahrhundert erbaute Schloß empor, dessen Brunnen von einer 900 m langen vom Rumpelsberge herkommenden Röhrenleitung gespeist wird und das jetzt zur Badeanstalt gehört. Von Ilmenau fließt die trockene Gera ab, die oberhalb von Plaue in die zahme Gera mündet.
Oberhof.
Von der wilden Gera führen die prächtigen Waldthäler des Sieglitzbaches und der Lütsche hinauf zur Höhe des Gebirges. Dort kreuzen sich mit andern Straßen in einer Höhe von 810 m die große Straße von Erfurt nach Suhl am Geleitshause zum »oberen Hof«, dem heutigen Oberhof. Diese Waldstraße wird urkundlich schon im XIII. Jahrhundert erwähnt. Hier fanden damals die zwischen Thüringen und Franken hin und her ziehenden Wagenzüge mit ihren Handelsgütern bewaffneten Schutz, der sie bis zum nächsten Geleitshause brachte. Jahrhunderte bestand hier wie im ganzen deutschen Lande diese Geleitseinrichtung, der einzige Schutz gegen die auf ihren den Hauptstraßen benachbarten Burgen hausenden adeligen Räuber. Das gothaische Dorf (400 Einw.) liegt auf ebenem grünen Plan ([Abb. 48]), rings von Wald umgeben, hat ein herzogliches Jagdschloß und ist wegen seiner reinen Luft als Sommerfrische stark besucht. Von der Kammhöhe ziehen zahlreiche Waldgründe nach Norden hinab, vor allem erwähnenswert der Schwarzwaldgrund und der Kerngrund, schöne Porphyrthäler mit herrlichem Waldschmucke. Die Dörfer Schwarzwald (900 Einw.) und Stutzhaus (600 Einw.) stoßen mit ihren langen Häuserreihen fast aneinander. Zu Füßen des 716 m hohen Kienbergs liegt das ehemalige Schmelzwerk Luisenthal, jetzt eine kleine Sommerfrische.
Abb. 59. Wartburghof mit Luthers Wohnung.
(Liebhaber-Aufnahme von Gustav Schulze in Leipzig.)
Tambach. Georgenthal.
Von den Höhen des Roßkopfes und des Sperrhügels rinnen die Quellen der Apfelstedt, die sich bei Tambach und Dietharz mit den Gewässern des felsigen Schmalwassergrundes, des Mittelwassergrundes und des Spittergrundes vereinigen. Dietharz (800 Einw.) und der Flecken Tambach (2300 Einw.) sind gothaisch und stammen beide aus dem XIII. Jahrhundert. Sie hatten schon damals Wichtigkeit wegen der Straße, die über den Nesselberg auf die andere Seite des Gebirges nach Schmalkalden führte. Tambach hat die seit dem dreißigjährigen Kriege erloschene Eisenbearbeitung ersetzt durch Viehzucht, Holzhandel und Gewerbe. Beide Orte sind beliebte Sommerfrischen geworden. Im oberen Teile des felsigen Spittergrundes fällt der Spitterfall oder das Gespring 20 m hoch über eine Thalstufe herab, der größte natürliche Wasserfall des Thüringerwaldes, der an solchen wässerigen Naturschönheiten sehr arm ist. Von Dietharz führt eine Eisenbahn durch den von Säge-, Papier- und Lohmühlen belebten Apfelstedter Grund hinaus nach Georgenthal (900 Einw.). Auf der Berghöhe in der Nähe des Platzes, wo jetzt die Winfriedsäule errichtet ist, gründete 1143 Graf Sizzo III. von Käfernburg ein dem heiligen Georg geweihtes Kloster und besetzte es mit Cisterciensern, damit sie für ihn beten möchten, »sintemalen er keine Zeit dazu habe«. Im Jahre 1186 wurde das Kloster ins Thal verlegt, wo die Mönche Teiche schufen und Mühlen bauten, Acker- und Wiesenbau förderten und Fischzucht und Bergbau trieben. Bald war das Kloster zu Reichtum gelangt und besaß außer den im Dietharzer Grund gelegenen Burgen Falkenstein und Waldenfels zehn Dörfer, viele Mühlen und Güter, und eine ganze Anzahl Häuser in den Städten Gotha, Eisenach, Arnstadt und Erfurt. Im Jahre 1525 fiel das Kloster in den Wirren der Bauernkriege, und auf seinen Trümmern wuchs das Dorf Georgenthal langsam empor.
Abb. 60. Die Lutherstube in der Wartburg.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)
Auf der Höhe des Ziegelberges ragen die Häuser von Altenbergen und Catterfeld (1000 Einw.) empor, wo Hausarbeit für die Walterhausener Spielwarenindustrie schafft und wo fruchtbare Wiesen Viehzucht begünstigen. Über dem Dorfe Altenbergen erhebt sich die Winfriedsäule oder der Bonifatiusleuchter (deshalb auch mit dem häßlichen Wort Kandelaber benannt), der Sage nach an der Stelle, wo der Apostel der Deutschen, Bonifatius, das erste Kirchlein in Thüringen gebaut haben soll. Die wenigen Grundmauern rühren aber von jenem Kirchlein her, das Graf Ludwig mit dem Barte 1040 dort erbaute. Der Bonifatiusleuchter wurde erst 1811 errichtet, auf acht Steinkugeln und mehrfach gegliedertem Sockel in roh antikisierender Form eines 10 m hohen Riesenleuchters, oben mit einer von drei Engelsköpfen gehaltenen Pfanne endend, aus welcher steinerne Flammen aufsteigen. In Wirklichkeit hat Bonifatius die erste Kirche in Thüringen an der Stelle gebaut, wo jetzt die Michaeliskirche in Ohrdruf steht.