Abb. 62. Die Sängerlaube.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)
Ruhla. Pfeifenindustrie zu Ruhla.
Westlich des Inselsbergs bleiben die höchsten Erhebungen auf dem Kamm des Gebirges oder wenigstens in seiner unmittelbaren Nähe. Der Große Weißenberg, auf der Scheide zwischen Glimmerschiefer und Granit, erhebt sich zu 749 m, die Granitkuppe des Gerbersteins hat nur noch 728 m. Das Granitgebiet ist reich an Eisensteinen, die abgebaut werden. An den Ufern des Erbstromes zieht sich im engen grünen Thale fast eine Stunde lang die Stadt Ruhla hin (5600 Einw., wovon 2500 weimarisch, 3100 gothaisch sind), eine der bedeutendsten Industrieplätze Thüringens ([Abb. 52]). Der Fluß bildet seit 1640 die Grenze der Staatsgebiete, und das Thal ist rings von schön bewaldeten Höhen umgeben, meist Glimmerschiefer mit eingesprengten Porphyren und Melaphyren, oberhalb der Stadt bis zum großen Weißenberge aus Granit bestehend. Aus dem Jagdhause, in dem Karl August mit Goethe oft weilten, ist jetzt das Kurhaus geworden. Ruhla hat eine sehr wechselvolle Industrie gehabt. Im XI. Jahrhundert blühte der Eisenbergbau, dessen Eisenstein an Ort und Stelle verhüttet wurde, wozu die reichen Holzbestände der Umgebung den Brennstoff lieferten. Aus dem Erze wurden Waffen und Rüstungen geschmiedet, und der Ruf der Waffenschmiede Ruhlas drang weit über die Grenzen Thüringens hinaus. Nach dem Verfall dieser stolzen Industrie wurden die Waffenschmiede zu Messerschmieden, die eine einheitliche Zunft bildeten, deren Anfänge ins XV. Jahrhundert zurückreichen. Nach der durch Friedrich II. von Preußen veranlaßten Auswanderung der Messerschmiede nach Eberswalde im Jahre 1747 verfiel dieser Industriezweig, wurde aber reichlich ersetzt durch die Einführung der Herstellung von Tabakspfeifen, worin Ruhla ein Hauptplatz geworden ist und seine Erzeugnisse nach allen Ländern der Erde ausführt. Besondere Wichtigkeit hat die Verarbeitung des aus Kleinasien eingeführten Meerschaums zu Pfeifenköpfen, doch werden auch Holzpfeifen gemacht und die aus den thüringischen Fabriken stammenden Porzellanpfeifenköpfe mit Beschlägen versehen und mit Rohren und Spitzen zusammengesetzt. Aus Ruhla (im Volksmunde »die Ruhl« genannt) gehen jährlich 6 Mill. Pfeifenköpfe (davon nur ½ Mill. echte Meerschaumköpfe) in den Handel, ferner 10 Mill. beschlagene Porzellanpfeifenköpfe, 10 Mill. Spitzen für Tabakpfeifen und Cigarren, 27 Mill. Pfeifenbeschläge, 19 Mill. Pfeifenschläuche, Ketten u. a., 15 Mill. Pfeifenrohre, 5 Mill. Holzpfeifenköpfe und 15 Mill. fertige Tabakspfeifen, eine Gesamtproduktion von etwa 6 Mill. Mk. darstellend. Die Holz-, Hornpfeifen- und Zigarrenspitzenindustrie hat sich auch auf die Umgebung Ruhlas verbreitet, nach Seebach, Schmerbach, Winterstein bis Waltershausen und Schweina. Zwei Fünftel der Arbeiter sind in Hausindustrie beschäftigt, die anderen arbeiten in Fabriken. Die erst seit einigen Jahrzehnten eingeführte Metallindustrie hat die Pfeifenindustrie bereits überflügelt. Die Bewohner Ruhlas sind fleißig und leichten Sinnes und haben in Gebräuchen und Mundart viel von anderen Thüringern Abweichendes, zeigen jedoch merkwürdige Ähnlichkeit mit den Einwohnern von Brotterode und Steinbach, mit denen sie unleugbare Stammesbeziehungen haben. Ruhla ist Geburtsort des thüringischen Dichters Ludwig Storch.
Abb. 63. Wart' Berg, du sollst mir eine Burg werden.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)
Abb. 64. Landgraf, werde hart.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)
Abb. 65. Der Sängerkrieg.
(Nach einer Photographie von G. Jagemann in Eisenach.)