Abb. 71. Bad Liebenstein.
Kleinschmalkalden.
Südlich des buchenbestandenen Seimberges erhebt sich die Glimmerschiefergruppe der Mommelsteine. Zwischen Seimberg und Roth windet sich die Kunststraße hinüber in das Thal des Wiebachs, der sich mit dem von der Höhe des Jagdbergs kommenden Kalten Wasser bei Klein-Schmalkalden vereinigt. Der Bach heißt von der Vereinigung an die Schmalkalde. Der Ort Klein-Schmalkalden (2000 Einw., wovon 1200 preußisch, 800 gothaisch sind) ist vom Bach durchflossen, der die Grenze bildet. Im ganzen Kreise Schmalkalden glühen in den Dörfern die Herdfeuer, es pocht und rauscht ein steter Betrieb in Hütte, Haus und Fabrik. Die Metallschätze des Mommelsteins und des Stahlberges sind die reichsten, denn sie liefern eine Jahresbeute von 6000000 kg besten Eisensteines; außerdem spenden die Berge des Gebiets noch Kobalt, Kupfer, Schwerspat, Marmor, Alabaster, Achat, Syenit, Porphyr und Sandstein. Bergbau und Hüttenwesen schufen die Köhlerei, belebten das Fuhrwesen und gaben Anlaß zum Aufblühen manches Waldortes, wo heute in Schmalkaldener Arbeiten eine lebhafte Industriethätigkeit herrscht. Vom Hühnberge abwärts zieht der besonders im Porphyrgebiet schöne Haderholzgrund herab. An seiner Mündung in die Schmalkalde liegt das preußische Dorf Seligenthal (1200 Einw.), mit Bergbau im nahen Stahlberg. Auch im benachbarten Nesselgrunde ist Eisenverarbeitung vorherrschend, besonders im Dorfe Floh (1100 Einw.). In Seligenthal und Brotterode leben etwa 550 Sporer und Schnallenschmiede.
Schmalkalden.
Wo das schöne Asbacher Thal den Porphyr durchbricht, nachdem es seine oberen Zuflüsse von der Loibe und aus dem Ebertsgrund erhalten hat, ist der Rand des Gebirges erreicht, so daß an der Mündung der Stille in die Schmalkalde schon Buntsandstein herrscht. Hier liegt die preußische Stadt Schmalkalden (7900 Einw.), ein Ort mit mittelalterlichen Anklängen und schöner Umgebung ([Abb. 71]). Die Kleinindustrie ist urkundlich seit dem XIV. Jahrhundert nachweisbar und erfreute sich seit dem XVI. Jahrhundert eines Weltrufes. Eine Masse von Kurzwaren werden hier verfertigt, und Tausende von Kleinfeuerarbeitern verfertigen diese Schmalkaldener Waren, ob sie nun in Schmalkalden oder in Struth, Seligenthal, Steinbach, Brotterode, Zella, Mehlis oder Suhl sitzen: Nägel, Haken, Schrauben, Jagdgeräte, Schlittschuhe, Werkzeuge und Gartengeräte, Petschafte, Fingerhüte, Ringe, Gürtlerwaren, Haus- und Küchengeräte. Mit Herstellung dieser Waren sind in Schmalkalden etwa 900 Arbeiter thätig. Die Stadt ist seit der Reformationszeit viel genannt, da hier 1531 der Schmalkaldische Bund geschlossen wurde, der später durch den Schmalkaldischen Krieg ein Ende fand. Das Rathaus und die Hauptkirche stammen aus dem XV. Jahrhundert, das auf dem Questenberge liegende Schloß Wilhelmsburg aus dem XVI. Jahrhundert, wo es an Stelle der alten Burg Wallraff (Walluff) erbaut wurde. Auf dem Friedhofe der Stadt ruht Karl Wilhelm, der Tonsetzer der »Wacht am Rhein«. Von großer Bedeutung für die zahlreichen an den Bachufern erbauten Werkstätten ist der Wasserreichtum der Gewässer, die schnell fließend sind und deshalb im Winter fast nie gefrieren.
Abb. 72. Schmalkalden.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
IX.
Wer sich vor dem Lärm und Staub der großen Straße zurückziehen will in frische Bergluft und in stille Waldeinsamkeit, der steige hinauf auf den Kamm des Gebirges und wandere dann den merkwürdigen Weg, der den Kamm entlang zieht wie ein schmales Band. Stundenlang dringt das Auge nicht durch der Wälder Dichte, nur zu Häupten lacht blauer Himmel herein und der Sonne Lichter bringen ein farbenheiteres Bild in die Blättermassen. Dann gibt's wohl wieder freie Ausblicke, hinab in grüne Thäler, die sich verlieren in weiter Ferne, und auf duftige Bergmassen, die das Rundbild schließen. Oft ist der Pfad kaum zu erkennen, dicht verwachsen durch Gräser, Moos oder Gestrüpp, dann ist er wieder eine ganze Strecke fahrbar, dient aber keinem bedeutenden Verkehr, der wohl vom Thal über das Gebirge ein anderes Thal zu erreichen sucht, nicht aber den Kamm entlang zieht.
Rennsteig.