Manch andere Stadt entstand unter dem Schutze trotziger Burgmauern, wo Landgrafen und Fürsten saßen und mit gepanzerter Faust Wacht hielten, stets bereit zum blutigen Streit. Blühten doch auch unter ihrem eisernen Schirm und Schutz die Künste und Wissenschaften, so daß durch die Vielheit der Residenzen und durch das Bestehen einer weit verzweigten Kleinstaaterei Bildung in weitere Volksmassen gelangte, wie es in solcher Weise sonst nicht möglich gewesen wäre. Wo aber der Wald am schönsten wuchs, reich belebt von Wild, und wo klare Wässer rannen, da erhoben sich die Klöster mit ihren weithalligen Kirchen. Die Klosterbrüder brachten nicht nur das Christentum, sondern vielfach überhaupt die Anfänge der Kultur, denn sie rodeten den Wald und legten Pflanzungen an, sie bauten Wein, errichteten an den wasserreichen Bächen Mühlen, in denen der Felder Frucht gemahlen wurde, sie legten Teiche an zur Förderung des Fischreichtums, sie entwässerten Sümpfe und machten unbrauchbares Land urbar. Seitdem freilich die Verheerungen kriegerischer Jahre über diese Stätten hinwegbrausten, sind schon seit Jahrhunderten die Klosterbewohner und die Pilger zerstreut in alle Weiten, die Baulichkeiten sind meist verfallen, in ihrem epheuumrankten Resten noch Zeugnis gebend von alter Zeit, als deren letzte Erinnerungen die bildreichen Grabsteine eine stumme Sprache reden.
Abb. 4. Geologische Skizze von Thüringen.
Klöster und Burgen.
Weit im Westen erhebt sich eine Bergmasse als ein kleines Tafelland, wegen seiner alten Eichen schon frühe das Eichsfeld geheißen. In riesigem Kranze erstrecken sich gen Mitternacht bis nach der Morgenseite hinüber eine Reihe von Bergwällen, einsam und still, bewachsen von herrlichen Buchen, aus deren grünen Wölbungen hier und da eine Burgruine emporlugt. Mitten in diesem Kranze erhebt sich der Kyffhäuser, um dessen geborstenes Gemäuer Sagen und Lieder klangen in Sehnsucht nach der deutschen Einheit. Aus dem Herzen des Landes rauschen die Wässer der Unstrut, die den Bergkranz durchbricht und dann durch ein Thal fließt, über dessen Fluren und Burgen die Geschichte mit ehernem Fuß hinwegschritt. Jetzt grüßen aber freundliche Städtchen und helle Schlösser herunter ins Thal, und an den sonnigen Hängen, wo sich die Unstrut mit der Saale eint, grünen Rebenhügel in üppiger Fülle.
Saale und Rennsteig.
In großen Schlangenwindungen zieht die Saale ihren Weg durch ein breites schönheitgesegnetes Thal. Schiller widmete ihr die Verse:
»Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;
Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.«
Abb. 5. Merseburger Schloß, von der Saale gesehen.
(Nach einer Photographie von F. Herrfurth in Merseburg.)