Die Volksdichte ist in Thüringen zwar in Abhängigkeit von der Bodenform und Höhenlage, aber doch vielfach beeinflußt durch die Industrie, die selbst in sonst dünner bevölkerten Landschaften oder Thälern eine Häufung der Bevölkerung veranlaßte. Im ganzen Thüringischen Gebiete wohnen fast 2½ Mill. Menschen, in den Thüringischen Staaten allein fast 1½ Mill., auf dem qkm 128. Die dünnste Bevölkerung hat Schwarzburg-Sondershausen mit 91 Menschen auf dem qkm, es folgen dann Schwarzburg-Rudolstadt mit 94, Sachsen-Weimar mit 94, Sachsen-Meiningen mit 95, Sachsen-Coburg-Gotha mit 111, Sachsen-Altenburg mit 136, Reuß jüngere Linie mit 160, Reuß ältere Linie mit 213 Bewohnern auf 1 qkm (die Durchschnittszahl für das Deutsche Reich ist 97). Läßt man die Städte mit über 20000 Einw. aus der Berechnung, so ergibt sich für den größten Theil Thüringens nur eine Volksdichte von 75–100 auf den qkm, höher stellt sich die Umgegend von Erfurt und der Industriestreifen südlich des Gebirges, wo 100–150, in der Umgegend von Sonneberg sogar 150–200 Menschen auf den qkm kommen. In den am dichtesten bewohnten Gebieten bei Naumburg und Weißenfels leben mehr als 200 Menschen auf dem qkm. Dicht bevölkert ist der Fuß des Gebirges, der durch den schon früher erwähnten Städtekranz an der Gesteinsgrenze gekennzeichnet wird. Im mittleren und nordwestlichen Thüringerwald wohnen deshalb fast ¾ seiner Bevölkerung in der Höhenlage von 400–700 m, im Schwarzagebiete in 400–600 m. Die Mehrzahl der Gesamtbevölkerung gehört der evangelischen Konfession an, nur in Erfurt sind 3/10 der Bevölkerung katholisch, ebenso im nordwestlichen Meiningen, dieses ehemals zur Abtei Fulda, Erfurt zum Bistum Mainz gehörig. Im bayerischen Anteil des Frankenwalds steigt die Zahl der Katholiken auf 5/107/10 der Gesamtbevölkerung; es sind dies früher zum Bistum Bamberg gehörige Gebiete. Das nördliche Eichsfeld, das Gebiet des alten Bistums Heiligenstadt, ist fast ganz katholisch, nur im Kreise Mühlhausen überwiegen die Evangelischen.

Abb. 97. Das tolle Jahr.
Wandgemälde von Prof. Janssen im Rathaussaal zu Erfurt.
(Nach einer Photographie von K. Festge in Erfurt.)

XII.

Am Fuße des Gebirges, wo aus dem Waldgebiete die Bäche hinaushüpfen ins freiere Land, ist wie eine Schmuckkette eine lange Reihe lieblicher Ortschaften und schmucker Städte erbaut, oft gegen den ebeneren Teil des Landes durch grüne Hügel abgeschlossen. Außerhalb dieser Linie zieht die große Verkehrsstraße von Ost nach West. Hier liegen die Vermittelungspunkte des Waldes mit dem flachen Lande und viele dieser lauschigen Plätze sind beliebte Sommerfrischen geworden.

Abb. 98. Das Trocknen von Strohblumen in der Gärtnerei von J. C. Schmidt in Erfurt.

Abb. 99. Einsammeln von Stiefmütterchensamen in der Gärtnerei von J. C. Schmidt in Erfurt.