Gotha.
Gotha (31700 Einw.), die Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, ist abwechselnd mit Coburg Residenz. Sie ist umgeben von schönen Gartenanlagen, die an Stelle der alten Festungswerke angelegt wurden, und weithin zerstreuten Landhäusern ([Abb. 87] und [88]). Gotha ist eine alte Stadt, schon im Jahre 930 von Mauern geschützt, und war beherrscht vom alten Schlosse Grimmenstein, auf dessen Ruinen später das Schloß Friedenstein gebaut wurde.
Abb. 102. Weimar, von Osten aus gesehen.
(Nach einer Photographie von L. Held in Weimar.)
Der Name Grimmenstein erscheint zuerst seit 1316 unter Friedrich dem Gebissenen. Hierher flüchtete 1564 der vom Reich geächtete Ritter von Grumbach in seiner Eigenschaft als Unterthan und herzoglicher Rat, was für die Burg und Stadt Gotha die verderblichsten Folgen hatte. Zur Vollstreckung der Acht gegen Grumbach und seiner fürstlichen Beschützer belagerten die Truppen des Kurfürsten August die Burg, die nach der Eroberung vernichtet wurde, während in der Stadt Grumbach er und seine Genossen durch Hinrichtung einen schmachvollen Tod erleiden mußten.
Die Stadt hat bedeutende Sammlungen (im Schlosse Friedenstein eine Bibliothek von 210000 Bänden und 7000 Handschriften) und gemeinnützige Anstalten, ist eine wichtige Stätte des Buchhandels und bekannt durch ihre Wurst- und Schuhwaren. Östlich der Stadt erhebt sich der schmale Wall des Seebergs, dessen der Keuperformation angehörige Rhätsandsteine treffliche Bausteine liefern. Westlich steigt die Muschelkalkhöhe des Krahnbergs empor, von dessen Höhe man einen schönen Überblick des Thüringerwalds hat. Das Dorf Siebleben (2300 Einw.) wird von vielen Arbeitern bewohnt, die in gothaischen Fabriken thätig sind. Hier liegt Schloß Mönchshof, eine herzogliche Besitzung, und das Landhaus des 1895 verstorbenen Dichters Gustav Freytag ([Abb. 89]).
Abb. 103. Luther als Junker Jörg, von Lukas Cranach.
Aus dem Großherzoglichen Museum zu Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)
Ohrdruf. Plaue. Arnstadt.
An den Ufern der Ohra, 370 m hoch, liegt die gothaische Stadt Ohrdruf (6200 Einw.), ein märchenumwobener stiller Ort ([Abb. 90]), dessen Bewohner gewerbfleißig sind und am Flusse allein mehr als dreißig Mühlen aller Art errichtet haben. Hier baute 724 Bonifatius (Winfried), der Apostel der Deutschen, die erste christliche Kirche in den thüringischen Landen. Zwischen Wolfis (1900 Einw.), Crawinkel (1500 Einw.) und Gossel (800 Einw.) dehnt sich die kahle Muschelkalkplatte aus, über die früher die alte Waldstraße von Oberhof nach Erfurt führte, die Heimat der Hollandgänger, der Frachtfuhrleute, die Kienruß bis nach den Niederlanden führten und Kolonialwaren dafür mitbrachten. Bei Crawinkel steht quarzhaltiger Porphyr an, der zu Mühlsteinen gebrochen wird. Nach Osten sind mehrere Thäler in den Muschelkalk eingeschnitten, die ins Gerathal ausmünden. Frankenhain (900 Einw.) ist ein Hauptplatz für Pech- und Kienrußherstellung. Bei dem von einer alten Burgruine überragten Liebenstein verschwindet in der Sonnenhitze oft die wilde Gera im Geröll des Muschelkalks, während sie im Frühling als reißender Gebirgsbach zu Thal stürzt. Geschwenda (1600 Einw.), zu Schwarzburg-Sondershausen gehörig, hat Holzverarbeitung als Haupterwerbsquelle und die Geschwendaischen Blumenstöcke werden bis in die Gärtnereien von Erfurt und Bamberg verschickt.