Abb. 105. Goethes Haus in Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)

1392 erfolgte die Gründung einer Universität, die zu hoher Blüte gelangte und aus welcher Ulrich von Hutten und Martin Luther hervorgingen. In späteren Jahren sank sie aber immer mehr und ging 1803 völlig ein. Der Erfurter Roland ([Abb. 95]) stammt aus dem Jahre 1591 und wurde an Stelle eines Kreuzes errichtet, das zwischen den Mauern auf dem Fischmarkte stand, früher der »Römer« oder »steinerne Mauer« genannt. Er ist eine 2 m hohe steinerne Figur und zeigt den Charakter der Spätrenaissance. Die Rolandsäulen, die weit über das nördliche und östliche Deutschland verbreitet sind, entsprechen überall den alten früher auf den Märkten stehenden Kreuzen und wurden damit die Wahrzeichen der Marktfreiheit und des Marktrechtes. Auf dem Fischmarkt erhebt sich das neue von 1869 bis 1875 erbaute Rathaus ([Abb. 96]), in dessen Treppenhaus und Wandelgängen Gemälde aus der Gleichen-, Tannhäuser- und Faustsage wie aus Luthers Leben von Professor Kämpffer angebracht sind. Den großen Festsaal schmücken die Bilder von Professor Janssen aus der Geschichte Erfurts, beginnend mit der Einführung des Christentums, ferner der Mitarbeit Erfurts bei der Zerstörung der Raubritterburgen, der Blütezeit der Universität, der Darstellung des »tollen Jahres« ([Abb. 97]), als 1509 der Volksunwille sich gegen den Übermut und die Verschwendung der Gemeindeverwaltung aufbäumte, die Unterwerfung Erfurts unter das Erzstift Mainz, und endlich, da die Stadt preußisch geworden war, der Besuch Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise in Erfurt.

Abb. 106. Schillers Haus in Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)

Erfurts Gartenbau.

Hoch entwickelt ist der Gartenbau, der Erfurt zur ersten Gartenstadt Deutschlands macht und Blumen und Gemüse von außerordentlichen Massen liefert. Der Anfang des Erfurter Gemüsebaues stand in Verbindung mit der Landkultur im Dreienbrunnen zwischen Erfurt und Hochheim. Die Quellen entspringen dem Fuße des Steigers und bewässern das Land, und durch viele Gräben (Klingen) leitete man das befruchtende Naß. Hier wurde schon im Mittelalter die an den Wasserläufen wild wachsende Kresse gesammelt, die später gärtnerisch gezogen lange Zeit den wichtigsten Versandartikel der Erfurter Gärtnereien bildete. Bis zum XVI. Jahrhundert beschränkte man sich lediglich auf Waid-, Obst- und Gemüsebau, erst in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts wandte man sich dem Anbau von Handelspflanzen zu, aber erst in neuer Zeit hat die Blumen- und Samenkultur den Aufschwung genommen, der Erfurt an die erste Stelle gerückt hat. Für Palmen und Gräser aus allen Weltteilen gibt es große Trocken- und Färbeanlagen, und die Gärtnerei von Schmidt hält am Kap der guten Hoffnung eine besondere Farm für Pflanzenkulturen. In den großen Gewächshäusern gedeihen viele Tausende von Kamelien, Primeln, Cyclamen, Palmen, Syringen u. s. w. Beim Beginn des Sommers werden die Gewächshäuser entleert und ihr Inhalt auf die Felder verteilt. Da sieht man ein Hektar Land nur mit Rosen bedeckt, etwa 20 Hektar mit Immortellen, deren Trocknung in großen Kästen geschieht ([Abb. 98]), und 20 Hektar mit Stiefmütterchen, deren Samenlese in [Abb. 99] veranschaulicht wird. Dabei gibt es in Erfurt etwa 20 andere große Firmen, die jede ihre besonderen Kulturen besitzt: Clematis, Fuchsien, Palmen, Zwiebelgewächse oder Zwergblumenkohl. Für den Samenhandel liefert Erfurt nur einen Teil des zum Verkauf bestimmten Samens. Die Benarysche Gärtnerei besitzt dafür in außereuropäischen Ländern große Samenzüchtereien. In ihren Erfurter Züchtereien finden sich ganze Hektaren mit Astern in allen Formen und Farben bedeckt, Stiefmütterchen u. s. f., auf Holzgestellen 100000 Levkoypflanzen in Töpfen und in einem Gewächshause 30000 Primeln. Das sind gewaltige Zahlen, die einen Anhalt zur Beurteilung der Erfurter Gärtnerei geben. Auch die Industrie ist bedeutend und ernährt die Hälfte von Erfurts Bevölkerung; in der Schuhwarenherstellung sind allein 2500 Arbeiter beschäftigt. Unweit der Stadt liegt das Dorf Ilversgehofen (6650 Einw.) mit einem Steinsalzbergwerk, dessen Salzlager 24 m Mächtigkeit hat.

Abb. 107. Abendkreis der Herzogin Amalia.
(Verkleinert nach einer Aquarelle von G. M. Kraus, etwa aus dem Jahre 1795, auf der Großherzoglichen Bibliothek in Weimar.)

Ilmplatte.

In dem ganzen Gebiete zwischen Gera und Ilm bis zu einer Linie Erfurt-Weimar herrscht mit wenigen Ausnahmen Buntsandstein und Muschelkalk vor. Wir bezeichnen dies Gebiet als westliche Ilmplatte, die in Zusammenhang steht mit der östlichen Ilmplatte, dem Gebiet zwischen Ilm und Saale; beide südlich bis an den Fuß des Gebirgs reichend. Bei Rudolstadt, im oberen Teile des Schaalbachthales, liegt das Dörfchen Keilhau mit der bekannten von Fröbel 1807 gegründeten Erziehungsanstalt in schön bewaldeter Umgebung, am Fuße des von einem Turm gekrönten 476 m hohen Steiger, eines Muschelkalkberges. Nördlich der Straße Rudolstadt-Stadtilm breitet sich das Schöne Feld aus, eine wald- und wasserlose Muschelkalkfläche. Im Remdathale liegt das weimarische Stadt-Remda (1200 Einw.), in einem Nebenthal der Remda oder Rinne das rudolstädtische Städtchen Teichel (500 Einw.). Die Muschelkalkhöhen der Ilmplatte streichen meist westöstlich in einer Mittelhöhe von 400–500 m (am höchsten im 585 m hohen Siegerberg bei Stadtilm), in kräftiger Entwickelung und vielfach von Thälern zerschnitten zum Saalthale abfallend.