Abb. 108. Karl August bei Goethe.
(Gezeichnet und gestochen von Schwerdgeburth in Weimar.)
Stadtilm. Kranichfeld. Blankenhain.
Im freundlichen Ilmthale liegt das rudolstädtische Städtchen Stadtilm (3100 Einw.), mit schöner in den ältesten Teilen aus dem XII. Jahrhunderte stammender, einst der Jungfrau Maria geweihter Kirche. Die »höchste Brücke in Thüringen« verbindet beide Türme miteinander. Bis zum Städtchen Kranichfeld (1850 Einw., davon 1050 meiningisch, 800 weimarisch) reicht die Bahnverbindung von Weimar her, die über Berka und Tannroda führt und von Berka noch einen Zweig nach Blankenhain sendet. Die Besitzverhältnisse in Kranichfeld springen in buntester Weise durcheinander. Die Häuser derselben Straße gehören zu den obengenannten Staaten und die Staatsangehörigkeit hat man durch verschiedenfarbige Hausnummerschilder kenntlich gemacht. Die Grenzen gehen aber manchmal mitten durch ein Haus hindurch, was oft zu den ergötzlichsten Zuständen führen kann. Tannroda (1000 Einw.) und Blankenhain (2900 Einw.) sind weimarische Sommerfrischen und liegen mit Berka auf einer Buntsandsteinscholle, die großenteils mit schönen Nadelwäldern bedeckt ist. Berka an der Ilm (1850 Einw.) ist ein stiller Badeort in windgeschützter Lage. Beim Dorfe Buchfart befinden sich in der Felswand des linken Ilmufers Höhlen, Burg Buchfart genannt, die wohl noch aus heidnischer Zeit stammen, mit einem in den Muschelkalk gearbeiteten Weg, durchschnittlich 15 m über der Thalsohle, der am äußeren Rande durch Mauerwerk geschützt war. Bei Mellingen (1050 Einw.) biegt die Ilm rechtwinklig um und nimmt den Madelbach auf, in dessen flacher Thalung das Städtchen Magdala (800 Einw.) liegt. Der untere Teil der östlichen Ilmplatte zeigt einförmigen Charakter, auf Buntsandstein teilweis Keuper und Diluvialablagerungen tragend und von einigen kleinen Thälern nur wenig eingeschnitten. In einem kleinen meiningischen Gebietsteile liegt das Dorf Vierzehnheiligen mit einer Wallfahrtskirche, vom Herzog Wilhelm von Weimar als Sühne nach dem sächsischen Bruderkrieg 1464 errichtet. Auf den benachbarten Fluren kam 1806 die Schlacht bei Jena zur Entscheidung.
Abb. 109. Herderdenkmal in Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)
Weimar.
An einer nochmaligen nach Nordost gerichteten Umbiegung der Ilm liegt Weimar (27000 Einw.), die Hauptstadt des Großherzogtums Sachsen. Von alters her schon Grafen- und Fürstensitz, hat die Stadt unter dem Schutz kunstsinniger Herzöge sich weiter entwickelt und ist heute zu einer stillen und vornehmen Residenz geworden ([Abb. 100] bis [102]).
Am Anfang des XI. Jahrhunderts Wimmare (= Weidenbach) genannt, begann für den Ort im XII. Jahrhundert eine Zeit der Blüte, die sich trotz aller Wechsel erhalten hatte und andauerte, als 1554 Weimar Hauptstadt des neuen Herzogtums Weimar wurde. Zur selben Zeit kam die Renaissance in Deutschland zu voller Entfaltung, und mit reger Bau- und Kunstthätigkeit wurde der künstlerische Sinn auch ins Volk getragen. 1552 erhielt Lukas Cranach seine staatliche Bestallung und schuf die herrlichen Altargemälde für die Stadtkirche, malte auch Luther als Junker Jörg ([Abb. 102]), welches Bild sich im Großherzoglichen Museum befindet. Nach dem dreißigjährigen Kriege war wie überall unfruchtbare Stille und Öde eingetreten. Erst mit dem XVIII. Jahrhundert kommt frischeres Leben mit dem Neubau der Schlösser zu Weimar und Ettersburg, sowie der Anlage von Gärten. Von hehrem Glanze aber war Weimar umflossen, als Anna Amalia, die geistvolle Wittwe des zwanzigjährig gestorbenen Herzogs Ernst August Konstantin, von 1758 bis 1775 die Regentschaft führte. Sie hatte 1772 Wieland als Prinzenerzieher berufen, und nun begann die klassische Zeit für Weimar. Der geniale Karl August, der von 1775 bis 1828 regierte, versammelte an seinem Hofe die edelsten Geister Deutschlands, so daß Weimar zum Mittelpunkte für Kunst und Wissenschaft wurde.