Weimars klassische Zeit.
Am 7. November 1775 kam Goethe nach Weimar, wo er der Freund des Fürsten und Minister wurde und bis zu seinem am 22. März 1832 erfolgten Tode blieb. Auf seine Empfehlung kam Herder als Generalsuperintendent hierher. Schiller zog von Jena 1801 nach Weimar, wo er 1805 starb. Auch in der bildenden Kunst war eine Änderung eingetreten, da das Rokoko dem Einfacheren und Bescheideneren der klassischen hellenisierenden Richtung wich. Mit offenem Sinn wurde auch für die Verschönerung der Natur viel gethan; so begann 1784 die Anlage und Gestaltung des großen Parkes unter Mitwirkung von Goethe und Bertuch. Hier steht Goethes Gartenhäuschen ([Abb. 104]), während sein Wohnhaus in der Stadt ([Abb. 105]), das der Dichter über 40 Jahre lang bewohnte, jetzt in ziemlich derselben Ausstattung, die es zu Lebzeiten Goethes gehabt, zum Goethe-Nationalmuseum umgewandelt ist. Ein freundliches Haus mit grünen Fensterläden ([Abb. 106]) war seit 1802 das Wohnhaus Schillers.
Abb. 110. Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)
Nachdem Karl August die Regierung übernommen hatte, lebte die Herzogin Anna Amalia ganz der Litteratur, der Malerei und Musik, wie das bekannte Bild ihres Abendkreises ([Abb. 107]) trefflich schildert. Nach einer Reihe von Jahren waren die Tollheiten der Sturm- und Drangperiode, die der junge Fürst und der junge Goethe miteinander vollbrachten, langsam verflogen, die Freundschaft blieb aber eine dauernde bis zu den spätesten Jahren, war doch der Dichter auch der Staatsmann, der seinem Fürsten immerdar ein guter Berater war ([Abb. 108]). Vom Ilmflüßchen, das am Schlosse Karlsburg vorüberfließt, sang Schiller die zierlichen Verse:
Meine Ufer sind arm; doch höret die leisere Welle,
Führet der Strom sie vorbei, manches unsterbliche Lied.
An Stelle der alten Burg wurde im XV. Jahrhundert das Schloß erbaut, nach dem Umbau von 1651 bis 1654 unter Wilhelm IV. erst Wilhelmsburg genannt, brannte jedoch 1774 ab. An seine Stelle und mit Benützung seiner Umfassungsmauern wurde von 1789 bis 1803 das großherzogliche Residenzschloß gebaut, die Karlsburg, nach französischem Muster und mit seinen drei Flügeln einen rechtwinkligen Hof einschließend.
Unter der Regierung des Großherzogs Karl Alexander und seiner kunstsinnigen Gemahlin Sophie wurden die klassischen Überlieferungen aufs treueste weiter gepflegt, und Stadt und Land Weimar nahm einen erneuten Aufschwung. Nächst der großartigen Erneuerung der Wartburg wurde 1863–1869 das Museum in italienischer Renaissance erbaut und Preller herbeigezogen, dessen berühmte Odysseebilder einen dauernden Schmuck des Hauses bilden. Im Jahre 1860 wurde die Kunstschule gegründet. In Erinnerung an die berühmteste Zeit Weimars wurden die Denkmäler von Herder 1850 auf dem Platze vor der Stadtkirche ([Abb. 109]), von Goethe und Schiller ([Abb. 110]), nach Rietschels Modell 1857 vor dem Theater errichtet, und von Wieland ([Abb. 111]) 1857 vor dem ehemaligen Frauenthore.
Abb. 111. Wieland-Denkmal in Weimar.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)