Mit großer Sorgsamkeit sind Häuser wie Zimmer unserer Dichter in treu erhaltenem Zustande der Gegenwart überkommen. Alle diese Stätten haben jetzt ihren Mittelpunkt in dem von der Großherzogin Sophie gestifteten Goethe-Schiller-Archiv, das wie ein weißes Schloß von der Anhöhe am rechten Ilmufer auf die Stadt herabschaut. In hellen freundlichen Hallen sind in Schränken die kostbaren Handschriften von Schiller und Goethe, aber auch von vielen neueren Dichtern aufbewahrt.

In dem entfernteren Teile des herrlichen Parkes erhebt sich das 1724 bis 1734 erbaute Schloß Belvedere ([Abb. 112]), von Herzog Ernst August im Stil jener kleinen französischen Schloßgebäude erbaut, wie sie seit der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts an den Fürstenhöfen Deutschlands nachgeahmt wurden. Zwischen diesem Lustschloß und dem schon früher genannten Mellingen liegt das Dorf Taubach, dessen Kalktuffe bekannt sind als Fundort von Geräten aus der älteren Steinzeit nebst Tierresten, deren gemeinsames Vorkommen beweist, daß zu gleicher Zeit mit den großen diluvialen Säugetieren Menschen lebten.

Flußabwärts liegt inmitten schöner Gartenanlagen Schloß und Dorf Tiefurt (= tiefe Furt). Der Ort wurde schon im XIII. Jahrhundert erwähnt. Das Schloß ([Abb. 113]), ein einfacher von prächtigem Garten umgebener Bau, ist berühmt durch den Sommeraufenthalt der Herzogin Anna Amalia, an den sich viele und heitere Erinnerungen aus Weimars Glanzzeit knüpfen. Die Erlebnisse der Tiefurter Tafelrunde wurden im »Tiefurter Journal« niedergelegt, das nur handschriftlich hergestellt wurde. Hier und in Ettersburg wurde Liebhabertheater gespielt, wobei verschnittenes Buschwerk die Kulissen, Bäume, Wiesen und Quellen die schönste natürliche Dekoration abgaben, nach Goethes Worten:

In engen Hütten und im reichen Saal,
Auf Höhen Ettersburgs, in Tiefurts Thal,
Am lichten Zelt, aus Teppichen der Pracht
und unter dem Gewölb der hohen Nacht.

Abb. 112. Schloß Belvedere.
(Nach einer Photographie von K. Schwier in Weimar.)

Apolda.

Abseits der Ilm, am Herressener Bach, dehnt sich Apolda (20800 Einw.) aus, die bedeutendste Fabrikstadt des weimarischen Landes. Schon im XVI. und XVII. Jahrhundert wurde hier die Herstellung von wollenen Strick- und Wirkwaren betrieben, die heute 6000 Menschen beschäftigt und eine Jahresproduktion von 15 Mill. Mark liefert. Das Bachthal wird von der Eisenbahn auf einem 22 m hohen, 910 m langen Viadukt überschritten. Unweit der Mündung der Ilm, die nach 125 km langem Laufe sich bei Großheringen in die Saale ergießt, liegt wie ein grünes Schmuckkästchen Stadtsulza (2300 Einw.), dicht neben Bergsulza und Dorfsulza, umrahmt von Wald und Weinbergen ([Abb. 114]). Sulza ist ein besuchtes Solbad mit reichen Solquellen.

Thüringisches Becken.