Westlich von Erfurt entspringt die Nesse, deren grünes Wiesenthal von fruchtbaren Feldern begrenzt wird. Bei Bufleben ist die Saline Ernsthalle seit 1828 in Betrieb. Eine Zweigbahn führt durchs Nessethal nach Friedrichswerth (im Volksmunde noch Erf genannt), das seinen Namen von dem im XVII. Jahrhundert vom Herzog Friedrich I. von Gotha erbauten Schlosse hat, und dann im Thal des Biberbachs aufwärts bis Großenbehringen. Bei dem kleinen gothaischen Flecken finden sich die umfangreichen Überreste einer vorhistorischen Burg. Im Unstrutthale abwärts von Mühlhausen liegen die Gemüseanlagen des preußischen Städtchens Thamsbrück (1000 Einw.). An der Salza liegt die Stadt Langensalza (11500 Einw.), mit Schwefelbad und lebhafter Industrie. Zwischen hier und dem an der Unstrut liegenden Dorfe Merxleben wurde 1866 die Schlacht von Langensalza geschlagen. Von Eisenach durchs Nessethal und über Großenbehringen nach Langensalza führte schon in alter Zeit eine wichtige Handelsstraße, die hier mit der Casseler Straße sich vereinte, um dann über Tennstedt, Weißensee und Kölleda nach Eckartsberga zu ziehen. Am Tonnabache liegen das Dorf Burgtonna (800 Einw.) und der Flecken Gräfentonna (1900 Einw.) mit Kalktuff- und Gipsbrüchen. Das alte Schloß der Grafen von Gleichen dient jetzt als Zuchthaus; der Ort wird schon 845 urkundlich erwähnt.

Abb. 115. Mühlhausen.
(Nach einer Photographie von J. Tellgmann in Mühlhausen.)

In der weiteren Umgebung Erfurts sind im fruchtbaren Gelände noch große ländliche Ortschaften vorhanden, u. a. die Dörfer Elxleben (1250 Einw.) und Walschleben (1600 Einw.). Von Döllstädt (800 Einw.), einer der ältesten gothaischen Orte, führt eine Zweigbahn über Herbsleben (2350 Einw.), einem gothaischen Marktflecken in fruchtbarer Lage an der Unstrut, nach dem preußischen Städtchen Tennstedt (2900 Einw.), mit einem kleinen Schwefelbad. Oberhalb ihrer Mündung in die Unstrut liegt an der Gera das Städtchen Gebesee (2150 Einw.); an der Bahnkreuzung das Dorf Straußfurt (1100 Einw.). An der schmalen Gera liegen der weimarische Flecken Haßleben (1250 Einw.) und der gothaische Flecken Werningshausen (800 Einw.), wo Handelspflanzen gebaut werden. Von Süden fließt der Gera die Gramme zu, in deren Gebiet die dicht bei einander gelegenen Dörfer auf gute Bodenbeschaffenheit weisen. Vieselbach (1200 Einw.) und Großrudestedt (1050 Einw.) sind weimarisch. In der Nähe von Udestedt (900 Einw.) steht ein alter Turm als letzter Rest des ehemaligen Klosterhofes Barkhausen, der dem Kloster Georgenthal gehörte. Östlich von Großrudestedt liegt Schloßvippach (1200 Einw.), ein weimarischer Flecken mit altem Schloß, und das Städtchen Neumark (500 Einw.). Von den Höhen des Ettersberges fließen der Scherkonde eine große Zahl von Quellbächen zu. Hier liegt die Stadt Buttelstedt (900 Einw.), früher wichtig als Haltepunkt an der großen Handelsstraße Erfurt-Eckartsberga. An diesem Straßenzuge liegt auch Buttstädt (2600 Einw.), eine alte Stadt mit Pferdemärkten, durch Eisenbahn verbunden mit Großheringen und Rastenberg, Weimar und Sömmerda. An letztgenannter Strecke liegt das preußische Kölleda (3500 Einw.), ein Ackerstädtchen mit Anbau von Handelspflanzen.

Sömmerda.

In der Mitte des Thüringischen Beckens liegt an der Unstrut die preußische Stadt Sömmerda (4600 Einw.), der Geburtsort des Pädagogen Salzmann und des Erfinders des Zündnadelgewehres v. Dreyse. Dieser tiefste Teil des Thüringischen Beckens war ehemals ein versumpftes Seegebiet und nicht zur Besiedelung einladend, weshalb trotz der Fruchtbarkeit des Bodens große Städte fehlen. Thüringen ist an stehenden Gewässern überhaupt arm, da die größeren Seebecken trocken gelegt wurden, so der große und der kleine Weißensee bei der gleichnamigen Stadt (2450 Einw.), nordwestlich von Sömmerda; im benachbarten weimarischen Gebiete der ehemalige See bei Neuhausen und der Schwansee, jetzt zum Teil als Waldland bepflanzt; ferner ein See westlich von Tennstedt und der Wangenheimer See südlich der Hart.

Volksdichte im Thüringischen Becken.

Die Volksdichte im Thüringischen Becken ist in außerordentlicher Abhängigkeit von der Naturbeschaffenheit des Bodens. Von der Gesamtbevölkerung wohnen hier 44 vom Hundert auf Buntsandstein, 24 vom Hundert auf Muschelkalk, und 32 vom Hundert auf Keuper. Bevorzugt ist also der Buntsandstein, weniger durch seine Eigenschaften als infolge seiner Ausbreitung am Fuß des Thüringerwalds und des Harzes, wo ein alter Durchgangsverkehr die Entwickelung städtischer Ortschaften erlaubte, wodurch wieder Handel und Gewerbe begünstigt wurden. Der Muschelkalk ist für den Ackerbau wenig geeignet, da die Härte seiner Gesteine den Angriffen von Luft und Wasser widersteht. Er bildet deshalb vorwiegend die Höhen des Beckengebiets und seine nördliche Umrandung, trockene oft rauhe Hochflächen, wo stellenweise (wie z. B. auf dem Eichsfelde) nicht einmal der Hafer reif wird und wo die Kartoffel die einzig sichere Frucht ist. Trotz guten Baugrundes und guten Baumaterials trägt die Wasserarmut die Schuld an dem Mangel stärkerer Besiedelung. Den besten Boden liefert, wie schon oben erläutert wurde, der Keuper, der zugleich die tieferen und klimatisch bevorzugten Lagen einnimmt und fast ausschließlich dem Ackerbau dienstbar gemacht ist. Da er selten guten Baugrund bietet, finden wir die größten Siedelungen an der Gesteinsgrenze, am Rande des Muschelkalks, wo guter Baugrund und ein fruchtbares Hinterland vorhanden sind, wo auch die Überschwemmungen der Flußgebiete fehlen und wo eine günstigere Verkehrslage besteht. Einschließlich der Städte beträgt die mittlere Dichte für den Buntsandstein 117 Bewohner auf den qkm, für den Muschelkalk 69, für den Keuper 146. Von der Gesamtbevölkerung des Triasbeckens entfallen 30 vom Hundert auf die Städte.

Abb. 116. Schloß Neuenburg bei Freyburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)