Burgscheidungen. Querfurt. Nebra.

Oberhalb Freyburg liegt in weiter wiesenreicher Thalebene, umgeben von reichen Obstbaumpflanzungen, das Städtchen Laucha, (2400 Einw.), ursprünglich wohl eine slawische Gründung, im XII. Jahrhundert zuerst urkundlich erwähnt. Die bedeutendsten Zuflüsse von der Finne her sind der Haselbach und Biberbach, in dessen Thal Bibra (1500 Einw.) liegt, ein kleines schon im VIII. Jahrhundert erwähntes Städtchen mit Stahlbad. Auf einem Sandsteinkegel, von der Unstrut halbinselartig umflossen, ragt Burgscheidungen (Scidingi = »an der Scheide« des geteilten thüringischen Reiches) empor, wo 531 die Franken und Sachsen das Königreich Thüringen in Trümmer schlugen. An Stelle der alten Befestigungen sind jetzt schöne Gartenanlagen getreten, das alte Schloß erhielt seine jetzige Gestalt im XVIII. Jahrhundert. Auf der mittleren Fläche der Platte, nur 160 m hoch, liegt die Stadt Querfurt (5200 Einw.), die Furt an der Querne, vom großen Verkehr abseits und eine alte Stadt, die nebst dem Gebiete der Kreise Querfurt und Eckartsberga 1815 an Preußen fiel. Vom linken Felsufer der Unstrut glänzt das neue Schloß Vitzenburg ([Abb. 118]) in die Lande hinaus, wo ehemals eine Reichsburg stand, die schon im VIII. Jahrhundert erwähnt wurde. Gegenüber liegt am hohen rechten Ufer Nebra (2300 Einw.), eine Gehängesiedelung an der Stelle, wo die Straße von Eckartsberga nach Querfurt den Fluß überschreitet. Die feste Brücke bestand mindestens seit dem XIII. Jahrhundert, der Ort selbst war eine im VIII. Jahrhundert gegründete Slavensiedelung, die aber unten am Flusse unterhalb der heutigen Stadt lag. Der feinkörnige wertvolle Sandstein der Nebraer Steinbrüche wird weithin verfrachtet.

Abb. 119. Schloß Heldrungen im Jahre 1645 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).

Memleben. Wiehe. Roßleben. Artern.

Die Thalränder treten hier an der Steinklöbe, dem Durchbruch der Unstrut durch den Sandstein, eng aneinander, weichen von Memleben an auf dem rechten Ufer aber weit zurück. Hier breitet sich die Aue des Unstrutrieds aus, ehemals Sumpffläche, auf Veranlassung des Mainzer Erzstifts und der Cistercienser entsumpft und dem Landbau gewonnen. Im Dorfe Memleben bestand am Anfang des X. Jahrhunderts ein befestigter Königshof, wo 936 König Heinrich I., 973 sein Sohn Otto I. starben. Die epheuumrankten Ruinen der zum ehemaligen Benediktinerkloster gehörigen Kirche deuten auf ein Bauwerk vom Anfange des XIII. Jahrhunderts. Am Fuß der Berge liegt das Städtchen Wiehe (1150 Einw.), schon am Ende des X. Jahrhunderts eine Reichsburg. Die Stadt ist Geburtsort des Geschichtsschreibers Ranke. Oben im Bergwald finden sich die Reste der Burg Rabenswald und an den Hängen des Kinselsberges diejenigen der Monraburg. Beim Dorfe Donndorf (900 Einw.) auf einem Hügel steht eine Erziehungsanstalt, früher ein Cistercienser-Nonnenkloster. Auf niederem Kalkfelsen am linken Ufer erhebt sich das Kammergut Wendelstein, deren Gebäude früher eine befestigte Burg bildeten. Ein hier bestehendes Gestüt hatte ein Ende, als 1813 Theodor Körner als Führer einer Reitertruppe sämtliche Pferde als Beute für die Lützowsche Freischar entführte. Am Eisenbahnübergang über die Unstrut liegt das bedeutende Dorf Roßleben (2300 Einw.), berühmt durch seine sogenannte Klosterschule, die im großen Gebäude an der Stelle eines Augustinerklosters 1554 errichtet wurde. Auf der Höhe der Sandsteinplatte liegt das Dorf Ziegelroda und die Mauerreste der Lutisburg. An der Mündung des Riedgrabens liegt die Salinenstadt Artern (4900 Einw.), schon im VIII. Jahrhundert erwähnt, einer der ältesten Orte der Goldenen Aue. Unter dem Gips des oberen Zechsteins ist hier ein etwa 130 m mächtiges Steinsalzlager erbohrt, aus dem eine Solquelle entspringt, deren Wasser versotten oder zu Badezwecken gebraucht wird. Das Gebiet ist reich an Salzpflanzen, die hier wie bei Kölleda, Weißensee, Artern, Numburg, Luisenhall bei Erfurt und Salzungen vorkommen.

Abb. 120. Die Sachsenburgen.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Rastenberg. Heldrungen.

Am südlichsten Punkt der Finne bildet das Thal der Emse einen bequemen Zugang ins Thüringische Becken, wo in der Nähe des Dorfes Auerstädt 1806 die für Preußen so unglückliche Schlacht geschlagen wurde. Bei Eckartsberga (1900 Einw.), einem freundlichen Städtchen, ist im Gelände eine Einsenkung, die Eckartsbergaische Pforte, der Durchgangspunkt der alten Handelsstraße. Am Ausgang des lieblichen Mühlthales liegt die weimarische Stadt Rastenberg (1200 Einw.) mit Stahlbad. In der flachen Thalmulde des Helderbaches ist Heldrungen (2700 Einw.) erbaut, nach seinem alten Schlosse auch Schloßheldrungen genannt ([Abb. 119]). Das Schloß ist von breiten Wassergräben umgeben und gibt mit seinen Türmen ein mittelalterliches Bild. Am gegenüberliegenden Unstrutufer liegt das weimarische Dorf Oldisleben (2000 Einw.), mit Mühlen und Zuckerfabrik. Das im XI. Jahrhundert gegründete Benediktinerkloster wurde im Bauernkriege zerstört. Oberhalb der Wippermündung erheben sich am Berghange 254 m hoch die Sachsenburgen ([Abb. 120]), von deren Turm man einen weiten Blick in die thüringische Landschaft genießt. Sie wurden im XIII. Jahrhundert erbaut, sind also nicht als Grenzbefestigungen der Sachsen gegen die Franken aufzufassen, die im Thale des Solgrabens Frankenhausen erbaut haben sollen.