Abb. 121. Sondershausen um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).

Hainleite. Dün.

In gleicher Streichrichtung von Finne und Schmücke erstreckt sich der Gebirgswall der Hainleite, an der oberen Wipper in ostwestliche Richtung übergehend in den Dün, der mit dem Eichsfeld und dem Hainich im Norden und Westen dann das Thüringische Becken umgrenzt. Der östlichste Teil der Hainleite gipfelt mit 331 m und wird vom übrigen Gebirgsteil durch den Durchbruch der Wipper, die in engem gewundenen Thale sich den Weg zur Unstrut gebahnt hat, getrennt. Westlich der Wipper steigt der Kamm allmählich höher, im aussichtsreichen Possen 424 m, in der Wetternburg 465 m, im Katzenstein 471 m. Außer dem Wipperdurchbruch ist die Hainleite noch mehrmals schluchtartig durchbrochen, vom Hachsbach beim Dorfe Hachelbich, und vom Bebrabach bei Sondershausen, der Übergangsstelle der Bahn Erfurt-Nordhausen. Nach der Mitte Thüringens fällt das Gelände in sanfter Abdachung, nach Norden bricht es in steiler Wandung zum Wipperthale ab, von Friedrichslohra bis zum Kloster Reifenstein einen 20 km langen ununterbrochenen Rand bildend, der schon zum Dün gehört. Hier steigt die höchste Erhebung im Köhlerberg bis 494 m an, im Hockelrain bis 517 m. Der Dün reicht bis Heiligenstadt und geht südwestlich langsam in das Eichsfeld über. Die aus Wellenkalk bestehenden untersten Schichten des Muschelkalks verleihen der Hainleite und dem Dün ihre eigentümlichen Formen und bilden eine deutliche Stufe, wenn sie sich auch nicht überall zu einer kleinen Hochfläche erweitert, wie dies südlich von Sondershausen der Fall ist. Die an den steileren Hängen der Hainleite und auch der nördlich der oberen Wipper sich erhebenden Muschelkalkgruppe der Ohmberge (höchster Punkt die wilde Kirche 523 m) emporstrebenden Äcker und Berggräben verdanken ihren thonigen Boden dem Röth oder oberen Buntsandstein. Von Wichtigkeit sind auch die Thonschichten an der oberen Grenze des Röths, weil auf ihnen eine Reihe von Quellen zu Tage gehen. Einige wechsellagernde Schaumkalkschichten, sowie Dolomitbänke des oberen Muschelkalks liefern Straßen- und Bausteine. Der aus der Zersetzung der Wellenkalkschichten hervorgehende Boden ist Träger und Ernährer der schönen Buchenwälder, dagegen nur selten lohnender Ackerboden; die Äcker des mittleren und oberen Muschelkalks sind zwar fruchtbarer, aber oft thonig und mit zahllosen Steinen übersät. Eine Ausnahme findet sich in der Nähe der Wipperquelle in den Ohmbergen, wo in einer Höhe von 450 bis 490 m dem Wellenkalk eine Abteilung der Kreideformation auflagert.

Abb. 122. Sondershausen, vom Waldschlößchen aus gesehen.

Sondershausen. Der Kyffhäuser.

Beim Dorfe Göllingen ist von der Wipper ein Stollen abgezweigt, durch den der Stadt Frankenhausen Wasser zugeführt wird, da in der sogenannten kleinen Wipper zu wenig Wasser vorhanden ist. Der bedeutendste Wohnplatz im Wipperthale ist Sondershausen (7000 Einw.), die Hauptstadt des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen, in freundlicher Lage und von Bergen umrahmt ([Abb. 121] und [122]). Das aus dem XVI. Jahrhundert stammende Schloß ist von schönen Parkanlagen umgeben. Auf dem Possen steht ein fürstliches Jagdschloß und ein 50 m hoher Turm, der hoch über den Buchenwipfeln eine umfassende vom Thüringerwald bis zum Harz reichende Rundsicht bietet. Vom Sandsteinplateau der alten Grafschaft Hohnstein entwickelt sich der Gebirgszug der Windleite, im Paßberg 352 m hoch, nördlich von Sondershausen zwischen Wipper und Helme sich von Ost nach West erstreckend und durch zahlreiche Bäche mannigfach gegliedert. Östlich davon erhebt sich als kleines, nur 75 qkm umfassendes Massengebirge der Kyffhäuser, der seinen Steilabfall nach Norden hat und auf seiner platten welligen Oberfläche im Lengefelde 466 m Höhe erreicht. Am Nordrand tritt ein schmaler Gürtel altkrystallinischer Gesteine zu Tage: die aus Granit bestehenden Heidekraut tragenden Bärenköpfe am Nordfuße des von der Kyffhäuserruine gekrönten Berges, und Gneis (Hornblendegneis an der Rotenburg). Als Hauptmasse des Gebirges folgt dann Rotliegendes, stellenweise zu quarzitischen Konglomeraten vergröbert und mit Schieferthonlagen durchsetzt. Im Westen und Süden lehnt sich daran ein breiter Zug der Zechsteinformation mit landschaftlich wirkungsvollen Gipsfelsen. Löß deckt mantelartig das Gebirge, besonders im Osten und an den Thalgehängen. Trotz armer Bewässerung ist seine Bewaldung üppig und deckt 55 vom Hundert der Fläche, vorwiegend Rotbuche und Eiche; erst seit 60 bis 70 Jahren sind Fichten angepflanzt worden. Bei der aus dem Zechstein kommenden Salzquelle in der Nähe von Numburg sind 25 echte Salzpflanzen nachgewiesen, ein Beweis für die Abhängigkeit der Pflanzenverbreitung von der chemischen Natur des Bodens. Der Kyffhäuser ist ferner eine Heimstätte lebender Nachkommen der in der sogenannten Steppenperiode oder der Lößzeit (wahrscheinlich zwischen der ersten und zweiten Vereisungsperiode) aus Südosten eingewanderten Gewächse. Fast die Hälfte dieser dem Osten und Südosten Europas als Stammland angehörige Pflanzen finden hier ihren äußersten nordwestlichen Standpunkt; hierher gehört das »Kyffhäufergras« genannte Fiedergras.

Abb. 123. Die Rothenburg.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)