Abb. 126. Der Kyffhäuser mit Blick in die Goldene Aue.
(Nach eigener Photographie der Verlagshandlung.)

Abb. 127. Frankenhausen um 1650 (nach dem gleichzeitigen Stich von Merian).

Das Eichsfeld.

Am Fuße der Rothenburg liegt das stille Städtchen Kelbra (2700 Einw.). Die Goldene Aue bietet eine für den Verkehr wichtige Niederung, die von der Eisenbahn Halle-Cassel benutzt wurde. Die Helme, die gewissermaßen Thüringen vom Harz scheidet, hat eine Länge von 84 km und ist einer der wichtigsten Nebenflüsse der Unstrut, da sie aus dem Harz viele wasserreiche Zuflüsse aufnimmt; ihr Ursprung ist auf der niederen Wasserscheide zwischen Elbe und Weser, westlich vom preußischen Dorfe Stöckey. Die Wipperquelle liegt in der Stadt Worbis am Südfuße der Ohmberge, nur wenig entfernt von den Quellen der Hahle und Leine. Nach Aufnahme der Ohne durchströmt die Wipper bei Sollstedt das Eichsfelder Thor, wo die Muschelkalkhöhen der Bleicherodaer Berge und der Hainleite nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind. Westlich von Worbis (2000 Einw., davon ¾ katholisch) dehnt sich bis zum Grabeneinbruch des Leinethales (oder der Göttinger Senke) das meist aus Buntsandstein bestehende Untere Eichsfeld aus, von einer mittleren Höhe von 380 m. In den Thälern finden sich frische Wiesengründe, auf den Höhen sorgsam gepflegte Äcker, die neben Getreide und Kartoffeln auch Tabak, Flachs und Zuckerrüben tragen. Trotzdem sind aber bei einer verhältnismäßig dichten Bevölkerung und dem Mangel größerer gewerblicher Anlagen die Ortschaften ziemlich arm.

Abb. 128. Frankenhausen.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Heiligenstadt.

Der Hauptort des Eichsfeldes ist Heiligenstadt (6700 Einw., davon 5/6 katholisch), das schon 1227 vom Erzbischof von Mainz Stadtrechte erhielt. Seine drei Stadtkirchen sind im XIII. und XIV. Jahrhundert erbaut worden. Das obere Eichsfeld ist die vom Dün nach Westthüringen hinüberleitende Muschelkalkplatte, im Mittel etwa 450 m hoch und klimatisch ungünstiger als das untere Eichsfeld; der Warteberg steigt bis 512 m empor. Die steil abfallenden Wände sind vielfach von Thälern durchschnitten, so vom Lutterbach im Norden und dem Frieda- und Rosapp-(Roseppe-) Bache im Süden, und die halbinselartig geformten Randstücke der Muschelkalkplatte sind zumeist von schönen Buchenwäldern geschmückt. Westlich dieser Thäler erhebt sich auf einem Buntsandsteinsockel der vielfach von Bächen eingeschnittene Muschelkalkrücken der Goburg, im Hohenstein (566 m) den höchsten Punkt des ganzen Eichsfelds tragend. Der Landbau ist auf dem Kalkboden nur dürftig, so daß viele arme Gebiete vorhanden sind, deren Bewohner dann Weberei treiben oder allsommerlich als Feldarbeiter nach der Provinz Sachsen gehen. Bei Küllstedt wird das obere Eichsfeld in 400 m Höhe von diesem Tunnel durchbrochen, durch den eine Bahnlinie führt, die Dingelstädt mit Eschwege verbindet.