Abb. 132. Meiningen.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
Im Nordosten des Südvorlandes breitet sich eine dicht bewaldete Buntsandsteinfläche aus, die nach Südwesten zur unbewaldeten und reizlosen Marisfelder Mulde einfällt. Diese Mulde wird im Südwesten von einem teilweis bewaldeten Muschelkalkplateau begrenzt, das Werra und Hasel durchbrochen haben. Ähnlich ist das Gelände im Südosten der Marisfelder Mulde bis auf die eigenartige Gegend des sogenannten »Kleinen Thüringerwalds«, wo Granit, Porphyr, Rotliegendes, Zechstein, Buntsandstein und Muschelkalk mit ihren verschiedenen Abtragungs- und Verwitterungsformen ein überaus lebendiges und buntfarbiges Landschaftsbild abgeben. Die im Graben der Marisfelder Mulde enthaltenen Keuperschichten zeigen, daß natürliche Abtragung die Oberfläche dieser Gegend um mindestens 460 m erniedrigt hat. Der südlich der Muschelkalkmauer gelegene Teil gehört bereits zum Grabfeld und besteht aus Keuper, der teilweis durch Diluvialbedeckung verhüllt ist und ausgedehnte wenig gegliederte Hochflächen bildet. Der vorherrschend weiche und thonige Boden wird von Kulturflächen eingenommen, der Wald tritt sehr zurück.
Abb. 133. Schillerhaus in Bauerbach.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
Marksuhl. Möhra. Frauensee.
Zwischen dem Markte Gerstungen (1550 Einw.) und dem weimarischen Städtchen Berka an der Werra (1050 Einw.) führt von der Werra das sonnige breite Thal der Suhle aufwärts. Das von der oberen Suhle und der oberen Elte umschlossene Gebiet war der alte Bergwerksgrund, der seinen Mittelpunkt im Dörfchen Eckardshausen hatte. Der Hauptort des Thales ist der Flecken Marksuhl (1000 Einw.), zuerst im XIII. Jahrhundert genannt und früher eine Haltestelle an der alten Bergstraße von Vacha nach Eisenach. Der Name Suhl bedeutet »sumpfige Gegend«, ist also von derselben Bedeutung wie der in derselben Richtung mit dem Suhlethal gelegene jetzt auch trockene Moorgrund, beide nur von einer niedrigen Wasserscheide getrennt. Im oberen Moorgrund liegt das Dorf Möhra, wo Luthers Eltern wohnten und wo ihm auf dem Kirchplatz ein Standbild errichtet wurde ([Abb. 129]). Die Buntsandsteinplatte innerhalb des Werraknies ist zum Teil mit Fichten- und Buchenwald bedeckt, während in den schmalen Thalgründen kleine Wiesen in hellem Grün leuchten. Bei Dönges ist der kleine Hautsee eingebettet, auf dessen Wassern eine schwimmende Insel ruht, deren Kiefern und Birken mit ihren Wurzeln den festen Zusammenhalt geben. Im Buchenwald versteckt liegt das weltabgeschiedene stille Dörfchen Frauensee, dessen rote Dächer sich im dunklen See spiegeln, eine ruhige Sommerfrische an der Stelle, wo im XII. Jahrhundert ein zum Stift Hersfeld gehöriges Cistercienser-Nonnenkloster gegründet wurde.
Wo die alten Hauptverkehrswege das Gebirge überschritten oder umgingen, wie im Werrathal, entwickelte sich eine dichtere Besiedelung. Im XIII. und XIV. Jahrhundert entstand eine Anzahl kleiner Städte, von denen es viele in den folgenden Jahren zu hoher Blüte brachten, die aber durch die Greuel des dreißigjährigen Krieges zerstört wurden. Im Werragebiete fielen fast neun Zehntel der Bevölkerung dem Kriege zum Opfer, und es waren zwei Jahrhunderte erforderlich, um die Lücken wieder zu ergänzen. Vom Goldbrunnen oberhalb des Ortes Wüstensachsen im Rhöngebirge rinnt die Ulster und mündet nach 49 km langem Lauf unterhalb Philippsthal in die Werra. Die weimarische Stadt Geisa (1500 Einw.) wird urkundlich schon im VIII. Jahrhundert erwähnt. Das Thal wird hier breiter und schöner und bildet die fruchtbarste Gegend des eisenachischen Oberlands, zu beiden Seiten von den schöngestaltigen Basaltkuppen der vorderen Rhön bewacht: Suchenberg (585 m), Rockenstuhl (529 m) und der Gipfelreihe vom Roßberg (689 m) bis zum Ulsterberg (476 m), meist Aussichtsberge mit umfassender Rundsicht. An der Einmündung der Öchse in die Werra liegt das im IX. Jahrhundert gegründete weimarische Städtchen Vacha (1500 Einw.), dem Vereinigungspunkte zahlreicher Straßen, die früher dem Ort lebhaften Verkehr brachten. Das Werrathal ist hier breit und sonnig, aber heiteren Gepräges und fruchtbarer Wiesengelände voll, von Bergen und grünen Wäldern umgrenzt. Südlich der Stadt erhebt sich der 627 m hohe mit Basaltblöcken bedeckte Öchsenberg, an dessen Ostfuße das stille waldumsäumte Öchsenthal hinaufsteigt bis zu der Höhe zwischen Bayerberg (706 m) und Sachsenburg (707 m). Dichter Buchenwald schmückt diese basaltischen Vorberge der Rhön; vom Turm des Bayerbergs hat man einen schönen Blick auf Thüringerwald und Rhön.
Abb. 134. Hildburghausen.
(Nach einer Photographie von Junghanns & Koritzer, Leipzig-Meiningen.)
Eisenachisches Oberland. Ostheim.