Abb. 7. Kreuzgang im Merseburger Dom.
(Nach einer Photographie von F. Herrfurth in Merseburg.)

Alte Schilderung Thüringens.

Im ältesten Mittelalter wurde das Gebirge wohl als Loiba oder Leube bezeichnet, d. h. waldige Höhe; noch heute nennt man in Thüringen das Obergestock im Hause oder den Galeriegang in der Kirche Leibe oder Leim. Nur in einigen Teilen des Gebirges hat sich dieser älteste Name noch bis heute erhalten, so in der Struther Leube, in der Zeller und Suhler Leube, letztere das Waldgebiet zwischen Suhl und dem Gebirgskamm umfassend. Jetzt redet das Volk schlechthin vom »Wald«, im Gegensatz zum flachen Lande. In den 1651 erschienenen deutschen Erläuterungen (die übrigens mit dem Text des in Amsterdam 1635 von Blaeuw herausgegebenen Atlas wörtlich übereinstimmen) zu der erwähnten Karte ([Abb. 3]) ist Thüringen in wenigen Sätzen gekennzeichnet: »Ist ein vberauß Fruchtbar Land vnd sonderlich an der Mänge vnd fürtrefflichkeit deß Getreyds allen andern in gantz Teutschland vberlegen, derowegen es denn Georgius Agricola nicht vnbillich deß Teutschlands Sumen oder Schmaltz zu nennen pflegt ... Also hat es auch an Obs vnd andern dergleichen Früchten fast durchauß keinen Mangel, jedoch gar nichts von Wein, als was man auß dem Land zu Francken, von dem Rheinstrom vnd von andern Orten dahin bringt: macht aber an statt desselbigen ein sehr gut vnd wolgeschmackt Bier, mit welchem der Durst nach lust und notturfft auch gelöschet werden kan. Der reichen Bergwercke von Gold vnd Silber vnd grossen vorraths von Saltz zu geschweigen ... mit Wäldern ist es an vielen Orten fast gantz vberdeckt, welche allesampt allerley Wildbret in grosser menge von sich geben. Endlich hat es in diesem Land auch viel Kirchen vnd Clöster ... Die Inwohner aber deß Thüringerlands sind grimmige vnd harte Leute, so den Feind auch mit ihrem blossen Ansehen erschrecken, einer grossen länge, vnd stärcke, schwartzbraunen Farb vnd guten gestalt.«

Geologische Verhältnisse.

Wollen wir die Formen Thüringens ganz verstehen, so müssen wir sein erdgeschichtliches Werden verfolgen und die ganze Landschaft nur als ein Glied in der Gruppe der mitteldeutschen Gebirge betrachten. Der Untergrund besteht zunächst aus den Resten uralter Gebirge, deren Bildung zur Steinkohlenperiode vollendet war. Durch einen gewaltigen Druck aus Südost war ein großes von Südwest nach Nordost streichendes Faltengebirge entstanden, dessen Achsen noch im Frankenwalde und Erzgebirge sichtbar sind; man nennt dieses nordöstliche Streichen auch erzgebirgisches Streichen. Die Sättel dieses alten Gebirges wurden in der Zeit des Rotliegenden[*)] besonders im Nordwesten teils abgetragen und eingeebnet, die Thäler des untergetauchten Gebirges mit den Geröllen des Rotliegenden zugeschüttet. Zu gleicher Zeit erfolgten zahlreiche Eruptionen, die namentlich Porphyre und Melaphyre empordringen ließen. Das Gebirge sank unter den Meeresspiegel und wurde durch Brandung stark zerstört (abradiert). Diese Umwälzungen dauerten von der Triasperiode bis zur Jura- und Kreidezeit, bis endlich in der Tertiärzeit das Gebirge in erneuter Form wieder erstand. Vielfach kamen jetzt auch von Südwest wirkende Druckkräfte in Thätigkeit, die ein von Südost nach Nordwest gerichtetes Streichen, nach dem Böhmer Wald hercynisches Streichen genannt, veranlaßten. Hierdurch entstanden große Brüche und das Gebiet wurde in eine Anzahl einzelner Schollen zerteilt, die sich unabhängig voneinander bewegten, so daß sich entweder das Gebirge hob oder das Vorland senkte. Auf der fränkischen Seite trennen die Brüche das paläozoische Gebirge von der Trias, auf der Nordostseite verlaufen die Brüche in der Triaszone. In bedeutenden Schichtenbiegungen fallen Zechstein, Buntsandstein und Muschelkalk vom Gebirge ab und gehen in die flache Lagerung des thüringischen Vorlandes über. In der neueren Zeit sind dann Zechstein und Trias von den Höhen des Gebirges abgeschwemmt und dieses um etwa 1200 m erniedrigt worden. Trotzdem überragen dort noch zwei große Landschollen horstartig das gesunkene Land, die beiden Horste des Thüringerwaldes und des Harzes, die im Südwesten und Nordosten das Thüringische Becken begrenzen ([Abb. 4]). Im Südosten des Thüringerwaldes und des Frankenwaldes wurde die Brandungsfläche entblößt, so daß hier die alten Schiefer sichtbar sind. Im nordwestlichen Thüringerwald sind vielfach die weicheren Gesteine der Verwitterung anheimgefallen, der die Porphyre und Granite aber erfolgreich widerstanden. Der Wechsel von härteren und weicheren Gesteinen, aufgeschlossen durch die einschneidenden Thäler, bedingt hier die Mannigfaltigkeit der Landschaftsformen.

[*)] Am Schlusse des Buches ist eine Übersicht der wichtigsten geologischen Abteilungen gegeben.

Abb. 8. Schloßhof zu Merseburg.
(Nach einer Photographie von F. Herrfurth in Merseburg.)

III.

Thüringen bis zum X. Jahrhundert.