An der Mündung der Truse in die Werra liegt der Markt Frauenbreitungen, mit dem benachbarten Herrenbreitungen eine frühere Klostergründung. An der Mündung des Rosathals ist Wernshausen (1100 Einw.) erbaut. Ein freundliches Städtebild bietet Wasungen (2600 Einw.), urkundlich schon im IX. Jahrhundert erwähnt, der Mittelpunkt des seit dem XVII. Jahrhundert im Werrathale bestehenden Tabakbaues. Vom XI. bis XIII. Jahrhundert war hier die Hauptstadt der Grafen von Henneberg, die östlich über der Stadt eine Burg besaßen.

Zwischen den Thälern des Katzbachs und des Herpfbachs erhebt sich aus dem Muschelkalk die basaltische Große Geba, 751 m hoch, von deren Gipfelhaus sich eine Aussicht erschließt, die den Blick vom Kreuzberge der hohen Rhön noch an Schönheit übertrifft: den Thüringerwald von der Wartburg bis zum Fichtelgebirge, in dunkler Waldespracht breit hingelagert, westlich die Masse der Rhön und weiter nach Norden die hessischen Berge bis zum Meißner und dem Habichtswalde bei Cassel. Südlich des Herpfthals erhebt sich die Basaltkuppe des Hutsbergs (631 m) mit der von Buchen umrauschten Ruine des Henneberger Schlosses. Von dem Ansehen, das die drei Burgen Henneberg, Hutsberg und Landsberg als Schirmburgen einst beim Volke genossen, zeugt noch das aus ihren Namen zusammengestellte Sprichwort: »Henne hüt's Land!« Durch einen schmalen Sattel ist der Hutsberg verbunden mit dem Muschelkalkkegel des Neubergs (637 m). An der gegenüberliegenden Werraseite erhebt sich der Basaltkegel des Dolmar (740 m), dessen Rundsicht bis zum Fichtelgebirge reicht und die des Inselbergs übertrifft. Auf dem Gipfel, der auf preußischem Gebiete liegt, steht ein Häuschen. Der Nordhang ist mit Buchen bestanden, der Muschelkalk des Südhanges ist für Ackerzwecke urbar gemacht. Hier liegt das Dorf Kühndorf, schon im VIII. Jahrhundert urkundlich erwähnt und einst der Sitz einer Komturei des Johanniterordens.

Meiningen. Bauerbach. Grimmenthal.

Am Ausgang der schön bewaldeten Haßfurtschlucht erhebt sich aus einem Muschelkalkhügel die turm- und zinnengekrönte Burg Landsberg ([Abb. 131]), 1836–1840 als mittelalterliche Burg an Stelle der im Bauernkriege zerstörten Burg Landeswehr erbaut. Weiter südlich auf dem Bergrand westlich der Werra liegt die Ruine Habichtsburg. Umgeben von einem Kranze mit üppigen Gärten besetzter stufenförmiger Kalkberge liegt an der Werra Meiningen (12900 Einw.), die Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen ([Abb. 132]). Meiningen wurde als Dorf schon im VII. Jahrhundert genannt und 1008 vom Kaiser Heinrich II. zur Stadt erhoben; 1542 kam es an die Grafen von Henneberg und nach deren Aussterben 1583 an die Ernestinische Linie von Sachsen. In dem Ende des XVII. Jahrhunderts erbauten Schlosse befindet sich eine Bibliothek von 45000 Bänden und andere Sammlungen. Das Hoftheater ist durch seine Musteraufführungen weithin berühmt, der herzogliche englische Garten ist eine der schönsten Anlagen. Auf dem neuen Gottesacker ruhen der thüringische Märchendichter Bechstein, der Komponist Zöllner und der Alpenbeschreiber Schaubach. Westlich reichen die Landhäuser Meiningens fast bis zu dem auf der Muschelkalkhochfläche liegenden Dorfe Dreißigacker, von 1796–1843 Sitz einer Forstschule, die von Bechstein gegründet und aus Waltershausen hierher verlegt worden war.

Veßra. Hildburghausen.

Südlicher zwischen den Thälern des Sülzbachs und des Harlesbachs am Fuße des 569 m hohen Heiligen Berges liegt die Ruine Henneberg, einst die Stammburg der Henneberger, deren schöner Bau im Bauernkriege in Trümmer sank. Am Ostfuße des Heiligen Berges liegt das Dörfchen Bauerbach, berühmt durch Schillers Aufenthalt, der nach seiner Flucht aus Stuttgart auf dem Gute der Frau von Wolzogen unter dem Namen »Dr. Ritter« vom Dezember 1782 bis zum 20. Juli 1783 ein gastliches Obdach fand ([Abb. 133]). An der Haselmündung ist Grimmenthal Kreuzungspunkt der Werrabahn mit der Linie Ritschenhausen-Erfurt. Früher war Grimmenthal ein von jährlich 40000 Pilgern besuchter Wallfahrtsort, damals noch Grünthal geheißen. Oberhalb der Felsenge des Nadelöhrs bei Henfstädt, wo beim Bau der Eisenbahn dem Flusse ein neues Bett angewiesen wurde, schaut die Ruine Osterburg herab, in der Nähe des benachbarten meiningischen Städtchens Themar (2000 Einw.) Zwischen Hasel und Schleuse ragt der gesteinsbunte schon oben erwähnte Kleine Thüringerwald empor, im Schneeberg bis 687 m hoch ansteigend. An der Mündung der Schleuse in die Werra erhebt sich das Kloster Veßra (Vescera), dessen Namen früher das ganze Schleusethal führte, heute ein preußisches Kammergut. Gegründet wurde es 1130 und mit Prämonstratensern besetzt, die schöne Klosterkirche wird leider als Scheune benützt; sie war vor dem Bau der Egidienkapelle an der Schleusingischen Johanniskirche die Totengruft der Hennebergischen Grafen. Hildburghausen (6900 Einw.), ehemals Residenz, ist eine freundlich gelegene betriebsame Stadt an der Werra ([Abb. 134]), die urkundlich zuerst im XIII. Jahrhundert genannt wurde. Hildburghausen liegt 372 m hoch, Eisfeld 430 m, die Werraquelle am Saarberge bei Siegmundsburg 708 m, so daß der obere Flußteil ein ziemlich kräftiges Gefälle hat. Obwohl die Werra besonders von der rechten Seite viele wasserreiche Zuflüsse empfängt, ist sie doch innerhalb der Grenzen Thüringens nicht schiffbar, weil die Wassermassen dafür nicht ausreichen, obwohl es an Versuchen zur Schiffbarmachung schon vom XIII. Jahrhundert an nicht gefehlt hat. Geologisch belangreich sind die Tierfährten auf Platten des Buntsandsteins bei Heßberg unweit Hildburghausen. Es sind dies eigentümliche Fußstapfen, die mit dem Abdruck einer Hand Ähnlichkeit haben und von Froschsauriern (Chirotherium = Handtier) herrühren. Schöne Sammelstücke befinden sich in Hildburghausen und im Kloster Banz bei Lichtenfels.

Abb. 137. Schloß Rosenau.
(Nach einer Photographie von Sophus Williams in Berlin.)

Gleichberge. Römhild.

Zwischen Springbach und dem oberen Milzthale, das in weitem Halbkreise die Bergmasse umschlingt, erheben sich die beiden Gleichberge (641 und 678 m hoch). Ihre schön bewaldeten aus der Keuperumgebung aufragenden Basaltgipfel sind im Gelände zwischen Thüringerwald und Rhön weit hinaus sichtbar. Auf einem Seitenvorsprung des Großen Gleichbergs (auch Bärenburg geheißen) befinden sich geschichtete Steinwälle, Altenburg genannt, die wahrscheinlich nur ein umwalltes Viehgehege darstellten, das frühestens aus dem VI. Jahrhundert stammt. Auf dem Kleinen auch Steinsburg genannten Gleichberge befindet sich eine gut durchdachte und kriegsmäßig ausgeführte Festungsanlage der La Tène-Periode (vorrömischen Eisenperiode), die mit ihrem dreifachen Steinwallgürtel alle übrigen vorhistorischen Befestigungen auf deutschen Berghöhen weit übertrifft. Drei starke Quellen, von denen jetzt zwei nach ihrer Verschüttung erst weiter unten zu Tage treten, waren in das Bereich der Umwallungen eingezogen. Westlich der Gleichberge liegt am Ufer der Spring das zuerst im IX. Jahrhundert erwähnte freundliche Ackerstädtchen Römhild (1700 Einw.), ehemals die Residenz der gefürsteten Grafschaft Henneberg-Römhild. Die im XV. Jahrhundert erbaute Stiftskirche beherbergt zahlreiche Stein- und Erzbilder der hennebergischen Grafen und schöne Sarkophage vom berühmten Nürnberger Bildhauer und Erzgießer Peter Vischer. Von der aus dem XII. Jahrhundert stammenden Feste Hartenburg ist nur noch Wall und Graben übriggeblieben. In dem am Südfuße des Großen Gleichbergs gelegenen Flecken Gleicherwiesen sind ein Drittel der Bevölkerung Juden, etwa ein Fünftel im Flecken Bibra südlich von Meiningen und in den Dörfern Bauerbach und Berkach, was an hessische Verhältnisse erinnert.