206.
EInes Tages wurde ein junger Geck, Desdar Oglu mit Namen, von einem reichen Manne zu Tische geladen. Es wurde aber weder Pilaf, noch Fleisch aufgetragen, sondern nur eine Suppe, bei der man mit dem Reis sehr sparsam umgegangen war; und der Geck fragte recht unschicklich: »Was für eine Suppe ist das?«
Darauf antwortete ihm einer: »Der Herr pflegt wohl häufig auf die Jagd zu gehn? Hunde hat er ja genug.«
»Freilich,« antwortete Desdar Oglu, »ich habe mehr als ich brauchte: der eine jagt das Rebhuhn, der andere die Wachtel, ein dritter das Haselhuhn.«
Und der Schalk sagte weiter: »Da fehlt dir noch immer einer.« »Welcher?« »Einer, der in dieser Suppe Reis aufspüren würde.«
207.
DEr Hodscha kam heim und sagte zu seiner Frau: »Koch uns heute einen Pilaf, damit wir uns wohl gesättigt schlafen legen können; heute fühle ich mich einmal frei von aller Traurigkeit.«
Die Frau kochte den Pilaf; sie aßen ihn und gingen zu Bette. Kaum lagen sie aber, als an die Tür gepocht wurde. Der Hodscha sagte zu seiner Frau: »Geh, sieh nach, wer es ist.«
Die Frau ging zur Tür und sagte: »Wer ist da?«
»Meine Eselin hat geworfen,« sagte ein Nachbar; »aber das Junge hat weder Schwanz noch Ohren.«