»Sowahr mir Gott helfe,« antwortete Nasreddin, »gestern hat hier ein Kampf stattgefunden: der Rote Prinz hat die Weiße Burg gestürmt. Als der Kampf am hitzigsten war, bemächtigte sich der Streitenden ein jäher Schrecken, und ich raffte die Beute auf, die auf dem Schlachtfelde verblieben war.«

Aus diesen Worten begriff der Kadi leicht, worum es sich handelte; er änderte seine Haltung und sagte zum Hodscha: »Da es deine Beute ist, ist es billig, daß du sie behältst; vielleicht muß sie sogar noch vergrößert werden, damit du, wenn man dich fragt: ›Hast du das Kamel gesehn?‹, antwortest: ›Es muß samt seinem Füllen verzehrt worden sein; ich habe weder das Kamel, noch das Füllen gesehn.‹«

Der Hodscha erwiderte: »Wenn das so sein soll, so gib mir den Preis des Kamels, damit sich unser Mund so schließe, daß ihm auch nicht ein Wörtchen entfällt.«

Sowohl um den Wunsch des Hodschas zu erfüllen, als auch der eigenen Ruhe halber reichte ihm der Kadi zwanzig Goldstücke, indem er ihm noch einmal ans Herz legte, ja nichts verlauten zu lassen. Und der Hodscha antwortete: »Wie sollte denn etwas bekannt werden? Alles bleibt unter uns, besonders wenn du mir statt des Kamelfüllens das Maultier geben willst; das ist dann alles, was ich von dir haben will.«

»Einverstanden,« sagte der Kadi, und er erteilte seinen Dienern die entsprechenden Aufträge. Die Diener führten dem Hodscha das Maultier vor und boten es ihm an; alsbald verabschiedete er sich von dem Kadi, stieg in den Sattel und ritt heim.

Von nun an trug er stets die Kleider, den Mantel und den Turban des Kadis und ritt stets das Maultier; außerdem hat er, nach dem, was erzählt wird, das Geheimnis keinem Menschen mitgeteilt.

237.

MAn erzählt, daß der Hodscha einmal ein Kalb hatte; einen Tag tränkte und fütterte es seine Frau, am andern Tage er, an wen eben die Reihe kam. Nun wurde an einem Tage, wo es an der Frau war, diese Verrichtungen zu besorgen, ihnen gegenüber eine Hochzeit gefeiert, wozu man die Frau eingeladen hatte; da sagte sie zu ihrem Manne: »Wie werden wir es diesmal halten?«

Er antwortete: »Wir wollen ein Übereinkommen treffen: wer von uns zuerst ein Wort spricht, muß dem Kalbe zu trinken und zu fressen geben.«

»Einverstanden,« antwortete sie.