115.

DEm Hodscha wollte einmal seine Frau einen Possen spielen und brachte die Suppe zu heiß auf den Tisch. Zufällig vergaß sie es aber und nahm selber einen Löffel davon und verbrannte sich den Schlund, so daß ihr die Tränen in die Augen kamen.

Der Hodscha sagte: »Was hast du Weib? ist die Suppe vielleicht zu heiß?«

»Ach nein, Effendi,« erwiderte sie, »aber mein verstorbener Vater hat so gern Suppe gegessen, und das ist mir eben eingefallen; und da habe ich weinen müssen.«

Der Hodscha, der ihr glaubte, nahm einen Löffel Suppe; er verbrannte sich den Schlund und begann zu weinen. Und seine Frau sagte: »Was hast du denn?«

Er antwortete: »Ich bin bekümmert, daß deine verfluchte Mutter dich nicht mitgenommen hat, als sie gestorben ist.«

116.

DIe Frau des Hodschas ging einmal eine Predigt hören. Als sie nach Hause kam, fragte er sie, was der Prediger gesagt habe, und sie antwortete: »Wenn einer seine eheliche Pflicht mit der Gattin erfüllt, so baut ihm der Allerhöchste einen Kiosk im Paradiese; und das tut er allen.«

Augenblicklich sagte der Hodscha: »Komm, wir wollen uns einen Kiosk im Paradiese bauen.«

Sie taten sich zusammen; aber einen Augenblick später sagte die Frau zu ihm: »Für dich hast du jetzt einen Kiosk gebaut; jetzt bau auch mir einen.«