NAch dem, was man erzählt, war einmal ein Kadi in trunkenem Zustande, als der Sultan Mehemed-Chan von ungefähr bei ihm eintrat. Und der Sultan sagte zum Kadi: »Fürchtest du nicht Gott und hast du keine Scheu vor dem Propheten? Ist es denn möglich, daß ein gelehrter Mann und Kadi seinen weißen Bart also mit Wein besudelt?«
»Padischah,« antwortete der Kadi, »wenn meine dürren Hände nicht zitterten, hätte mein Bart nicht einen Tropfen von meinem Weine bekommen.«
Der Padischah fand an dieser Antwort des Kadis ein solches Vergnügen, daß er ihm eine große Gnade erwies.
187.
ZU der Zeit, wo Harun al Raschid Chalif war, gab sich einer für einen Propheten aus. Harun ließ seine Ärzte rufen und sagte zu ihnen: »Fühlt ihm den Puls; wir werden sehn, woher das kommt.«
Die Ärzte fühlten ihm den Puls und untersuchten ihn; dann sagten sie: »Er hat Dinge gegessen, die ihm zu Kopf gestiegen sind und ihm den Verstand verwirrt haben.«
Harun sagte: »Man bringe ihm vierzig Tage lang leichte Gerichte aus meiner Küche; wenn es dem Allmächtigen gefällt, wird das eine Änderung und einen Wechsel in seinem Wesen herbeiführen.«
So wurde also der angebliche Prophet vierzig Tage lang genährt; und als sie abgelaufen waren, wurde er dem Chalifen von neuem vorgeführt. Der Chalif fragte ihn: »Bist du noch immer ein Prophet?«
Er antwortete: »O Harun, nach den Herrlichkeiten, womit du mich überhäuft hast, erhebe ich keinen Anspruch mehr, ein Prophet zu sein, sondern ein Gott.«
188.