Klein Toni wurde ganz rot, sie senkte das Köpfchen und sagte leise: „Ich möchte gern nicht zornig sein – aber es kommt immer ganz von selbst.“

Die Tante lächelte: „Ja, so geht's gewöhnlich. Sieh, die andern meinen's doch auch nicht böse und sie wollen dich gewiß nicht kränken. Das Necken kommt bei ihnen auch ganz von selbst.“

Das Kind sah erst überrascht und dann nachdenklich aus, und als die Tante fragte: „Willst du nun versuchen, kleine Neckereien zu ertragen, ohne zornig zu werden?“ da nickte es mit dem Köpfchen und sagte ernsthaft: „Ja, ich will's versuchen.“

Die Tante erschrak beinahe ein bißchen, als sie in diese Kinderaugen blickte, aus denen ein so fester und ernster Entschluß leuchtete:

„Aber nun muß mein Tonichen wieder ein frohes Gesichtchen machen und lachen. Komm, wir wollen jetzt Mariechen und die andern Kinder aufsuchen gehen!“

Sie nahm ihr Patenkindchen bei der Hand und führte es in den Garten. Dort rief sie die Kinder alle zusammen und sagte:

„Hört einmal, was ich mir ausgedacht habe! Des Vormittags, während ihr in der Schule seid, werde ich der Mutter hier im Hause und bei den ganz Kleinen helfen; aber des Nachmittags gehöre ich euch. Wenn ihr Zeit habt und das Wetter ist schön, dann werden wir auch Spaziergänge zusammen machen.“

„Hurra, Tante Toni!“ und „Tante, du bist einfach famos!“ so jubelten die Kinder, vor Freude in die Hände klatschend.

Der blondlockige Rudi aber fragte eifrig: „Und wirst du uns auch Geschichten erzählen, Tante Toni?“

„Gewiß, Rudi, herzlich gern. Du hörst also gern Geschichten?“