„Gewiß; aber um so eher kann es mittelmäßigen Spielern passieren, und zu denen rechnest du Otto und mich ja doch!“

„Aber keine Spur von einer Latern'! Zu den schlechten Spielern rechne ich euch, zu den ganz schlechten! Ihr spielt geradezu miserabel – wie soll man denn eine Partie gewinnen mit solchen Partnern? Da ist ja nicht daran zu denken – das ist überhaupt gar kein Spiel mehr!“

„Das finde ich auch“, versetzte Tante Toni, die dem Streite bisher schweigend zugehört hatte. „Sag' mal, lieber Paul, weshalb spielen wir denn eigentlich Krocket?“

„Nun, um zu gewinnen; das ist doch selbstverständlich!“

„Doch nicht so ganz. Der Hauptzweck ist doch der: wir wollen uns unterhalten und uns am Spiel erfreuen, indem jeder danach trachtet, den andern an Geschicklichkeit zu überbieten, aber in aller Freundschaft; und wenn man eine Dummheit oder eine Ungeschicklichkeit begeht, dann lacht man sich gegenseitig ein wenig aus – wieder in aller Freundschaft. Es kann ja natürlich nur eine Partei gewinnen – wenn aber dann die Verlierenden sich jedesmal gebärden, wie wenn ihnen ein Unglück widerführe oder ein Unrecht geschähe – ja, dann hört eben aller Spaß auf und man kann das kein Spiel mehr nennen. Nun, was meinst du dazu, Paul?“

„Ja, Tante Toni, du hast eigentlich recht. Wenn's einem aber egal ist, ob man gewinnt oder nicht, dann gibt man sich auch keine Mühe, und das Spiel ist gar nicht interessant.“

„So habe ich's aber auch nicht gemeint. Es soll einem gewiß nicht egal sein, und jeder muß sich natürlich die größte Mühe geben, um zu gewinnen. Das Gewinnen soll nur nicht der Haupt- und alleinige Zweck des Spieles sein. – So, ich glaube, ich bin nun an der Reihe, und wirklich, Paul, ich werde mich tüchtig anstrengen, um einen Meisterschlag zu vollführen!“

„Bravo, Tante Toni! Das hast du gut gemacht, du hast Ottos Kugel getroffen – hinaus mit ihr, so weit du kannst!“

„Ich will sie lieber liegen lassen und benützen, um durch die Schelle zu kommen; sie liegt doch hinter ihrem Reifen.“

Als Tante Toni sich umdrehte, sah sie gerade, wie Lilly mit dem Füßchen ihre Kugel ein wenig vorschob, so daß sie für den nächsten Schlag in eine günstigere Lage kam. Sie sagte nichts, sie schaute nur Lilly ernst an. Diese wurde ein bißchen rot und tat, als ob sie bloß ein Steinchen unter ihrer Kugel entfernt hätte.