Nachdem nun Kurt gespielt hatte, kam Philipp an die Reihe; er gab seiner Kugel einen kräftigen Schlag, so daß sie durch ihren Reifen flog und in Lillys Nähe zu liegen kam; als Kurt sich nun anschickte, Lillys Kugel zu treffen, schrie diese ihn an:

„Du, das gibt's nicht! Philipp, du hast gepfuscht; deine Kugel lag vorhin so, daß du gar nicht durch deinen Reifen kommen konntest!“

„Sag' noch einmal, ich hätte gepfuscht, du kleine Kröte!“ ereiferte sich Philipp.

„Du hast gepfuscht – gepfuscht – gepfuscht!“ schrie Lilly.

„Impertinente kleine Person!“ Philipp war rot vor Ärger, und er hätte seine kleine Cousine gewiß etwas unsanft angefaßt, wenn Tante Toni nicht dazwischengetreten wäre.

„Lilly, schau mich mal an, und dann sage mir ehrlich: Hast du gesehen, daß Philipp gepfuscht hat?“

Lilly wurde verlegen. „Nein, gesehen hab' ich es nicht – aber vorhin lag seine Kugel anders, und da ...!“

„O, da kann man sich so leicht täuschen! Sieh, mir kommt es vor, als hätte deine Kugel vorhin auch anders gelegen.“

Lilly senkte die Augen vor dem klaren, durchdringenden Blick der Tante; sie wurde so verlegen, daß Tante Toni Mitleid mit ihr hatte und Philipp einen Wink gab, den der gutmütige Junge auch verstand, worauf er weiterspielte, als ob nichts geschehen wäre, und er behandelte Lillys Kugel so glimpflich, daß dieselbe ganz in der Nähe ihres Reifens liegen blieb.

Das Spiel nahm nun einen ganz friedlichen Verlauf, es wurde sogar lustig, weil Tante Toni nachdem sie wieder einmal einen Meisterschlag versprochen hatte, glänzend am Ziele vorbeischoß, worüber sie selbst in lustiges Lachen ausbrach; die Kinder stimmten von Herzen ein, und von diesem Augenblicke an wurde über jeden ungeschickten Schlag gelacht und nicht mehr gezankt.