Tante Toni seufzte und ging eine Weile schweigend neben Mariechen her. Endlich sagte sie: „Wir wollen unsere Hoffnung auf Ottos erste heilige Kommunion bauen, und wir wollen recht eifrig für ihn beten, liebes Mariechen. Otto und Lilly waren doch so liebe, herzige Kinder, als sie noch klein waren – und sie haben auch einen so vorzüglichen Vater!“

„O ja, Tante Toni! Sie hängen aber auch beide sehr an ihrem Vater, und wenn Onkel Robert dabei ist, dann sind sie einfach musterhaft. Ach, es ist recht schade, daß er immer so viel zu tun hat!“

In diesem Augenblick kam Anna herbeigesprungen: „Tante Toni und Mieze, wo bleibt ihr denn? Schnell kommt Kaffee trinken, sonst kriegt ihr nichts mehr; denn der arme Otto hat von seinem Sturze einen wahren Heißhunger davongetragen. Er hat schon verschiedene Rosenbrötchen, zwei Stücke Kuchen und drei Bretzeln verschlungen!“


Drittes Kapitel.
Was die Kinder werden wollen.

Als Tante Toni und Mariechen ins Haus kamen, fanden sie wirklich die ganze Gesellschaft um den Kaffeetisch versammelt. Otto machte noch ein etwas leidendes Gesicht, aber die Besorgnisse seiner Tanten verflogen doch gänzlich, als sie sahen, mit welchem Behagen er in seine Bretzel biß.

„Wenigstens die fünfte!“ flüsterte Anna dem Mariechen zu.

„Ei, da ist ja auch Leo!“ rief Tante Toni erfreut aus, als sie den kleinen, dicken Burschen auf einem hohen Kinderstühlchen am Tisch sitzen sah.

„Ja, ich darf heut' mit den Großen Kaffee trinken, damit du auch eine Freude hast“, erklärte der Kleine mit überzeugtem Tone, und wichtig fügte er hinzu: „Tante, das Minnichen kann schon beinah' ‚Toni‘ sagen; es macht schon: ‚Mieh – Mieh‘!“