„O Tante, wart's mal ab! Du wirst sehen, daß wir nichts davon heimbringen werden.“
„Und dem Philipp kannst du ein bißchen auf die Finger sehen, Tante; der hat immer schon eine halbe Stunde nach dem Mittagessen wieder Hunger, und er könnte ...“
„O, sei ruhig, Rudi“, lachte Mariechen, „ich habe den Rucksack gut und fest zugebunden; er kriegt ihn so leicht nicht auf!“
„Also, nun vorwärts, Kinder!“ mahnte Tante Toni. Als sie aber bemerkte, daß Paul auf die andere Seite der Straße hinüberging, fragte sie verwundert: „Warum gehst du so abseits, Paul? Warum bleibst du nicht bei uns?“
„Ach, Tante, die Leute schauen uns so an und lachen, weil wir so viele sind!“
„Ei, das tut doch nichts! Die Leute sind von früher daran gewöhnt. Sieh, der alte Uhrmacher Müller, wie er dort vor seiner Türe steht und mit dem ganzen Gesicht lacht! Wie oft hat er vor Jahren euern Großvater mit seinen zehn Kindern hier vorbeikommen sehen! Ja, es war immer die größte Freude meines lieben Vaters, wenn keines seiner Kinder beim Spaziergang fehlte.“
„Tante Toni, ich möchte, der Großpapa und du, ihr zöget wieder hierher; das wäre doch schön! Möchtest du es nicht?“
„Ich möchte es wohl ganz gern; denn hier bin ich geboren, hier habe ich meine Kindheit und meine erste Jugend verbracht. Anderseits täte es mir aber auch wieder leid, von Walden wegzugehen; dort ist eure liebe Großmama gestorben; dort wohnen drei meiner Geschwister; dort haben wir ein zweites, liebes Heim gefunden.“
„Gibt es in Walden auch so schöne Spaziergänge wie hier, Tante?“
„Es gibt dort wohl auch schöne Spaziergänge, aber doch nicht so mannigfaltig wie hier; auch muß man erst ein gut Stück über staubige Landstraßen gehen, ehe man an schöne Punkte oder schattige Wege kommt. Hier dagegen stößt dies herrliche kleine Tal gleich an die Stadt, es führt nicht nur zum Fasanenwald, sondern noch zu verschiedenen andern, wirklich schönen Aussichtspunkten. Bleibt doch einmal stehen, Kinder, und schaut euch von hier aus die Klosterruine dort drüben über dem See an. Die Bäume da bilden den Rahmen, im Vordergrund seht ihr die saftig grüne Wiese, dahinter die Ruine auf ihrer kleinen Insel, zwischen Baumgruppen hervorlugend – könnt ihr euch ein schöneres Bild denken? Aber ihr seid so an diesen Anblick gewöhnt, daß ihr achtlos daran vorbeigeht!“