„Ach nein, Tante, das Spiel ist mir ein bißchen zu wild, und man verdirbt sich die Kleider dabei.“
Tante Toni lächelte.
„Allerdings, Mariechen, es wäre schade um dein hübsches Kleid; du hast dich für die Gelegenheit ein bißchen zu fein gemacht.“
Mariechen errötete und nestelte verlegen an ihrem Arbeitstäschchen herum. Auch Tante Toni hatte eine Handarbeit mitgebracht, und die beiden ließen sich eben auf einer aus rohen Baumstämmen gezimmerten Bank nieder, als Philipp noch einmal zurückkam, um ihnen anzuempfehlen: „Gebt gut auf die Rucksäcke acht!“
Tante Toni und Mariechen versprachen es beide lachend. Nach einiger Zeit sagte letztere etwas ängstlich: „Wenn es nur ohne Streit abgeht!“
Tante Toni meinte: „Wenn so viele Kinder von verschiedenem Alter und von so verschiedenen Charakteren beieinander sind, gibt es gar leicht kleine Zänkereien; man darf diese nicht zu schwer nehmen, und man muß vor allem sorgen, daß sie nicht ausarten. Übrigens habe ich mich eben recht über Lilly gefreut, weil sie sich so nett der kleinen Toni angenommen hat.“
„Mit Tonichen ist Lilly überhaupt fast immer lieb und nett, und wenn sie es zuweilen durch Neckereien zum Zorn gebracht hat, dann tut es ihr hernach immer sehr leid.“
„O, das freut mich!“ rief Tante Toni aus. „Ja, das freut mich sehr. Ich kann dir nicht sagen, wie weh es mir tut, daß ich bisher noch gar keinen liebenswürdigen Zug in Lillys Charakter finden konnte. Du hast mir neulich auch gesagt, daß Otto und Lilly sehr an ihrem Vater hängen.“
„Ja, Tante; ich habe bei Lilly schon manchmal etwas erreicht mit der Vorstellung: es würde deinen Vater freuen, oder: es würde ihm leid tun.“
„Glaubst du zum Beispiel, daß Lilly imstande wäre, ihrem Vater zuliebe ein wirkliches Opfer zu bringen?“