„Ja, ja, ein Pfänderspiel, und Tante Toni spielt mit!“ riefen die Kinder. Bald war das Spiel, unter Tante Tonis Leitung, im Gang. Da gab es wieder viel zu lachen, besonders wenn der Mitspieler, der ein Pfand geben sollte, verlegen in seinen Taschen herumkramte und gar nichts Passendes finden konnte, sondern manchmal recht drollige Sachen zum Vorschein brachte. Mariechen zum Beispiel fand in ihrer Tasche nichts als ein Taschentuch, einen Rosenkranz und einen kleinen Spiegel; diesen letzteren reichte sie errötend als Pfand hin, wobei sich Anna laut und anhaltend räusperte, bis Mariechen etwas ärgerlich ausrief: „Gib dich zufrieden, Anna, alle haben's gesehen und bemerkt!“
Als Kurt an die Reihe kam, fuhr er in alle seine Taschen, suchte und suchte voll Hast – aber ohne Erfolg, bis er schließlich doch einen kleinen Gegenstand hervorbrachte, und zwar ein Schnurrbartbürstchen.
„Nun, du sorgst zeitig vor!“ lachte Tante Toni; auch die andern lachten, nur Philipp fragte mit dem ernsthaftesten Gesicht der Welt: „Kurt, wann hast du dich denn zum letztenmal rasieren lassen?“
Als dann an ihn selbst die Reihe kam, ein Pfand zu geben, da fand er nichts als Brotkrumen, Obstkerne und einige sonderbar geformte Eisenstückchen.
„Aha“, höhnte Kurt, „das sind wohl die Bestandteile deiner neuesten Erfindung!“
Lilly förderte ein Puppenhöschen zutage, welches sie aus Versehen anstatt eines Taschentuches eingesteckt hatte, und Anna überreichte mit einigem Widerstreben einen Kreisel, bei dessen Anblick Paul ausrief: „Der gehört ja überhaupt mir!“
„Ach, du spielst ja doch nie damit, du hast ihn einfach verloren und ich hab' ihn gefunden; jetzt kannst du ihn mir auch lassen.“
„So, so, verloren hab' ich ihn? Ich möcht' nur wissen, wo; wahrscheinlich in meiner Schublade oder in einer meiner Taschen, da gehst du ja doch immer suchen, wenn du etwas finden möchtest. Ja, Fräulein Änne, deine Manier, dir allerhand zusammenzufinden, die kenn' ich schon. Nächstens komme ich einmal bei dir wiederfinden.“
„O je, Kurt, da wirst du nicht viel kriegen! Du weißt doch, daß die Änne immer gleich wieder alles herschenkt, was sie hat.“
„Ach, geh' doch, Rudi!“ wehrte Anna ab.