„O bitte, bitte, laß mich doch hier!“
„Mich auch, bitte, liebe Tante!“
„Nun ja, wenn ihr versprecht, euch ganz still zu verhalten, dann dürft ihr hierbleiben.“
Minnichen hatte inzwischen verwundert und etwas ängstlich von einem zum andern gesehen; sie hatte wohl begriffen, daß man etwas mit ihr vorhabe, konnte sich aber nicht denken, was. Als nun aber die Türe aufging und die Mutter gefolgt vom Hausarzt eintrat, da hellte sich ihr Gesichtchen auf, und sie schrie: „Dag, Dokedok! Sung raus?“ Und ohne erst die Antwort abzuwarten, riß sie das Mäulchen auf und streckte ihr rosiges Züngelchen heraus, soweit sie nur konnte.
„Na, das ist aber mal ein braves Kind!“ rief der Doktor lachend. „Und solch ein schönes, rotes Zünglein hat's. Nein, krank sind wir nicht, Fräulein Minnichen, nicht wahr?“
„Doch, doch, Minnisen tank is – wehweh hier – wehweh da“, versicherte die Kleine ernsthaft, während sie an Ärmchen und Beinchen suchte, ob sie nicht irgendein rotes Fleckchen fände; als sie aber keines entdecken konnte, drückte sie die Hände aufs Brüstchen und klagte mit wehleidigem Gesichtchen: „Minnisen weh Bäuselsen.“
„Nun, da wollen wir mal das kranke Bäuchelchen untersuchen“, sagte der Doktor. Er machte der Tante ein Zeichen, und diese begann die Kleine auszukleiden, bis die dicken, nackten Ärmchen herauskamen.
„Hat Minnichen da auch Weh?“ fragte Tante Toni, aufs Ärmchen deutend.
„Ja, ja“, nickte das Kind eifrig. „Dokedok sund mach, Lästersen dauftun.“
„So, so, ein Pflästerchen möchtest du für dies nette, runde Speckärmchen haben? Na, komm, laß einmal sehen.“