„Was gibt es denn, fehlt Tonichen etwas?“ fragte sie besorgt. „Hat der Doktor etwas gefunden?“

„Nein, er hat nichts gefunden; Lunge, Herz, alles ist gesund, und doch ist unser guter alter Doktor nicht ohne ernste Besorgnisse; denn das Kind entwickelt sich nicht, im Gegenteil, es nimmt sichtlich ab.“

In diesem Augenblick kam Lilly ins Zimmer gestürmt. „Tante Maria, darf ich heute bei dir zu Mittag essen?“ rief sie. „Otto ist zu Tante Luise gegangen; denn Papa ist fort, und unser Fräulein hat so arges Kopfweh.“

„Gewiß darfst du hier essen, Lilly. Wo ist Papa denn hin? Er hat gestern gar nicht davon gesprochen, daß er heute verreisen müsse.“

„Er hat's gestern ja selbst noch nicht gewußt, und er kommt diesen Abend auch schon zurück.“

„Willst du denn einstweilen in den Garten gehen? Du wirst wahrscheinlich Anna dort finden.“

Lilly ging zur Türe, dort blieb sie aber zögernd stehen; sie blickte unschlüssig auf ihre beiden Tanten; man sah ihr an, sie hätte gerne noch etwas gesagt, sie getraute sich aber nicht recht.

Tante Toni sah ihre Nichte aufmerksam an; auch Frau Wulff bemerkte des Kindes Zögern. „Lilly, was hast du denn?“ fragte sie in freundlichem, aufmunterndem Ton.

Jetzt ließ aber Lilly den Kopf auf die Brust sinken, und sie fing an zu weinen. Da nahm Tante Maria sie auf den Schoß, sie strich ihr die Haare aus dem Gesichte, trocknete ihr die Tränen, und dann sagte sie: „So, mein liebes Kind, nun erzähl uns, was dich drückt.“

Aber Lilly weinte nur um so mehr – endlich stammelte sie: „Ach, der Papa – ich hab' solche Angst um den Papa!“