In diesem Augenblick stürzte Anna zur Türe herein und rief: „Tante, du sollst schnell runterkommen; der Onkel Robert ist da mit Otto und Lilly, und eben kommt auch Onkel Albert Helmer mit dem Rudi!“
Leo und Minnichen sahen die Tante nur ungern scheiden, und es hätte wohl Tränen gegeben, wenn diese nicht versprochen hätte: „Ich komme heute abend nochmal zu euch – ich komme euch waschen und ins Bettchen legen!“
„Ja, o ja, Tante, tue es, das ist schön!“ jubelte Leo in die Hände klatschend.
„Sön“, echote Minnichen, und es patschte fest seine kleinen, dicken Händchen gegeneinander.
„Hast du's gehört, Tante? Es hat eben ‚sön‘ gesagt, es kann schon wieder ein neues Wort!“ rief der kleine Lehrmeister der davoneilenden Tante nach.
Nachdem Tante Toni ihren Bruder und ihren Schwager begrüßt hatte, wendete sie sich an die neun anwesenden Kinder und sagte lachend:
„Ihr seid aber alle so groß geworden in diesen zwei Jahren – ich weiß gar nicht, ob ich euch noch auseinander kenne! Kommt, stellt euch doch mal dem Alter nach in eine Reihe, damit ich sehe, ob ich noch alle nennen kann!“
Die Kinder gehorchten lachend. Die immer lustige Anna rief aber:
„Nimm dich in acht, Tante Toni; wenn du den Namen von einem von uns vergessen hast oder gar eines mit dem andern verwechselst, so ist das eine schreckliche Beleidigung.“
„Nun, ich werde mich schon zusammennehmen. Bei dir hat's jedenfalls keine Gefahr, mein Ännchen; dein Spitzbubengesichtchen verwechselt man nicht leicht mit einem andern. Aber nun angefangen! Also hier zuerst Mariechen Helmer; du bist jetzt vierzehn Jahre alt. Von dir hab' ich schon Gutes und Liebes gehört, wie vernünftig du bist und wie du versuchst, deinem Mütterchen zu helfen.“