Und Tante Toni drückte einen herzlichen Kuß auf die Stirne des errötenden Mariechens.

„Und nun kommen wir zu den Wulffschen Zwillingen Kurt und Paul. Die haben sich gestreckt. Gib acht, Mariechen, deine Vettern wachsen dir bald über den Kopf.“

„Ich auch, Tante Toni; ich bin fast so groß wie unsere Mieze!“

„Ja du, bist du denn wirklich der Philipp Helmer? Dich hätte ich wirklich beinahe nicht mehr erkannt. Jetzt darf man dich nicht mehr ‚Dickerchen‘ nennen, so groß und schlank bist du geworden! Du und die Zwillinge, ihr seid wohl jetzt dreizehn Jahre alt.“

„Und ich, Tante Toni, wie alt bin ich?“ rief Anna Wulff, ihre für ihr Alter etwas zu kleine Gestalt nach Kräften in die Höhe reckend.

„Ja du, Ännchen, laß dich mal betrachten“, und Tante Toni drehte Ännchen hin und her, besah sie überlegend von allen Seiten; endlich sagte sie: „Ei, Ännchen, was machst du für Sachen! Du hast wohl seit einiger Zeit so viel tolle Streiche im Kopf, daß du ganz vergessen hast zu wachsen. Du siehst aus, als wärest du nicht viel über zehn Jahre!“

„Ich bin aber zwölf“, sagte Anna, ein bißchen schmollend.

„Ich bin noch nicht elf und bin so groß wie sie!“ rief Otto Mehring, der neben seinem um ein Jahr jüngeren Schwesterchen Lilly stand.

„Ja, und du darfst in diesem Jahre zur ersten heiligen Kommunion gehen, wenn ich nicht irre.“ Tante Toni strich ihm leicht die Haare aus der Stirne. Mit ganz besonders liebevollem Blick schaute sie Otto und Lilly, die beiden Kinder ihres Bruders Robert, an, ganz besonders innig drückte sie diese beiden ans Herz – sie hatten ja keine Mutter mehr, die armen Kinderchen.

Als letzte in der Reihe standen noch der achtjährige Rudi Helmer mit seinem blonden Lockenkopf und den treuherzigen blauen Augen und die siebenjährige Toni, die neben diesem ihrem kräftigen, rotwangigen Vetterchen noch zarter und blasser aussah wie sonst.