„Du mußt rötere Bäckchen bekommen, mein Patenkindchen, und du darfst nicht gar so ernsthaft dreinschauen“, sagte Tante Toni leise.
Aber Tonis Mutter hatte es doch gehört, und sie erklärte mit einem besorgten Blicke auf ihr kleines Töchterchen:
„Das Kind leidet noch immer unter den Folgen des Scharlachfiebers. Die andern wissen schon lange nichts mehr davon, nur Toni hat sich nie so recht davon erholt.“
Nun trennte sich Tante Toni von den Kindern, denn sie mußte sich zu den Großen setzen, um ihnen vom Großpapa und von seiner Reise zu Onkel Karl und Tante Klara zu erzählen.
Klein Toni war aber der Tante nachgegangen; erst stellte sie sich ganz still neben ihren Sessel, allmählich rückte sie ein wenig näher, und zuletzt lehnte sie ihr Köpfchen an deren Schulter, schmiegte sich an sie und streichelte leise ihre Hand. Die gute Tante zog die kleine Nichte auf ihren Schoß und meinte lächelnd: „Ich glaube, wir werden bald recht gute Freundinnen werden.“
Da leuchteten klein Tonis Augen auf, und sie fragte eifrig: „Wirklich, Tante Toni? Willst du meine Freundin sein, meine wirkliche Freundin?“
„Aber gewiß, sehr gerne!“
Wie der Wind huschte die Kleine vom Schoße der Tante herunter, und ganz rot vor freudiger Aufregung stürzte sie auf die andern Kinder zu und rief mit strahlenden Augen:
„Du, Mieze! du, Anna! ich hab' jetzt auch eine Freundin! – Ihr braucht jetzt gar nicht mehr so ein Getue zu machen mit euern Freundinnen! Ich hab' eine viel größere und eine viel bessere Freundin wie ihr – denn Tante Toni ist meine Freundin!“ Und triumphierend schaute klein Toni ihre Geschwister, Vettern und Cousinen an.
Diese aber brachen in ein schallendes Gelächter aus. Das hatte das Kind nicht erwartet. Es war erst starr vor Überraschung, dann wurde es rot und rief halb weinend: „Was lacht ihr mich denn aus? Ich hab' doch gar nichts Dummes gesagt!“