„Im Wald, im Wald,
Im frischen, grünen Wald – wo's Echo hallt.“
Es waren Mariechen und Anna, die sich leise fortgeschlichen hatten, um der lieben Tante diese kleine Überraschung zu bereiten.
„Das habt ihr brav gemacht, Kinder!“ rief Tante Toni am Schluß sichtlich erfreut. „Ihr wißt ja, wie gern ich unsere schönen deutschen Lieder im lieben deutschen Wald oder auf den deutschen Bergen höre! Kennt ihr das Lied: ‚Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut?‘“
„O gewiß, das kennen wir alle!“ Und diesmal stimmten auch die Knaben mit ein. Paul, der eine schöne Stimme und gutes Gehör hatte, sang die zweite Stimme. Tante Toni saß ganz still und freute sich, wie der helle Kindergesang so frisch in die freie Natur hinausschallte.
„Sogar die Vöglein schwiegen und hörten euch zu“, behauptete sie, als das Lied zu Ende war.
„Nun mußt du aber auch singen, Tante“, baten die Kinder, und es erklang noch gar manch lustiges und manch schwermütiges Volksliedchen, bis auf einmal ein anderer, ein feierlicher Ton sich unter den Gesang mischte – von der Dorfkirche drunten im Tal das Abendläuten.
Da verstummte der Gesang und alle lauschten still, bis der letzte Glockenton verhallt war.
Plötzlich sprang Tante Toni auf und rief: „Aber, Kinder, wir vergessen ja ganz die Zeit! Schnell, schnell zum Aufbruch geblasen, damit wir noch vor Dunkelwerden heimkommen!“
„O wie schade, es war so wunderschön hier!“ bedauerten die Kinder, sich zum Aufbruch richtend.
„Aber wo ist denn Otto?“ fragte auf einmal Tante Toni, sich nach allen Seiten umsehend. Niemand wußte es, niemand hatte ihn fortgehen sehen. Aber Mariechen behauptete, er könne noch nicht lange fort sein, denn vor wenigen Minuten hätte sie ihn noch im Gras herumkriechen sehen.