„Na, es ist wirklich Zeit, daß die alle wieder andere Gesichter machen; das war doch zu dumm!“ Und leise in sich hineinkichernd fügte er hinzu: „Nein, war das drollig, da oben in dem Stein zu sitzen und zu sehen, wie die andern alle suchten und sich den Hals heiser schrien – ich mußte mich wirklich zusammennehmen, um nicht laut aufzulachen!“

Aber Lilly stimmte nicht in Ottos Gelächter ein; sie schüttelte den Kopf und sagte nachdenklich: „Nein, Otto, es war nicht recht; das war schon kein Scherz mehr, und wie du gesehen hast, daß Tante Toni wirklich in Angst um dich war, da hättest du herunterkommen sollen. Es hat mir ganz wehgetan, wie sie auf einmal so geweint hat, und ich hätte dir nicht folgen dürfen....“

„Halt, Lilly, das ist fest unter uns ausgemacht: keins verrät das andere, und es wäre Verrat gewesen, wenn du mein Versteck entdeckt hättest. Ich möchte nur wissen, ob Tante Toni wirklich weiß, wo ich gesteckt habe.“

„Das glaube ich ganz gewiß.“

„Woher aber? Außer uns kennt doch niemand das Loch in dem Stein – es war ja früher schon Papas Geheimnis, wie er noch klein war.“

„Ja, du weißt aber auch, daß Tante Toni immer Papas Lieblingsschwester war, und da hat er sie wahrscheinlich in das Geheimnis eingeweiht.“

„Dann hätte sie sich aber doch nicht so zu ängstigen brauchen.“

„Ja, sie hat vielleicht nicht mehr daran gedacht, oder sie hat auch gar nicht gewußt, daß man sich in dem Loch verstecken kann, weil es ja früher immer voll Regenwasser war; Papa war selbst ganz erstaunt, als er voriges Jahr bemerkte, daß das Wasser jetzt ablaufen kann.“

„Ja, das ist wahr. Aber schau mal! – Ich glaube gar, da kommt Papa mit Onkel Helmer! O weh, das ist dumm!“

Es waren wirklich Herr Mehring und Herr Helmer, die, ernstlich beunruhigt durch das lange Ausbleiben der Tante und ihrer Bande, diesen entgegengegangen waren.