Otto sah seinem Vater freimütig in die Augen:
„Ja, Vater, es ist mir Ernst, und ich will tun, was mir möglich ist, um dir Freude zu machen.“
„Gott segne dich, mein Sohn, und er helfe dir; denn es ist nicht so leicht, wie du dir's jetzt denkst. Die Erinnerung an die eben überstandene schwere Prüfung wird sich mit der Zeit abschwächen, du wirst schwache Stunden haben und vielleicht manchmal in die alten Fehler zurückfallen. Laß dich dadurch nur ja nicht entmutigen, sondern bleibe beharrlich; es wird, es muß gehen mit Gottes Hilfe.“
Otto bemühte sich redlich, sein Versprechen zu halten. Er nahm es nun auch sehr ernst mit der Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion, und Lilly konnte sich gar nicht genug wundern über diese Umwandlung ihres Bruders.
„Du bist ja auf einmal ganz anders geworden wie früher“, sagte sie, ihn mit großen, verwunderten Augen ansehend. „Du bist gar nicht mehr grob, du neckst und ärgerst mich nicht mehr, und du hast dem Rudi sogar deinen Drachen geschenkt.“
Nach einigem Nachdenken fügte sie hinzu: „Muß ich auch so brav werden nächstes Jahr, wenn ich zur ersten heiligen Kommunion gehe?“
„Natürlich, Lilly, noch viel bräver, und deshalb tätest du gut daran, wenn du jetzt gleich anfingest etwas bräver zu werden. Du solltest dir zum Beispiel vornehmen, nie mehr zu lügen.“
„O, ich lüge ja gar nicht!“
„So? Ist das vielleicht nicht lügen, wenn man eine Wasserflasche zerbricht und hernach behauptet, man hätte sie gar nicht angerührt, und wenn man über ein Gitter klettert und sich dabei das Kleid zerreißt und man sagt, die andern Kinder hätten beim Spielen so gezerrt, daß das Kleid kaput gegangen sei? O Lilly, es ist so abscheulich, wenn man lügt!“
„O du, als ob du nie gelogen hättest!“ Und Lilly machte ein finsteres, trotziges Gesicht.