Toni faltete ihre Händchen über der Brust und sagte in innigem Ton: „Weil ich mich so sehr danach sehne, den lieben Heiland zu empfangen. Ich habe mir ja sogar gewünscht, recht bald zu sterben, damit ich nicht noch drei Jahre auf ihn zu warten brauche.“

„Du weißt und glaubst also, daß man in der heiligen Kommunion den lieben Heiland selbst empfängt?“

„Aber natürlich!“ sagte klein Toni, ganz erstaunt, daß der Herr Pfarrer überhaupt so etwas fragen konnte.

„Kannst du denn den lieben Heiland sehen?“

„Ich kann nur die heilige Hostie sehen, aber ich weiß, daß es doch der wirkliche liebe Heiland ist, so wie er jetzt im Himmel wohnt und wie er früher auf die Welt gekommen ist, um uns zu erlösen.“

Der Pfarrer stellte noch einige Fragen an Toni, welche dieselben alle richtig und verständig beantwortete. Dann hörte er ihre Beichte an, und als er fortging, da hatte er Tränen in den Augen.

„Morgen früh bringt er mir den lieben Heiland“, flüsterte Toni selig lächelnd vor sich hin, und sie lag die ganze Zeit wie in stiller, glückseliger Erwartung. Von ihrem Bettchen aus sah sie zu, wie Mutter und Tante Toni einen kleinen Altar im Zimmer zurechtmachten. Etwas später, als Vater und Mutter an ihrem Bett saßen, sagte sie: „Nicht wahr, der liebe Gott hat mir ja nun alles verziehen, und ihr verzeiht mir auch, Papa und Mama und Tante Toni und alle Geschwister, daß ich oft so ungehorsam und so zornig war? – Es tut mir ja so leid, und ich hab' euch alle so lieb!“

Die Eltern konnten ihre Tränen kaum zurückhalten.

Dann wurde es Nacht, und klein Toni schlief so sanft und so ruhig, wie sie lange nicht mehr geschlafen hatte. Sie hustete nicht und fühlte auch keine Schmerzen mehr. Von Zeit zu Zeit öffnete sie die Augen und fragte, ob es nun bald hell würde.

„Ich freue mich so“, flüsterte sie, und als es endlich hell geworden war, begannen die Mutter und Tante Toni die kleine Kranke für die heilige Handlung herzurichten. Vorsichtig und behutsam zogen sie ihr ein feines, gesticktes Nachtkleidchen an; auch ein kleines Myrtenkränzchen bekam klein Toni, wie ein wirkliches Kommunionkind. Die Mutter gab ihr einen schönen weißen Rosenkranz, und dann betete sie mit ihrem Töchterchen, bis unten im Hause ein Glöckchen ertönte. Nun zündete Tante Toni die Kerzen an und öffnete weit die Türe. Der Herr Pfarrer trat herein, gefolgt vom Vater, von den Geschwistern und den Dienstboten, und alle knieten nieder, als der Priester segnend die heilige Hostie erhob.