Das öfters auftretende Fischgrätenmauerwerk (herringbone) ist sicherlich aus dem benachbarten Frankenreiche herübergekommen. Vielleicht auch die vielfältige Anwendung der Dachsparrenstellung (Dreiecküberdeckung) über aufrechten Stützen anstatt des Bogens. Diese ist in England häufiger als irgendwo. Es sei dabei nochmals betont, daß an eine einfache Ableitung dieser Form aus dem antiken Dreiecksgiebel nicht zu denken sein wird; denn in unserem Falle handelt es sich um eine Überdeckung eines öfters tiefen Hohlraumes; das Dreieck ist konstruktiv, nicht aber dekorative Gestaltung, wie dort.

Möglicherweise hat das Vorbild der nahen irischen ältesten Steinkirchen hier etwas mitgewirkt, die heute noch zahlreich genug vorhanden sind. Ihre steilen Dächer sind einfach aus Steinen durch Überkragung hergestellt, allerdings innen öfters gewölbt oder durch eine zweite Wölbung unterfangen. Die Christianisierung Englands ging von Irland aus; den irischen folgten erst die angelsächsischen Missionare.

Sind Fenster und Türen also oft mit oberem Dreiecksschluß abgedeckt (Brigstock, [Abb. 60]), so fehlt es nicht an Rundbögen wie überall, ebenfalls meist aus einem Steine geschnitten, wie sonst bei den Germanen (Diddlebury); auch Hufeisenbögen fehlen nicht (Clee, Brigstock). Bei allen diesen Konstruktionen kommt die germanische Vorsicht, das Mißtrauen gegenüber der Wölbung, auf das unverkennbarste zum Durchbruch; mit Vorliebe werden die Öffnungen nach oben verengert, um der Wölbung möglichst geringe Spannweite zuzumuten. So entstehen die zahlreichen Tür- (Somerford, Keynes) und Fensteröffnungen (Brigstock, Escomb, Boarhunt), die nach oben verjüngt sind, die wir ja auch in Deutschland einige Male vorfanden. Nach Goldbach am Bodensee dürfte diese so charakteristische Fensterform in der Tat aus England importiert sein.

Ist hie und da als Mauertechnik das petit appareil der Franken vorhanden, wohl nach römischem Vorbild, so wiegt doch im allgemeinen Bruchsteinmauerwerk vor, selten durchbrochen durch Verwendung von Ziegeln (etwa zu Bögen), die dann meist von Römerbauten stammen, oder Fischgrätenschichten; manchmal finden wir auch ganz gute Quaderbauten.

Die den Angelsachsen eigentümlichste Konstruktion im Mauerwerk ist entschieden die Verwendung von Steinstreifen und Einfassung in „long and short work“, einer Art Steinfachwerk wie es auch die Römer schon kannten. Es sind dies Eckeinfassungen, bestehend aus langen aufrechtstehenden Steinbalken quadratischen Querschnittes, ziemlich regelmäßig unterbrochen durch flache Binder, die nach beiden Seiten tief ins Mauerwerk hineingreifen. Diese höchst charakteristische Bildung der Gebäudeecken, auch an Portaleinfassungen sehr beliebt (Brigstock, Market-Overton), wird in der Tat kaum anders aufzufassen sein, als eine Übertragung von Holzfachwerk in Stein. Die pompejanische gleichartige Verstärkung des Mauerwerks bezeichnet schon Dehio als Steinfachwerk; in England scheint eine solche von neuem sich herausgebildet zu haben. Jedenfalls erklärt B. Brown, dem wir die gründlichsten Untersuchungen über diese Materie verdanken, das Lang- und Kurzwerk als eines der charakteristischsten und unverkennbarsten Merkmale der angelsächsischen Bauweise.

Ferner fällt uns an diesen Bauten die so äußerst häufige Übertragung des Drechslerwerkes auf Stein auf. Steinsäulen kleineren Formates, insbesondere Fenstermittelsäulen, sind fast immer als richtige Baluster gedreht, nicht etwa Verkleinerungen großer Steinsäulen. In der merkwürdigsten Weise sind solche gedrehte Säulchen ohne Kapitell und Fuß in die Portallaibungen des bekannten Portals zu Monkwearmouth, auf jeder Seite zwei, eingestellt, den Bogenkämpfer zu tragen ([Abb. 183]). Die deutlichste Übertragung des Holzwerks in Stein, die überhaupt nur möglich ist. Selbst in ganzen Reihen nebeneinander sind solche Baluster als Wandzierung beliebt; auch friesartig unter oder in Gesimsen gereiht (Jarrow), wie wir gleiches schon in Germigny-des-Prés fanden. Diese gedrechselten Säulen, in Jarrow und Monkwearmouth in größerer Anzahl vorhanden, stimmen in ihrem Wesen völlig mit den auch bei uns fast bis heute in jeder Verwendungsweise üblichen gedrehten Holzsäulchen, so an Stühlen, Spinnrädern u. dgl. Oft sind sie etwas bauchig, manchmal, wie bei den charakteristischen Fenstersäulchen des Turmes von Earls Barton, beinahe faßförmig.

Abb. 183. Monkwearmouth. Portal.

Eine andere früher schon erwähnte wohl aus ähnlichen Grundlagen hervorgehende nordische Wandgliederung ist, wie früher erwähnt, in England ebenfalls nicht selten: die Arkadenreihe oder Zwerggallerie, doch dann ganz flach, wie in Holz geschnitten. Wir fanden diese Form im norwegischen Holzbau bereits von selber gegeben; auch im Dänischen ist sie zu Hause, vielleicht aus England herübergebracht. Insbesondere als einfachste Wandgliederungen außen (Barton-on-Humber) oder innen (Dunham Magna).

Hier mag die Erwähnung der in späterer angelsächsischer Zeit auftretenden Chorbogenumrahmung einen Platz finden, wie wir solche mehrfach in stattlichster Ausbildung antreffen: Halbsäulen und Pilaster ohne ausgebildetes Kapitell den Bogen einfassend und um ihn herumgeführt, durch ein schwereres Kämpfergesims unterbrochen. In Wittering und Bosham, Clayton, Worth und an anderen Orten sind solche in starker, plastischer Ausbildung vorhanden und geben dem kräftig vortretenden Choreingang ein ganz eigenartiges Gepräge.