Eine gar nicht zu verkennende Nachahmung von richtigem Holzfachwerk sodann sehen wir an dem schönen Turme zu Earls Barton, wo dünne Streifen vertikal die Flächen des Gebäudes durchziehen, von Zeit zu Zeit durch Bögen, aber auch durch richtige Balkenkreuze verbunden. An den Ecken Lang- und Kurzwerk ([Abb. 184]). Eine Erinnerung daran dürfte die äußere Gliederung des Turmes zu Barton-on-Humber sein.
Abb. 184. Earls Barton. Turm.
Es bleibt nur noch übrig, die wichtigeren Bauwerke selber zu nennen, die heute noch aufrecht stehen. Es kommen für uns natürlich vorwiegend die in Betracht, die in der Zeit bis zur Dänennot entstanden; die späteren stehen zum Teil bereits unter dem Einflusse der karolingischen Kunst, sind also nicht mehr in gleichem Maße als original-angelsächsisch anzusehen.
Brixworth
Von den ältesten sei hier die Kirche in Brixworth genannt, ein Basilikenbau wohl noch des 7. Jahrhunderts, in der Spätzeit westlich mit einem Turmanbau versehen. Der Grundriß ist dadurch besonders interessant, daß die halbrunde Chorapside, mit einem engen Chorbogen sich öffnend, mit einer Verlängerung der Schenkel versehen ist, wie hierzulande üblich; daß ferner vom Mittelschiff ein besonderer quadratischer Teil vor der Apsis durch drei Bögen auf Pfeilern abgetrennt war (Fundamente noch vorhanden), wie wir ihn auch z. B. in S. Miguel de Escalada in Spanien antrafen. Der offene Dachstuhl ist jünger, doch auf einen ursprünglich vorhandenen gleicher Art deutend; die Trennungspfeiler nach den (abgebrochenen) Seitenschiffen zu sehr lang, größer als die Bogenöffnungen dazwischen. Die Bögen sind aus alten römischen (ganz dünnen) Ziegeln gemauert; der Turm öffnet sich im Oberstock mit einem dreifachen Fenster gegen das Schiff. Die zwei Balustersäulchen dieser Öffnungen ohne Kapitell und Fuß sind geschwellt, fast faßförmig.
Die Verhältnisse der Kirche sind stattlicher als sonst.
Die anderen Basiliken und größeren Kirchen aus erster Zeit sind alle verschwunden; von Reculver, Ripon, Hexham und den wichtigen Kirchen zu Canterbury, meist aus Wilfrids Zeit, sind nur noch Ruinen oder Fundamente übrig.
Escomb
Noch vorhanden ist dagegen die kleine Kirche zu Escomb (Durham): ein ganz schmales sehr langes Schiff mit ziemlich quadratischer Apsis, diese mit einem nur etwa 1,50 m breiten, aber beinahe 5 m hohen Chorbogen geöffnet, was einen ganz eigenen Eindruck hervorruft. Der Chorbogen ist in bekannter Art mit Lang- und Kurzwerk (Steinfachwerk) eingefaßt, hat stumpf abgeschnittenen Kämpfer von ungleicher Dicke. Die Türen an der Nordseite des Chores und Schiffes sind ähnlich mit Steinbalken und Bindern dazwischen eingefaßt und haben wagerechten Sturz; dieser ganz zimmermannsmäßig über den Gewänden ebenso ausgeklinkt, wie wir es bei langobardischen Bauten fanden (Cividale), die zwei Fenster der Südseite mit Bogen aus einem Stein nach oben verengert; die der Nordseite ebenso, doch flach abgedeckt. Südvorhalle und große Fenster sind neuere Zutaten, der offene Dachstuhl vielleicht teilweise ursprünglich; mit flachen stichbogigen Dachbalken.