Der ganze Bau ist in guter Quadertechnik ausgeführt.

Man schreibt ihn dem 8. Jahrhundert zu, der Zeit, wo in allen Ländern die germanische Baukunst ihre selbständigste Entwicklung fand. Ich machte schon früher darauf aufmerksam, daß die kleine Kirche zu Goldbach am Bodensee mit dieser angelsächsischen sehr viel gemein hat, nur fehlt hier die Abtrennung einer inneren Vorhalle, die übrigens einst doch bestanden haben dürfte, da das Schiff von sonst geradezu unverständlicher Länge ist.

Monkwearmouth

Der Überrest der Kirche zu Monkwearmouth, bestehend im Westturm und der Südmauer des Schiffes, gehört ebenfalls hierher. Die Kirche ist sonst gänzlich umgebaut, die Länge des schmalen Schiffes war aber ebenfalls sehr groß. Nur der Turm zeigt noch die alte Architektur und ist von ganz besonderer Wichtigkeit durch sein schon öfters erwähntes Portal, das zu den eigensten Schöpfungen der alten Angelsachsenkunst zählen dürfte.

Der Turm ist heute fünf Stockwerke hoch, in rauhen Quadern und Bruchstein gut erbaut, wie meist ohne Spitze; vier einfache Plattengesimse teilen die Geschosse ab; die oberen sind aber bedeutend jünger (obwohl immer noch angelsächsisch), wie aus dem Vorhandensein der beiden westlichen oberen Fenster des Schiffes hervorgeht, die durch den Turmaufbau heute verdeckt sind.

Der älteste Bau stammte aus der Zeit des Bischofs Benedikt, der um 675 hier ein Kloster gründete und eine Kirche errichtete, ebenso wie die Kirche zu Jarrow. Das Kloster war bedeutend und besaß mehrere Kirchen und Kapellen; doch da die Chronik erzählt, daß Benedikt Maurer und Bauleute aus Frankreich mitbrachte, um seine Kirche nach fränkischer Art zu bauen — im Laufe eines Jahres —, wir aber nichts an ihr finden, was irgendwie fränkisch aussieht, so wird wohl ein Neubau im 8. spätestens im beginnenden 9. Jahrhundert stattgefunden haben.

Der wichtigste Teil der ursprünglichen Vorhalle, jetzt des Turmes der Kirche, ist also das Westportal ([Abb. 183]); einfach genug, doch hoch bedeutsam. Ein kräftiger Bogen auf zwei stumpf abgeschnittenen Kämpfern ruhend, die einfach abgeschrägt sind; diese Kämpfer ruhen jeder auf zwei freistehenden gedrehten und geringelten Balustersäulen ohne Kapitell und Fuß; der Sockel unter den Balustern springt wieder in die Kämpferflucht vor und zeigt an der inneren Fläche zu Bandornament geflochtene Schlangen, darauf zwei Vogelköpfe mit durcheinander durchgesteckten Schnäbeln. Das ist alles; doch drückt es dem Ganzen den merkwürdigsten Stempel auf. Solches germanisches Ornament wie hier fehlt freilich heute den so einfachen englischen Bauwerken sonst überall; doch wird dessen sicher einst mehr dagewesen sein. Der höchst anspruchslose Formalismus des Ganzen ist von erstaunlicher Wirkung und vereinigt sich zu einem der bezeichnendsten Werke der altgermanischen Kunst mit allen Merkzeichen ihrer Anlehnung an den Holzbau.

Reste ganz gleicher Baluster finden sich an jenen inneren Oberfenstern des Schiffes der Westwand vermauert, doch andeutend, daß diese einst ganz wie das Portal mit bogentragenden Säulchen eingefaßt waren.

In Jarrow sind ähnliche Säulchen in größerer Zahl vorhanden, sowie ein Gesimsrest in der Vorhalle, in dem kleine Baluster dicht nebeneinander als Dekoration verwandt sind.

Die folgende Zeit hat wenig bauen können, wegen der schwierigen politischen Verhältnisse; doch direkt nach der Sicherung des Reiches durch Aelfred den Großen begann ein Wiederaufblühen der alten Kunst, freilich bald durch kontinentale Einflüsse gestört. Aber einige Werke dürfen wir zu unserem Kreise doch noch rechnen, deren Entstehung vielleicht erst dieser Epoche angehört, deren Wesen aber sie als noch ganz in die ältere Kunst gehörig erweist. Andere schreiben sie allerdings überhaupt noch der älteren Zeit, dem 8. spätestens dem Beginn des 9. Jahrhunderts zu.