Bradford-on-Avon

Vor allem das zierlichste und feinste Werk der Angelsachsenzeit: das Kirchlein zu Bradford-on-Avon ([Abb. 185]). Oben schon ist der kleine Bau kurz geschildert: ein rechteckiges Schiff, auf das sich der rechteckige Chor mit engem Bogen öffnet; nördlich und einst südlich je eine Vorhalle, die ins Schiff führte. Steile Dächer bedecken den gediegenen derben Quaderbau, der in einiger Höhe von einem Plattengesims umzogen wird; darunter einfache Lisenen, darüber aber ringsum eine flache Arkade oder Zwerggalerie (an der Vorhalle etwas verstümmelt), die ihm seinen besonderen Charakter verleiht. Es sind nur ganz flach eingetiefte Bögen auf Pilastern mit schräg geschnittenen Kämpfern und Füßen. Die Giebel zeigen Reste ähnlicher Pilaster, vielleicht einst Fenster umfassend; hier ist der Originalzustand entstellt.

Abb. 185. Bradford-on-Avon.

Die Tür der Nordvorhalle sehr eng mit Rundbogen überdeckt und mit flachen Profilen eingefaßt; in der Vorhalle gen Osten ohne Zweifel einst ein Altar. Das Innere der Kirche ist hoch, etwa 8 m, und ebenso lang, aber nicht viel über 4 m breit; der Chorbogen, mit drei Rundstäben eingefaßt, wie üblich sehr eng, noch nicht 1 m weit. Das Südfenster des Chors verjüngt sich nach oben; alles ist sonst sehr einfach; über dem Chorbogen das einzige Skulpturwerk jener Zeit: zwei Engel zu beiden Seiten, Kränze tragend, in bescheidenem Flachstil etwa langobardischen Charakters; vielleicht ein Rest einer größeren Darstellung (Kreuzigung?). Der ganze kleine Bau ist dabei von einer gewissen Vollkommenheit in der Technik; ich neige mich dazu, ihn noch dem 8. Jahrhundert zuzuschreiben, da er mit spanischen Werken der gleichen Zeit die größte innere Verwandtschaft zeigt.

Deerhurst

Spätestens ins 9. Jahrhundert rechnet man auch noch die Reste der Kirche in Deerhurst, insbesondere den Turm und die Ostpartie; letztere besonders ausgezeichnet durch zwei querschiffartig angebaute Vorhallen oder Kapellen mit Oberstockwerk und einem verlängerten halbrunden Chor von Schiffbreite; der Westturm von verlängertem Grundrisse hat ein oberes Zimmer mit einem eigenartigen Doppelfenster nach dem Schiff: drei Pilaster, davon der mittlere kanelliert, schließen zwei mit Dreieck überdeckte Öffnungen ein ([Abb. 60]); ein Motiv, das in ähnlicher Weise in Aachen an der Westfront der Pfalzkapelle auftritt (vermutlich dort falsch restauriert).

Worth

Denselben Grundriß zeigt, doch ohne Westturm, die der folgenden angelsächsischen Zeit angehörige ganz wohl erhaltene Kirche zu Worth, wo die beiden Kapellen am Schiff aber zu einem wirklichen Kreuzschiff anwachsen, allerdings immer noch niedriger als das Hauptschiff. Der Chor ist verlängert halbrund, mit prächtigem Chorbogen von Rundstäben und Platten auf felsenähnlichem Fußwerke eingefaßt, alles in mächtigen Quadern. Außen sind die Ecken mit Lang- und Kurzwerk ausgebildet, ein Gesims umgibt das Ganze, darunter Streifen pilasterartig ebenfalls in Lang- und Kurzsteinen. Darüber im Chor halbrunde Fenster, im Schiff Doppelfenster — nördlich zwei, südlich eins — auf geschwellter Mittelsäule ohne Kopf und Fuß, nordisch knorrig; die zwei Türen auf den Seiten des Schiffes etwa 1 m weit aber 4 m hoch; echt angelsächsisch.

Breamore